Walkthrough

China wächst so langsam wie seit 2009 nicht mehr. Das ist NICHT zum Fürchten

von Lukas Sustala / 19.10.2015

China baut sein Wirtschaftsmodell um und wächst dabei ein bisschen weniger. Die Deutsche Bank baut den Vorstand um und wird schrumpfen. Die OMV reagiert auf fallende Ölpreise und könnte die Gas Connect Austria verkaufen. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Chinas Wachstum: Niedriger, aber auch besser? Die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, China, wächst gemessen am Bruttoinlandsprodukt so langsam wie seit 2009 nicht mehr. Das ist die Schlagzeile, die heute Finanz- und Wirtschaftsmedien dominiert. Doch man muss hinter die BIP-Zahl blicken, nicht nur weil die Qualität der chinesischen Wirtschaftsstatistiken so oft in Zweifel gezogen wird (NZZ.at). 6,9 Prozent mögen so wenig Wachstum wie seit 2009 nicht mehr sein. Doch das gesamte Wirtschaftsprodukt Chinas ist aktuell doppelt so hoch wie noch 2009. Absolut betrachtet trägt Chinas Konjunkturmotor die Weltwirtschaft mit 6,9 Prozent im Jahr 2015 also weiter als sieben Prozent im Jahr 2009.

Doch das ist nicht alles, was sich an der chinesischen Wirtschaft geändert hat. Auch die Struktur der Wirtschaft sieht gänzlich anders aus als noch vor wenigen Jahren. Infrastrukturinvestitionen treten in den Hintergrund, Konsumausgaben in den Vordergrund. Wo genau die chinesische Wirtschaftspolitik beim Umbau der Volkswirtschaft steht, zeigt NZZ-Peking-Korrespondent Matthias Müller in seiner Analyse der Wirtschaftsdaten (NZZ.at). Dass die chinesische Führung weniger Geld in immer größere, aber vielleicht auch immer weniger nützliche Infrastrukturprojekte pumpt, könnte das Wachstum sogar besser und nachhaltiger machen.

Sesselrücken bei der Deutschen Bank. Apropos Umbau. Bei der Deutschen Bank bleibt kein Stein auf dem anderen (NZZ.at). Nach dem Horrorquartal von Juli bis September versucht sich das größte deutsche Geldhaus auch personell neu aufzustellen. Der neue CEO John Cryan hat den Vorstand so umgebaut, dass Weggefährten seines Vorgängers Anshu Jain nicht mehr die Spitzenetage in Frankfurt bevölkern.

OMV korrigiert Annahmen. Der österreichische Gas- und Ölkonzern OMV hat mit den dramatisch fallenden Ölpreisen ebenso wenig gerechnet wie andere Konzerne der Branche. Und die Strategie, die man nun in Wien wälzt, klingt so ähnlich: Investitionen kappen, Teilverkäufe, Abschreibungen. Die OMV will bis zu 49 Prozent der Gas Connect Austria verkaufen, das Unternehmen betreibt und errichtet Erdgas-Hochdruckleitungen in Österreich. Damit soll die Bilanz gestärkt werden. Doch aus anderer Ecke droht weiteres Ungemach für die OMV. Aus dem Trading Statement vom 19. Oktober: „Der Konzern hat entschieden, die kurz- und längerfristigen Ölpreisannahmen zu überprüfen. Unsere Annahmen für den Brent-Ölpreis sind jetzt USD 55/bbl für 2016, USD 70/bbl für 2017, USD 80/bbl für 2018 und ab 2019 USD 85/bbl. Der EUR-USD-Wechselkurs wird für diesen Zeitraum bei 1,15 erwartet. Diese geänderten Annahmen erforderten Wertminderungen bei den Vermögensbewertungen im Upstream-Geschäft, die sowohl Vermögenswerte in Produktion und in Entwicklung als auch Explorationsvermögen betreffen und in diesem Quartal erfasst wurden. Die im Quartal verzeichneten Netto-Sonderaufwendungen werden etwa in Höhe von EUR 1 Mrd erwartet und resultieren hauptsächlich aus den reduzierten Ölpreisannahmen.“

Wie Volkswagen Osteuropa trifft. Dass der Volkswagen-Skandal auch in Österreich seine Effekte haben dürfte, ist klar, sind doch die Autozulieferer hierzulande der wichtigste Industriezweig. Doch auch in einigen für Österreichs Exportwirtschaft so wichtigen osteuropäischen Ländern ist Volkswagen sehr stark vertreten (NZZ.at). Kaum ein Konzern produziert so viele Autos in Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Polen. Auf den ersten Blick ist Osteuropa daher besonders von einem möglichen Auftragseinbruch aus Wolfsburg gefährdet. Doch zum einen sind die osteuropäischen längst auch Heimatländer so mancher Volkswagen-Konkurrenten. Zum anderen werden in Osteuropa gerade auch Benziner produziert, nicht die in Verruf geratenen Dieselfahrzeuge. Das wird die Region sicherlich etwas immunisieren, doch die Verflechtungen zwischen Wolfsburg und Osteuropa sind ohne Frage sehr engmaschig.

Die Pensionen in Österreich: Nicht nachhaltig. Wie das Beratungsunternehmen Mercer in einer aktuellen Studie feststellt, hat Österreich in seinem Pensionssystem wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf (Mercer). Von 25 untersuchten Ländern kommt Österreich nur auf den 18. Platz. Den oft wiederholten Versprechen zum Trotz stellt Mercer, zusammen mit der Denkfabrik Agenda Austria, dem österreichischen Pensionssystem vor allem beim Faktor Nachhaltigkeit ein sehr schlechtes Zeugnis aus. „Die fehlende Nachhaltigkeit des österreichischen Systems, z.B. im Vergleich zum schwedischen Modell, ist dadurch begründet, dass es keine automatische Anpassung an demografische Entwicklungen gibt.

Free Lunch – Food for Thought

Amazon verklagt 1.000 Falsch-Rezensenten (FAZ).

Warum wir eine Lanze für klassische Anleihen-Investments brechen – weil andere Anlageformen auch nicht viel mehr bieten (Morningstar).

Warum sich Costco und AmericanExpress scheiden ließen (Bloomberg).

Wie wirkt sich der Flüchtlingsstrom auf Europas Volkswirtschaften aus (Bruegel).