Chinas Stahlexporte als Argument für Trump

von Matthias Müller / 08.08.2016

Chinas darbender Aussenhandel ist ein Abbild der immer noch schwachen Weltkonjunktur. Die chinesischen Stahlproduzenten schlagen sich dagegen gut. Sie „beglücken“ mit ihren Exporten den Rest der Welt.

Chinas Aussenhandel kommt in diesem Jahr nicht vom Fleck und bleibt hinter den Erwartungen zurück. Die von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten Analytiker hatten für Juli einen Rückgang der in Dollar bewerteten Exporte um 3,5% im Vergleich mit der Vorjahresperiode prognostiziert. Sie sollten sich täuschen. Das Minus von 4,4% fiel deutlich kräftiger aus als erwartet, obwohl das verarbeitende Gewerbe der wichtigsten Handelspartner Chinas optimistischer geworden ist. Auch bei den Einfuhren überraschte der chinesische Aussenhandel die Ökonomen negativ. Sie gingen – in Dollar bewertet – im Juli gegenüber dem Vorjahr um 12,5% zurück; Bloomberg hatte auf Basis der Befragung ein Minus von 7,0% prognostiziert. Unter dem Strich weist die chinesische Zollbehörde (General Administration of Customs) einen Handelsbilanzüberschuss von 52,3 Mrd. $ aus.

Stahlexporte legen kräftig zu

Auf besonderes Interesse dürfte im US-Präsidentschaftswahlkampf der Aussenhandel Chinas mit den Vereinigten Staaten stossen. Die Daten werden Wasser auf die Mühlen von Donald Trump sein. Im Juli gingen zwar die chinesischen Exporte in die USA um 2% zurück. Da jedoch die Einfuhren um mehr als 23% einbrachen, betrug der chinesische Überschuss im Handel mit Amerika 25 Mrd. $. Für schlicht argumentierende Gemüter liegt der Befund auf der Hand: Erst hat China den USA Millionen von Arbeitsplätzen „geraubt“, und nun sind in China nicht einmal mehr Produkte aus den Vereinigten Staaten gefragt.

Für vergleichbare Empörung, wenn auch auf höherem intellektuellem Niveau, werden die Zahlen über die chinesischen Stahlausfuhren sorgen. Diese zogen im Juli weiter an, was allen voran den europäischen Stahlkonzernen und den dortigen Politikern die Zornesröte ins Gesicht treiben wird. In den gesamten ersten sieben Monaten dieses Jahres exportierte China 67,4 Mio. Tonnen (t) Stahl. Das entspricht einem Plus von 8,5% gegenüber der Vorjahresperiode.

Damit hat China im laufenden Jahr bereits so viel von dem Industriemetall ausgeführt, wie Südkorea im gesamten vergangenen Jahr – als damals sechstgrösster Produzent weltweit – hergestellt hat. Sollte sich die Entwicklung bis Jahresende fortsetzen, würde China im laufenden Jahr mehr als 120 t Stahl exportieren. Im gesamten vergangenen Jahr produzierten laut Branchenverband World Steel Association die sieben grössten EU-Produzenten des Industriemetalls (Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien, Grossbritannien, Polen, Österreich) zusammen 122,3 Mio. t.

Devisenreserven sinken leicht

Neben den Aussenhandelszahlen wurden die Daten zu den chinesischen Devisenreserven veröffentlicht. Sie betrugen Ende Juli dieses Jahres 3201 Mrd. $, was einem Rückgang um 4,1 Mrd. $ gegenüber dem Vormonat entspricht. Die People’s Bank of China (PBoC) hatte im Juni 2014 noch einen Bestand von annähernd 4000 Mrd. $ in ihren Büchern. Chinas Devisenreserven sind davor und danach niemals höher gewesen.

Laut Julian Evans-Pritchard vom Beratungsunternehmen Capital Economics intervenierte die PBoC in den vergangenen Wochen deutlich weniger als zuvor am Devisenmarkt, um den Yuan zu stabilisieren. Nach 15 Mrd. $ im Juni kaufte Chinas Notenbank im Juli noch Devisen im Wert von rund 7 Mrd. $. Diese Entwicklung ist vor allem eine Folge des höheren Handelsbilanzüberschusses im Juli mit 52,3 Mrd. $, nach 47,3 Mrd. $ im Monat zuvor.

Capital Economics schätzt, dass sich seit April dieses Jahres die monatlichen Kapitalabflüsse auf 25 Mrd. $ belaufen. Als Ende vergangenen, Anfang dieses Jahres der Yuan unter Druck stand und viele in Dollar verschuldete chinesische Unternehmen ihre Verbindlichkeiten zurückzahlten, um die aus einer schwächelnden Währung resultierenden Risiken zu reduzieren, bewegten sich die Kapitalabflüsse noch in ganz anderen Dimensionen. Besonders hoch waren sie im Dezember 2015 mit 107,9 Mrd. $.