Größte Rinderfarm wechselt Besitzer

Chinesen kaufen 1,3 Prozent von Australien

von Patrick Zoll / 20.04.2016

Kidman & Co, Australiens größter Landbesitzer, wird verkauft. Nachdem die Regierung einen ersten Übernahmeversuch durch eine chinesische Gruppe verboten hatte, musste das Paket neu geschnürt werden.

185.000 Rinder und 101.000 Quadratkilometer Land wechseln die Hand. Der Verwaltungsrat von Kidman & Co hat entschieden, ein Kaufangebot eines chinesisch-australischen Konsortiums anzunehmen. Der Kaufpreis beträgt 370,5 Millionen australische Dollar, rund 254 Millionen Euro. Der Deal muss noch vom Foreign Investment Review Board (Firb) genehmigt werden, doch es wird davon ausgegangen, dass dies eine Formalität ist.

Militärisches Sperrgebiet

Die zwölf Cattle Stations von Kidman umfassen 1,3 Prozent der Landfläche oder 2,6 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Australiens. Im vergangenen November hatte die Regierung den Verkauf in letzter Minute verboten. Stein des Anstoßes war Anna Creek, mit 23.700 Quadratkilometern mit Abstand die größte Cattle Station des Landes. Die Farm grenzt an ein militärisches Sperrgebiet. In Woomera testet das australische Militär Raketen und andere Waffen. In den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren führte Großbritannien dort auch Atomwaffentests durch. Die strategische Bedeutung dieses Geländes ist auch heute noch so wichtig, dass Canberra keine chinesische Nachbarn dulden wollte.

Die Besitzerfamilien von Kidman und die interessierte chinesische Shanghai Pengxin Group gingen daher noch einmal über die Bücher. Anna Creek wurde aus dem Gesamtbesitz herausgelöst. Obwohl dadurch die verkaufte Landfläche rund ein Viertel kleiner wurde, stieg der Preis von 325 auf 370 Millionen australische Dollar. Denn in letzter Minute meldeten sich auch noch australische Interessenten für Kidman.

Dakang Australia Holdings, eine Tochterfirma von Shanghai Pengxin, ging eine Partnerschaft mit Australian Rural Capital (ARC) ein, einer Firma, die an der australischen Börse notiert ist. Dakang wird 80 Prozent und ARC 20 Prozent des verkauften Rinder-Imperiums halten. Anna Creek geht nach Angaben des nationalen Fernsehsenders ABC an das südaustralische Unternehmen Williams Cattle Company. Dieses besitzt bereits Farmen, die an Anna Creek grenzen.

Misstrauen gegenüber Chinesen

Der Verkauf von Kidman & Co schlägt auch Wellen, weil es sich um ein legendäres Unternehmen handelt. Sidney Kidman baute das Rinder-Imperium Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts innert weniger Jahre aus dem Nichts auf. Heute ist Kidman & Co weltweit einer der größten Rinder-Halter und bedient Märkte in Japan, den Vereinigten Staaten und Südostasien. Die bisherigen Besitzer waren die Nachkommen von Sidney Kidman.

China ist der größte Handelspartner Australiens und seit letztem Jahr der wichtigste Investor in die lokale Landwirtschaft. Erst vor drei Wochen kaufte die chinesische Moon Lake Investments für 280 Millionen australische Dollar den größten Milchproduzenten Australiens, Van Diemen’s Land Company.

Wie auch bei Immobilien werden die Aktivitäten chinesischer Investoren in der Landwirtschaft aber mit Besorgnis betrachtet. Nationalistische Politiker sehen die Nahrungsmittelproduktion und die Kontrolle über das knappe Wasser in Gefahr. Im vergangenen Jahr wurden die Regeln für chinesische Investoren verschärft: Landkäufe von mehr als 15 Millionen australische Dollar und Investitionen in Landwirtschaftsbetriebe von mehr als 55 Millionen australische Dollar müssen nun vom Firb genehmigt werden. Zuvor lag die Grenze bei 252 Millionen australische Dollar. Für Käufer anderer Nationalität sind die Grenzen noch einmal deutlich höher.