Crash Boys, Yanis Varoufakis und Ferdinand Piëch

von Lukas Sustala / 27.04.2015

Griechenlands Finanzminister provoziert mit Vergleich; eine neue Ära für Volkswagen; schrumpfende Banken in Europa. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Game of Thrones, Autobauer-Edition. Ferdinand Piëch hat sein Mandat als Aufsichtsratsvorsitzender beim größten deutschen Autobauer Volkswagen zurückgelegt. Damit geht eine Ära zu Ende, die vor allem auch mit einem geradezu autokratischen Führungsstil von Piëch verbunden wird (NZZ.at). Ob man seinen Führungsstil wirklich mit dem Spektakel von Game of Thrones vergleichen kann, sei dahingestellt (WSJ, Paywall). Aber Volkswagen muss in jedem Fall relativ zügig mehr als nur die Nachfolge an der Spitze klären.

Provokation und Countdown. In Athen geht es dieser Tage um viel. Die sich verstärkende Einlagenflucht aus griechischen Banken und das brüchige Budget hat sich in den vergangenen Tagen mit einem handfesten Streit in der Eurogruppe verbunden (FAZ). Griechenlands Finanzminister provozierte am Freitag seine Amtskollegen und legte am Wochenende auf Twitter nach, als er sich mit dem US-Präsidenten FDR in den 1930er Jahren verglich. Dabei schreibt Yanis Varoufakis in einem aktuellen Text auch davon, dass er einen New Deal für Griechenland anstrebt (Project Syndicate).

Crash Boys. Flash-Boys-Autor Michael Lewis über den Flash Boy Navinder S. (Bloomberg View):

A guy living with his parents next to London’s Heathrow Airport enters a lot of big, phony orders to sell U.S. stock market futures; the market promptly collapses on May 6, 2010; it takes five years for the army of U.S. financial regulators to work out that there might be some connection between the two events. It makes no sense.

Manipulierte Märkte zum Nachhören. Um den Flash-Crash-Händler und die Libor-Strafe für die Deutsche Bank ging es in unserem Wochenrückblick in Podcast-Form. Viel Spaß beim Nachhören.

Schrumpfende Banken. Gleich zwei europäische Großbanken machen mit großen Sparplänen von sich reden. Die Deutsche Bank will 3,5 Milliarden Euro einsparen, die britische HSBC überlegt gar den Verkauf des britischen Privatkundengeschäfts und den Abzug aus London. Ein Blick auf die Ertragslage zeigt viel Luft nach oben für Europas Großbanken – und viel Potenzial für Schrumpfkurse:

Deutsche Bank 2.0. Die Deutsche Bank hat heute früh ihre neue Strategie vorgestellt. Im Zentrum steht eine dramatische Schrumpfung der Bank, die gut 200 Milliarden Euro ihrer Bilanzsumme abbauen will. 3,5 Milliarden Euro will die Deutsche Bank damit jährlich an Kosten sparen, um ihre Ertragsziele zu erreichen (SZ). Jede dritte Filiale soll dabei geschlossen werden, bis zum Jahresende 2016 wollen die Banker auch die Mehrheit an der Postbank verkaufen. Dafür investiert Deutschlands größtes Geldhaus eine Milliarde in das digitale Angebot.

Auch HSBC schrumpft. Auch eine andere Großbank könnte sich aus dem Privatkundengeschäft verabschieden. Die HSBC könnte ihre britische Tochter abspalten, die Berichte sorgten in Hongkong für den stärksten Kursanstieg der Bankaktien seit 2011 (Bloomberg). Die Fälle von Deutsche und HSBC zeigen, dass einige Großbanken ihr Heil im Investment Banking und der Vermögensverwaltung suchen.

eBay hilft Google gegen die EU-Kommission. Der Vorstandsvorsitzende von eBay betont in einem Interview, dass Google in der Welt des E-Commerce sehr wohl ernsthafte Konkurrenz habe (FT, Paywall). Allerdings: dass der CEO eines Mitbewerbers sich für starke Konkurrenz hält, sagt weniger über die wirklichen Marktbedingungen aus als über dessen Selbstvertrauen.