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US-Geldpolitik

Dämpfer für die Dollar-Optimisten

von Christof Leisinger / 17.12.2015

Die amerikanische Zentralbank hat am Mittwoch den Leitzins zum ersten Mal seit knapp zehn Jahren leicht erhöht. Das bewegte den starken Dollar zunächst nur leicht, nachdem er jüngst etwas nachgegeben hatte.

Die Notenbanken bewegen oft die Kurse. Am Mittwoch war die amerikanische Zentralbank (Fed) eine Kandidatin für entscheidende Impulse. Sie hat nach langem Vorspiel mit wechselhafter Geschichte den Leitzins zum ersten Mal seit knapp zehn Jahren von 0,25 Prozent auf 0,50 Prozent erhöht. Diese Entscheidung war von den Marktteilnehmern so erwartet worden – und jede andere hätte ihre Glaubwürdigkeit infrage gestellt. Noch unmittelbar zuvor waren die Anleger trotz allem verunsichert gewesen und hatten mit großen Kursbewegungen des Dollars zum Euro gerechnet.

Dollar zunächst richtungslos

Tatsächlich hat sich der Kurs der amerikanischen Währung im Verhältnis zum Euro unmittelbar nach der Zinsentscheidung vergleichsweise wenig bewegt. Er schwankte anfänglich in einer ziemlich begrenzten Spanne um die Marke von 1,09 Dollar, tendierte dabei phasenweise eher nach oben als nach unten, blieb aber meist knapp unter 1,10 Dollar. Die Fed gab in einem zusammen mit dem Zinsentscheid veröffentlichten Statement und in einer Pressekonferenz weitere Hinweise über die mögliche Entwicklung des künftigen monetären Pfads in den USA. Dabei ließ sie durchblicken, dass die US-Geldpolitik wohl allenfalls zögerlich restriktiver werden wird und dass es sich künftig unter anderem an der tatsächlichen Entwicklung der Inflationsrate in den USA orientieren wird. Diese Formulierung lässt die Anleger darauf schließen, dass die Zinsdifferenz zwischen den USA und Europa nur langsam weiter auseinanderlaufen wird, wenn überhaupt. Das sind enttäuschende Nachrichten für jene Anleger, die auf eine sich weiter spreizende Renditeschere gehofft und demzufolge mit einem deutlich stärkeren Dollar gerechnet hatten.

In den vergangenen Wochen hatten sich die Kursbewegungen an den Finanzmärkten durch eine gewisse Nervosität ausgezeichnet. Rasch wechselnde Erwartungen darüber, ob und wann die Fed den Leitzins anheben und wie die Geldpolitik nach dem historischen Ereignis aussehen werde, hatten den Devisenmarkt zum Teil erratisch bewegt. Erst hatte der Dollar gegen den Euro und andere Währungen stark zugelegt. Schließlich war eine Mehrheit der Anleger davon ausgegangen, dass die Zinsen in den USA bald deutlich steigen würden und die Europäische Zentralbank (EZB) simultan ihre Geldschleusen weiter öffnen würde.

Beabsichtigte „Langeweile“

Allerdings sorgte zunächst die EZB für eine Enttäuschung: So hat Präsident Mario Draghi am 3. Dezember zwar die Strafzinsen für Banken weiter erhöht und das Kaufprogramm für Bonds verlängert. Tatsächlich aber hatten die Investoren offensichtlich mehr von ihm erwartet. Daraufhin holte der Euro gegen den Dollar innerhalb kürzester Zeit um bis zu 5 Prozent auf, nachdem er zuvor auf bis zu 1,0524 Dollar und damit fast auf ein Dreizehn-Jahre-Tief gefallen war.

Tatsächlich scheint es dem Fed mit seinem „Tauben-Bias“ gelungen zu sein, die Abkehr von der langjährigen Nullzinspolitik langweilig zu gestalten. Fed-Präsidentin Janet Yellen legte in der Pressekonferenz jedes Wort auf die Goldwaage. Angesichts dünner Jahresend-Liquidität hätte nämlich ein falsches Wort genügt, um für Aufruhr zu sorgen.