EZB

Das Ende der Anleihekäufe rückt näher

von Michael Rasch / 05.10.2016

Ende März endet nach bisherigem Plan das Wertpapier-Kaufprogramm der EZB. Dies löst Spekulationen darüber aus, wie es dann weitergeht. Werden die laufenden Notenpressen zum Stillstand kommen?

Das Gerücht der Stunde lieferte am Mittwochmorgen die Nachrichtenagentur Bloomberg mit einer Meldung, wonach die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Wertpapier-Kaufprogramm langsam auslaufen lassen will. Die Nachricht war jedoch so vage, dass selbst an den sonst aufgeregten Finanzmärkten die Reaktionen sehr gering ausfielen. Zudem kam von der EZB sofort die Antwort, der Rat habe darüber nicht gesprochen. Eines lässt sich aber nicht abstreiten: Das Thema liegt in der Luft.

Nach derzeitigem Plan kauft die EZB bis Ende März 2017 monatlich Wertpapiere für rund 80 Mrd. €. Sie wird dann Schuldscheine über 1,74 Bio. € erworben haben. In der letzten Sitzung des EZB-Rates am 8. September hatten sich Beobachter die Ankündigung erhofft, dass die EZB ihr Kaufprogramm verlängern wird. Diese gab es aber nicht. Im Gegenteil, man konnte sogar den Eindruck haben, dass sich die Tonlage von Präsident Mario Draghi geringfügig in die andere Richtung verändert hatte. Die EZB kommt mit ihrem Kaufprogramm zudem an Grenzen, da ihr in einigen Segmenten ab Mitte 2017 die zum Kauf geeigneten Anleihen ausgehen. Insofern steht ohnehin eine Modifikation des Programms an. Ferner hat man den Eindruck, dass sich auch bei immer mehr EZB-Vertretern die Einsicht durchsetzt, dass die positiven Effekte des Programms nachlassen und zugleich die Nebenwirkungen zunehmen.

Zudem erreicht die Inflation im Euro-Raum laut den Prognosen der EZB im Jahr 2018 einen Wert von 1,6%. Damit hat die Behörde ihre eigene Vorgabe für die Teuerung von auf mittlere Sicht unter, aber dicht bei 2% fast erreicht. Wozu also den Geldhahn noch weiter aufdrehen? Die EZB wird ihr Programm zwar sicher nicht im März unmittelbar beenden. Doch eine Reduktion der Käufe um monatlich 10 Mrd. € nach dem Vorbild der US-Notenbank ist durchaus plausibel.