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Bargeld

Das Ende des großen Scheins

von Michael Rasch / 29.04.2016

Kommende Woche wird die Europäische Zentralbank aller Voraussicht nach die Abschaffung der 500-Euro-Note beschließen. Der Schein dürfte aber noch Jahre im Verkehr bleiben. Der Umtausch soll sehr langfristig gewährleistet werden. Das Ende des Scheins dürfte jedenfalls kostspielig werden.

Wenn nicht noch ein Wunder passiert, ist das Ende des 500-Euro-Scheins nicht mehr abzuwenden. Wie aus Notenbankkreisen zu erfahren ist, soll die Abschaffung der größten Euro-Note an der nächsten Sitzung des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB) am 4. Mai mit deutlicher Mehrheit und vor allem gegen Bedenken der deutschsprachigen Notenbanken beschlossen werden. Offen ist nur noch die Frage, wie man den Schein aus dem Verkehr ziehen will.

Milliarden neuer Ersatzscheine

Die Abschaffung des 500ers betrifft verschiedene Aspekte. So geht es etwa um den Druck von neuen Noten. Die EZB ist derzeit mit der Einführung der zweiten Serie aller Scheine beschäftigt. Auf dem Markt sind bereits der neue 5er, 10er und 20er. Als Nächstes wird der neue 50-Euro-Schein eingeführt, was voraussichtlich 2017 geschehen dürfte. Die danach größeren Noten sollten laut früheren Planungen auf einen Schlag lanciert werden. Allerdings ist inzwischen klar, dass von der 500-Euro-Note keine neue Version mehr auf den Markt kommen wird. Auch neue Scheine der ersten Serie des 500ers dürften wohl nicht mehr gedruckt werden. Einerseits soll es noch größere Restbestände geben. Andererseits wird die Note ohnehin selten gedruckt. Sowohl 2015 als auch 2016 stellte das Euro-System der Zentralbanken keine 500er-Noten mehr her. Ausgegeben werden sollen die Scheine mit den stilisierten Bauwerken moderner Architektur wohl noch bis zum Jahr 2018.

Eine offene Frage scheint noch zu sein, wie lange die 500-Euro-Note offizielles Zahlungsmittel bleibt. Kenner gehen davon aus, dass die Präklusion erst im Jahr 2022 oder 2023 erfolgen dürfte, womit der Schein bis dahin als Zahlungsmittel gültig wäre. Immerhin soll der 500er dem Vernehmen nach von den Zentralbanken der Euro-Zone nach heutigem Stand unbegrenzt umgetauscht werden.

Die Kosten der Umstellung dürften laut Schätzungen bei mindestens einer halben Milliarde Euro liegen, wie mit der Sache vertraute Personen frühere Medienberichte bestätigen. Die Gelddruckereien können sich die Hände reiben, denn die derzeit gut 600 Mio. im Umlauf befindlichen 500-Euro-Scheine müssen durch Noten mit kleinerem Wert ersetzt werden, etwa durch 200er- und wohl vor allem 100er-Noten. Der Ersatz der Scheine mit großem Nennwert durch solche mit kleinerem macht den Löwenanteil der Kosten aus, die Notenbanken müssen nämlich mehrere Milliarden kleinere Scheine drucken. Die Herstellungskosten von Banknoten hängen von verschiedenen Faktoren ab, etwa von der Größe, der Ausstattung mit Sicherheitsmerkmalen und der hergestellten Menge. Im Durchschnitt kostet die Produktion einer Euro-Banknote rund 8 Eurocent. Größere Scheine dürften etwas teurer sein. Dazu kommen die zahlreichen Aufwände für den Austausch und die Logistik.

Rätselhafter Aktionismus

Allerdings gehen die Kosten wohl nicht zulasten der EZB, deren Jahresgewinn 2015 bei 1,1 Mrd. Euro lag, sondern auf das Konto der nationalen Notenbanken. Diese drucken im Euro-System die Banknoten im Auftrag der EZB. Die Deutsche Bundesbank müsste entsprechend etwa einen Viertel der Kosten tragen und die Österreichische Nationalbank rund drei Prozent, da sich das zu übernehmende Produktionsvolumen nach dem Kapitalanteil an der EZB richtet.

Was hinter der Abschaffung des 500ers steckt, bleibt rätselhaft. Offiziell will die EZB damit zur Eindämmung von Kriminalität beitragen. Präsident Mario Draghi hatte mehrfach öffentlich darauf hingewiesen, dass der Schein für illegale Aktivitäten gebraucht werde. Mit diesem Argument könnte man aber auch Handys abschaffen. Zudem können und werden Kriminelle auf andere Scheine ausweichen. Bei mexikanischen Drogenbaronen finden Ermittler immer wieder ganze Hallen mit 100-Dollar-Noten, dem wertvollsten Geldschein der USA, dessen Abschaffung von prominenten Ökonomen inzwischen auch gefordert wird.

Hinter dem Aktionismus dürfte vielmehr der subtile Kampf gegen das Bargeld stecken, der eigentlich nicht mehr subtil ist. Ein Puzzleteil in diesem Bild ist auch die Einführung von Obergrenzen zur Barzahlung in vielen Ländern. In Deutschland plant Finanzminister Wolfgang Schäuble eine Grenze von 5.000 Euro für Zahlungen mit Cash.