Talent Garden

Nachhaltiges Ökosystem

Das Ende des Start-up-Hypes ist 13.000 Quadratmeter groß

von Elisabeth Oberndorfer / 16.02.2017

Mit zwei neuen Start-up-Zentren in Wien wollen Investoren und Stakeholder das Ökosystem bündeln. Damit soll ein nachhaltiges Ökosystem für Innovation abseits des Hypes geschaffen werden, betonen die Betreiber. 

Eine Start-up-Nachbarschaft, wie es sie in Metropolen wie New York, London oder San Francisco gibt, hat sich in Wien bislang nicht entwickelt. Das könnte sich dieses Jahr ändern, vielleicht sogar mit gleich zwei Vierteln. Denn in der Hauptstadt entstehen gerade zwei Start-up-Zentren – mit unterschiedlichen Ausrichtungen, wie die Betreiber im Gespräch mit NZZ.at erklären.

Italienischer Garten für Gründer

Das eine Zentrum ist der Talent Garden: Dabei handelt es sich um eine italienische Co-Working-Kette, die sich jetzt in Österreich niederlässt. Für den Aufbau in Wien ist Martin Giesswein zuständig, er wird gemeinsam mit Geschäftsführer Bernhard Kainrath die Österreich-Tochter von Talent Garden leiten. Zu den weiteren Gesellschaftern zählt unter anderem Berthold Baurek-Karlic vom VC-Fonds Venionaire. Der Vermieter ist die Telekom Austria, sie lässt den Co-Working-Space in eine Immobilie im 9. Bezirk einziehen. Dort wird Talent Garden 5.000 Quadratmeter einnehmen. „Talent Garden ist wirklich wie ein Garten“, sagt Giesswein über sein Projekt. Jungunternehmen sollen frei wachsen können, Partner wie A1 oder die Raiffeisen Zentralbank sind die „Wachstumshelfer“. Zum einen werden die involvierten Konzerne im Talent Garden ihre Start-up-Programme ansiedeln, zum anderen können sich Start-ups und Freelancer einen Arbeitsplatz mieten. Die monatliche Mitgliedschaft beginnt bei 180 Euro.

„500 Personen werden bei uns Platz haben“, informiert Österreich-Manager Giesswein. Dass diese trotz des wachsenden Angebots an offenen Büroräumen in Wien auch wirklich kommen werden, davon ist er überzeugt: „Wien ist absolut ready. Das zeigen unsere Analysen und die Erfahrung von Talent Garden. Außerdem sind wir ein Innovations- und kein Start-up-Campus. Wir können aus der breiten Wirtschaft schöpfen.“ So rechnet Giesswein damit, dass auch Großunternehmen Arbeitsplätze mieten werden, um vom Unternehmerspirit angezogen zu werden. „Es ist die Weiterentwicklung des Start-up-Hypes, dass sich etwa Corporates in dieses Umfeld begeben.“

Start-up-Services für Konzerne als Geschäftsmodell

Der zweite Start-up-Hub entsteht im Nouvel Tower am Donaukanal. Wo Design-Geschäfte auszogen, sollen ab 1. September Start-ups und Investoren eine Heimat finden. Hinter WeXelerate stecken unter anderem der Unternehmer und Investor Markus Wagner und die Beraterin Eveline Steinberger-Kern. Auf den 8.000 Quadratmetern rücken die Stakeholder der österreichischen Start-up-Szene näher zusammen. Die VC-Firma Speedinvest, Wagners i5invest, Pioneers und etablierte Start-ups wie Whatchado ziehen in den Tower. Damit verspricht CEO Hassen Kirmaci ein großes Netzwerk für alle, die Anschluss finden und dafür zahlen wollen. Denn während Talent Garden sich als Co-Working-Space versteht, will Kirmaci nicht nur Arbeitsplätze vermieten, sondern Services an Konzerne verkaufen. „Der zentrale Punkt unserer wirtschaftlichen Tätigkeiten ist es, Unternehmen mit Dienstleistungen zu versorgen.“ Darunter versteht der WeXelerate-Chef einen „Innovation Radar“, Zugang zum Ökosystem und potenziellen Arbeitnehmern und einen daraus resultierenden Image-Gewinn.

Zahlende Partnerunternehmen sucht WeXelerate in den Branchen Finanzen, Versicherungen, Mobilität, Logistik, Infrastruktur, Energie und Medien. Pro Industrie soll es einen „Corporate Leader“ geben, der das Thema anführt, und weitere „Corporate Partner“, die für ihre Verträge weniger zahlen, erklärt Kirmaci. Derzeit sind die Betreiber auf der Suche nach Partnern, Interessenten gäbe es bereits. Start-ups lockt WeXelerate mit einem 100-tägigen Akzeleratorenprogramm an, für das Kirmaci 10.000 Bewerber pro Jahr erwartet. Davon sollen 100 Gründer pro Jahr aufgenommen werden. „Die Auswahl treffen wir in erster Linie auf Basis des Teams. Dazu muss das Unternehmen in eine der Branchen, die wir vertreten, passen.“ Die bis zu 1.000 Arbeitsplätze, die im Start-up-Tower entstehen, will Kirmaci ebenfalls nur an passende Unternehmen vermieten. Wie Giesswein betont auch er, dass es bei WeXelerate vor allem um langfristiges Innovationsmanagement für die Wirtschaft geht.

WeXelerate und Talent Garden sehen sich deshalb nicht als Konkurrenz: „Für Wien ist es toll, dass mehrere Initiativen dieses Jahr starten“, sagt Talent-Garden-Manager Giesswein. Das Gebäude, in dem sich der Co-Working-Space ansiedeln wird, befindet sich aktuell noch im Umbau. Einen genauen Zeitpunkt für die Eröffnung gibt es deshalb noch nicht, im Sommer soll es soweit sein. WeXelerate öffnet seinen Treffpunkt für Gründer und Corporates am 1. September. Die Gastro-Partner Do & Co und das Co-Working-Cafe Cocoquadrat sorgen dafür, dass beide Welten sich dort wohlfühlen.