Scott McIntyre/Naples Daily News via AP

Das große Geschäft mit den Golfern ist vorbei

von Dominik Feldges / 30.12.2015

Führungskräften fehlt die Zeit, um sich stundenlang im Golfen zu üben. Zudem haben andere Aktivitäten dem Golfsport den Rang abgelaufen. Adidas stellt das Geschäft mit Golfartikeln auf den Prüfstand.

Sport steht bei vielen Managern hoch im Kurs, doch den Weg auf den Golfplatz finden immer weniger. Eher schwingen sich Kaderleute aufs Fahrrad oder absolvieren einen Marathon, als dass sie zum Golfschläger greifen. Das wachsende Desinteresse spüren die Betreiber von Golfplätzen wie auch die Anbieter von Golfartikeln schmerzhaft. Die Mehrheit der knapp 100 Schweizer Golfklubs sucht Mitglieder, wie vom Verband Association Suisse de Golf (ASG) zu vernehmen ist. In den meisten Regionen – als eine der wenigen Ausnahmen gilt Zürich – besteht inzwischen ein Überangebot an Spielmöglichkeiten.

Schleichender Niedergang

Verglichen mit anderen Ländern in Europa steht die Schweiz aber noch gut da. Die Zahl der Golfspieler nahm hierzulande vor allem dank der Einrichtung von Anlagen, die ohne Klubmitgliedschaft zugänglich sind, lange Zeit überdurchschnittlich zu. Der Hauptanbieter in diesem Segment, der Großverteiler Migros, baute in den vergangenen zwanzig Jahren acht derartige Anlagen und übernahm einen bestehenden Golfplatz. Als Wachstumstreiber für den Schweizer Golfsport erwies sich zudem die Zuwanderung.

2014 belief sich die Gesamtzahl der lizenzierten Golfspieler in der Schweiz auf 88 500, was 15 Prozent über dem Stand von 2009 lag. Eine weitere Expansion ist aber nicht absehbar. Es herrsche bei den Mitgliederzahlen Stagnation, heißt es auf der Geschäftsstelle der ASG. Schon klar rückläufig ist der Trend bei den Junioren. Wie in anderen Ländern nimmt das Durchschnittsalter der Golfspieler auch in der Schweiz stark zu. Derzeit beträgt es 53 Jahre.


Credits: Geschäftsberichte, European Golf Association, National Golf Foundation

In England und Schottland, wo Golf traditionell als Volkssport gilt, hat die Anzahl der Aktiven in den vergangenen fünf Jahren bereits um je 15 Prozent auf 700.000 bzw. 200.000 abgenommen. Irland, eine weitere klassische Golfer-Nation, weist für diesen Zeitraum sogar einen Rückgang von über 20 Prozent aus. Europaweit wurde der Höhepunkt bei den lizenzierten Spielern 2010 erreicht, seither bewegt sich die Zahl abwärts (vgl. Grafik). Das Angebot an Golfplätzen ist dagegen vorab wegen neuer Anlagen in mittelosteuropäischen Ländern wie Tschechien und Polen weiter gestiegen. Das deutet auf wachsende strukturelle Probleme in einem Markt hin, dessen jährlichen Beitrag zur Wirtschaftsleistung die European Golf Association auf immerhin 15,1 Milliarden Euro schätzt.


Credits: Geschäftsberichte, European Golf Association, National Golf Foundation

Auch in den USA, weltweit dem Land mit den meisten Golfern, sieht die Situation nicht besser aus. Das Spitzenjahr wurde dort mit über 30 Millionen lizenzierten Golfspielern schon 2003 verzeichnet. Mittlerweile sind es fast ein Viertel weniger. In Japan, wo der Golfsport vor allem in den 1980er und – etwas weniger ausgeprägt – in den 1990er Jahren boomte, hat sich die Anzahl der Golfer in den vergangenen 25 Jahren beinahe halbiert – auf zurzeit noch knapp 7 Millionen. Die Lage ist für viele Betreiber von Golfplätzen inzwischen derart prekär, dass im Land fast jede Woche eine Anlage den Betrieb einstellt. Teilweise werden die Golfplätze in Solarparks umgewandelt.

Ähnlich wie ihre Kollegen in Europa und den Vereinigten Staaten haben japanische Manager heutzutage anderes zu tun, als ihre Zeit auf dem Golfplatz zu verbringen. Was früher gang und gäbe war – Kunden zum Golfspielen einzuladen und sie dabei reich zu beschenken –, weckt heute den Verdacht von korruptem Verhalten und ist entsprechend verpönt. Erschwerend kommt hinzu, dass sich schon Studenten – trotz Gutscheinaktionen an Universitäten – kaum mehr auf Golfplätze locken lassen. In Ballungsräumen wie Tokio und Osaka besitzen zudem viele junge Leute kein Auto mehr, ohne das sich die auch in Japan meist in ländlichen Regionen gelegenen Anlagen kaum erreichen lassen.

Ein weiterer Faktor sowohl in Japan als auch in den USA und Europa ist, dass immer weniger jüngere Erwachsene bereit sind, jahrelang an ihrer Technik zu feilen, um das Golfspielen auf hohem Niveau zu erlernen. Generell steht der Golfsport im Wettbewerb mit einer Vielzahl von Freizeitangeboten. Junge verbringen auch viel Zeit mit der Pflege von sozialen Netzwerken.

Kommt der Golfsport wieder aus dem Sandbunker heraus?
Credits: Keystone/McIntyre

Heutige Familienväter sind obendrein vermehrt mit der Erwartung konfrontiert, sich im Haushalt und in der Kinderbetreuung einzubringen. Dass sie ganze Wochenenden mit Kollegen Golf spielen, akzeptieren nur noch die wenigsten Partnerinnen.

Auf dem falschen Fuß erwischt hat die Krise im Golfsport den Sportartikelausrüster Adidas. Der deutsche Konzern stieg durch den Erwerb der Marke Taylor Made 1997 zum weltgrößten Anbieter von Golfartikeln auf. 2008 und 2012 wurde das Portefeuille durch die Akquisition von zwei weiteren Marken, Ashworth und Adams, erweitert. Im vergangenen August gab das Management bekannt, in Zusammenarbeit mit einer Investmentbank einen Verkauf von Adams und Ashworth zu sondieren. Auch der Geschäftsbereich Taylor Made steht auf dem Prüfstand, wobei dieser zunächst restrukturiert werden soll. Adidas will hier 14 Prozent der Stellen streichen, wie die Konzernführung im Bericht zum dritten Quartal bekräftigt hat.

Zwang zu Preisabschlägen

Die Deutschen verfügen im Geschäft mit Golfartikeln wie Schlägern, Schuhen und Bekleidung noch immer über einen Vorsprung auf die beiden nächstgrößeren Anbieter Callaway und Nike. Seit 2012 ist er aber deutlich geschrumpft (vgl. Grafik). Laut Adidas wirken sich „anhaltende strukturelle Veränderungen“ negativ auf das Geschäft mit Golfern aus. Dazu zählt, wie das Unternehmen dieses Jahr selbst schmerzvoll erleben musste, dass sich in einem weitgehend gesättigten Markt sogar Produktneuheiten nur mit größeren Rabatten verkaufen lassen.

Pessimistisch schätzt die Lage auch die Firma Dicks’s Sporting Goods ein, die in den USA zu den größten Betreibern von Sportartikel-Fachgeschäften gehört. Sie erwartet, dass sich der Anteil der Golfartikel am Gesamtumsatz in den nächsten Jahren um weitere fünf Prozentpunkte auf 10 Prozent verringern wird. Zu den besten Zeiten stammten 20 Prozent der Verkäufe aus diesem Bereich.