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Apple

Das iPhone könnte seinen Tiefpunkt erreicht haben

von Christiane Hanna Henkel / 27.07.2016

Die jüngsten Quartalszahlen bieten eine erschreckende Einsicht: Die iPhone-Verkäufe haben sich seit Ende des Jahres fast halbiert. Konzernchef Cook hatte am Dienstag dennoch nur Positives in Aussicht zu stellen.

Hat Apples iPhone seinen Zenit überschritten und ist auf einem anhaltenden Abwärtspfad? Oder hat das Smartphone des kalifornischen Technologiekonzerns seinen Tiefpunkt erreicht und Umsatz und Absatzzahlen beschreiten schon bald wieder einen Aufwärtstrend? Das ist die Frage, die sich Branchenbeobachter und Anleger spätestens seit Anfang des Jahres stellen. Im Geschäftsquartal per Ende März nämlich hatte Apple erstmals seit der Einführung des Smartphones weniger Handys absetzen können. Und damit waren auch Umsatz und Gewinn des Konzerns erstmals in 13 Jahren rückläufig gewesen. Entsprechende schon vorher aufkeimende Befürchtungen liessen die Apple-Aktien in den letzten zwölf Monaten um 22% absacken.

Hoffnungsvolle Quartalszahlen

Aus den nun am Dienstag nach New Yorker Börsenschluss veröffentlichten Quartalszahlen schlossen Beobachter und Anleger aber zumindest vorerst, dass der Tiefpunkt erreicht sei und es Hoffnungen auf weitere durch das iPhone angetriebene Rekorde gäbe. Das iPhone hatte Apple im letzten Jahrzehnt zum am Börsenwert gemessen weltweit wertvollsten Unternehmen gemacht, das überdies bisher den höchsten Gewinn in der weltweiten Landschaft börsenkotierter Unternehmen ausweist.

Zwar bildeten sich Quartalsumsatz und -gewinn per Ende Juni abermals zurück, und zwar um 15% auf 42,4 Mrd. $ bzw. um 27% auf 7,8 Mrd. $. Auch verkaufte das Unternehmen mit 40 Millionen iPhones vor allem wegen der sinkenden Nachfrage in China 15% Smartphones weniger als im Vorjahresquartal und wies damit zum zweiten Mal in Folge einen Rückgang im Quartal auf. Im bisherigen Rekordquartal per Ende Dezember 2015 hatte Apple noch stolze 75 Millionen iPhones verkaufen können.

Doch Konzernchef Tim Cook verstand es diese Zahlen zu relativieren und ein positives Szenario für die nächsten Quartale zu zeichnen. So hätte der Detailhandel im letzten Quartal rund 4 Millionen Smartphones aus seinen Lagerbeständen verkauft. Die Nachfrage nach den iPhones sei also höher als dass dies Apples Verkaufszahlen suggerierten. Auch verwies Cook, der das Schwergewicht aus dem Silicon Valley seit dem Tod des Mitgründers und langjährigen CEO Steve Jobs im Jahr 2011 führt, auf die Geschäftsbereiche iPad und Services. So stellte sich der Umsatz mit dem Tablet auf 7% höhere 4,9 Mrd. $; die Stückzahlen allerdings fielen um 9% auf 10 Mio. verkaufte Tablets. Der Service-Umsatz, der etwa den App-Store und Verkäufe von Musik umfasst, erwirtschaftete einen um 19% höheren Umsatz von 6 Mrd. $. Allein der App-Store habe seinen Umsatz um 37% steigern können. Apple stellte in Aussicht, dass der Service-Umsatz im Laufe des kommenden Jahres den Umsatz eines Fortune-100 Unternehmens erreichen werde. Auf Platz 100 der umsatzstärksten 500 Unternehmen in den USA steht der Lebensversicherer Northwestern Mutual mit einem Umsatz von 28 Mrd. $.

Auch relativierte Cook den Umsatzrückgang in China (inklusive Hongkong und Taiwan) um 33%. Betrachte man lediglich Festland-China und rechne zudem Währungsveränderungen heraus, ergäbe sich nur noch ein Umsatzrückgang von 2%. Langfristig sei er in Bezug auf China weiterhin überaus optimistisch. Überdies verwiesen Cook und sein Team auch durch Analytiker-Fragen angeregt auf Zukunftsbereiche wie Apple TV und Augmented Reality; letzterer Bereich hatte durch das Pokémon-Go-Spiel jüngst für Furore gesorgt. Beide Bereiche, so liess das Unternehmen am Dienstag verlauten, hören, böten Apple enorme Chancen und entsprechend würde an diesen Themen gearbeitet.

Aufwind für Apple-Aktien

Die Anleger liessen sich am Dienstagabend auf diese positive Note ein und waren auch erleichtert, dass die Quartalszahlen ihre niedrigen Erwartungen übertroffen hatte; das zweite Quartal gilt bei Apple generell als schwierig, weil viele Kunden ihre Käufe zurückstellen und auf die in der Regel im September angekündigten Neuerscheinungen warten. Die Apple-Aktien legten im nachbörslichen Handel denn auch um 7% zu.