Das Problem der EZB in einem Chart

von Lukas Sustala / 28.11.2014
Die Europäische Zentralbank scheint unter Zugzwang. Eine Triade aus schlechten Wirtschaftsdaten, extrem niedriger Inflation und Druck von den Regierungen der Euro-Länder hat die EZB im Griff.

 

Auf den ersten Blick mag es paradox wirken. Denn EZB-Präsident Mario Draghi hat erst in den vergangenen Monaten angekündigt, Milliarden für Pfandbriefe und Asset-Backed Securities auszugeben. Doch Ökonomen und Analysten zweifeln, dass die EZB mit diesen Programmen auch wirklich die ausgegebene Wegmarke von 1000 Milliarden Euro an zusätzlichen Mitteln überschreiten wird.

 

Das Problem für die Zentralbanker: Die Arithmetik von Europas Kapitalmärkten steht ihrem Ankaufprogramm entgegen. In den vergangenen Jahren sind Staatsanleihen ein immer größerer Brocken unter den Bond-Märkten geworden. ABS und Pfandbriefe hingegen haben kaum das Volumen, um für geldpolitische Stimulanz herzuhalten. Nach den jüngsten Daten gibt es in der Eurozone gerade einmal 2142 Milliarden Euro dieser Papiere überhaupt. Das mag nach viel klingen, doch wenn die EZB etwa 800 Milliarden davon kaufen will, wird sie diese Märkte massiv verzerren.
Was die EZB kaufen kann
Was die EZB kaufen kann
Marktteilnehmer erwarten sich von der EZB also von der Zinssitzung kommenden Donnerstag (oder zumindest im Jänner) mehr Süßigkeiten als vom Nikolo. Tatsächlich geben ihnen die Frankfurter Währungshüter Grund dazu. Der portugiesische Ökonom Vitor Constancio hat am Donnerstag so deutlich wie kaum ein EZB-Vertreter vor ihm angedeutet, dass der EZB-Rat bereit ist in großem Umfang Staatsanleihen zu kaufen. Was der Portugiese sagt, hat Gewicht, schließlich ist es seine Rolle als Vize-Präsident der EZB auch an der gemeinsamen Sicht des Rats zu arbeiten. Seine jüngste Aussage als Replik auf die Warnung, dass die kleinen Anlaufprogramme nicht reichen, um die Bilanzsumme der EZB um 1000 Milliarden Euro aufzublähen:

 

If not, we will have to consider buying other assets, including sovereign bonds in the secondary market, the bulkier and more liquid market of securities available.

 

Denn die Staaten haben immer mehr Schuldscheine ausstehen. Zusammen mit den Anleihen von Bundesländern und Gemeinden haben sie 7024 Mrd. Euro an Schulden über die Kapitalmärkte begeben. Der Markt für Staatsschulden bietet der EZB damit deutlich mehr Liquidität – und zumindest theoretisch die Möglichkeit, ein Ankaufprogramm auch wieder abzuwickeln.