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Boomende Autokredite in den USA

Das Schuldenproblem verlagert sich

von Martin Lanz / 14.02.2016

Die amerikanischen Haushalte machen seit einigen Jahren wieder neue Schulden. Während das Wachstum im Hypothekarbereich nachhaltig ist, scheint die Situation nun anderswo zu überborden.

Bekanntlich steht oder fällt die amerikanische Wirtschaft mit dem Verhalten der Konsumenten. 2015 machten die privaten Konsumausgaben 68 Prozent des US-Bruttoinlandprodukts (BIP) aus. Der finanziellen Gesundheit der privaten Haushalte kommt deshalb bei der Beurteilung der Wachstumsaussichten besondere Bedeutung zu. Die neue Ausgabe des Quartalsberichts der Federal Reserve Bank of New York über die Schuldensituation der Privathaushalte liefert diesbezüglich wichtige Einsichten – und zeichnet insgesamt ein beruhigendes Bild.

Besonders erhellend ist die Situation bei der Hypothekarverschuldung. Mit einem Anteil von 68 Prozent an den gesamten Schulden der Privathaushalte sind Hypotheken die mit Abstand wichtigste Schuldenkategorie – und entsprechend der größte Risikofaktor, wie die USA in der jüngsten Rezession schmerzhaft erfahren mussten. Per Ende 2015 betrugen die Hypothekarschulden noch 49 Prozent des BIP, nachdem sie 2008 auf dem Höhepunkt des Immobilienbooms über 65 Prozent des BIP erreicht hatten. Seit Ende 2013 nehmen die Hypothekarschulden zwar wieder zu, aber die Dynamik ist weit nachhaltiger als zu Beginn des Jahrtausends. So sind gegenwärtig nur 2,2 Prozent aller Hypotheken mehr als 90 Tage überfällig, der niedrigste Stand seit Anfang 2008. Als weiteres Zeichen für die Gesundheit des Immobiliensektors gilt, dass derzeit so wenige Zwangsvollstreckungen erfolgen wie noch nie seit Beginn der Datenreihe 1999.

Die verhaltene Entwicklung bei den Hypotheken sorgt auch dafür, dass die Gesamtverschuldung der Privathaushalte nur relativ mäßig steigt. Sie nahm im Jahr 2015 um total 288 Milliarden Dollar oder 2,4 Prozent auf 12,1 Billionen Dollar zu. Damit bleibt sie um 4,4 Prozent unter dem im dritten Quartal 2008 erhobenen Höchststand von 12,7 Billionen Dollar.

Gewisse Schuldenkategorien ausserhalb des Hypothekarbereichs entwickeln sich dagegen äußerst dynamisch. So überschritten 2015 nun auch die Autokredite die Billionen-Grenze, nachdem dies der Kategorie der Studenten-Darlehen bereits 2013 gelungen war. Erstere haben im vergangenen Jahr um über 100 Milliarden Dollar oder 11 Prozent zugenommen, Letztere um 75 Milliarden Dollar oder 10 Prozent. Im Gegensatz zu den Studenten-Darlehen halten sich die Zahlungsrückstände bei den Autokrediten aber bis jetzt in Grenzen. Waren Ende 2015 11,6 Prozent aller Studenten-Darlehen mehr als 90 Tage überfällig, blieb diese Quote bei den Autokrediten stabil bei 3,4 Prozent.

Vertreter der Federal Reserve Bank of New York wiesen am Freitag denn auch auf die „Herausforderungen“ hin, die sich in diesen beiden Schuldenkategorien stellen. Da die Studenten- und Autokredite jeweils „nur“ 10 Prozent der Gesamtverschuldung der Privathaushalte ausmachen, kann aber kaum von systemischen Risiken gesprochen werden.