EPA/FRANK RUMPENHORST

Walkthrough

Daumen hoch für China, Daumen runter für die Eurozone

von Lukas Sustala / 01.12.2015

Optionen für die EZB-Geldpolitik. Österreichs Arbeitsmarkt rutscht in die Winterdepression und die Langzeitarbeitslosigkeit steigt stark. Und SK Rapid als Crowdfunding-Rekordmeister. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

Sie können sich hier für den täglichen Walkthrough als E-Mail-Newsletter anmelden.

China hui, Eurozone pfui. Es war zwar ein lange erwarteter Schritt, doch die Symbolkraft ist trotzdem groß. Der Internationale Währungsfonds will den Währungskorb hinter den Sonderziehungsrechten, einer Art Reservewährung des Fonds, reformieren. Ab Oktober 2016 wird der Korb neu zusammengesetzt, und erstmals betritt der chinesische Renminbi als fünfte Reservewährung die Weltbühne. Dafür tritt der Euro zumindest partiell ab (NZZ.at).

EZB streitet um Kurs. Der Schritt des IWF hat vom Timing her noch zusätzliche Symbolkraft. Just in dieser Woche könnte die Europäische Zentralbank erneut ihre Geldpolitik lockern, um die extrem lahme Konjunktur anzukurbeln. Wie sinnvoll das sein wird, werden wir noch sehen. Doch es ist klar, dass der EZB-Rat mehrere Optionen abwägen wird, die Ausweitung der Anleihenkäufe ebenso wie eine weitere Absenkung des ohnedies schon negativen Einlagenzinses (NZZ.at). Alles andere als irgendeine Aktion von der EZB am Donnerstag wäre für die Märkte eine negative Überraschung. Aber zugleich könnte eine Minimalmaßnahme auch Ausdruck dessen sein, dass der EZB-Rat noch zu zersplittert ist. Klar ist, dass die Zinsen für die meisten Wertpapiere in der Eurozone nicht nur niedrig bleiben dürften, hunderte Milliarden Euro an „Wert“-Papieren werden negative Zinsen abwerfen.

Arbeitsmarkt rutscht in die Winterdepression. Die Arbeitsmarktdaten im November zeigen einmal mehr den negativen saisonalen Trend an. Im Jahresvergleich ist die Arbeitslosenrate weitergestiegen, auf nunmehr 9,2 Prozent. Die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen ist dabei stärker gestiegen als die Zahl der Schulungsteilnehmer, auf nunmehr 360.000. Wenn sich der Trend so fortsetzt, und angesichts des geringen Wachstums besteht leider wenig Grund, an dieser Befürchtung zu zweifeln, dann dürfte auch die Langzeitarbeitslosigkeit weiterhin stark steigen. Sie ist im November bereits knapp dreimal so hoch wie noch vor einem Jahr. „Die lange Konjunkturschwäche über mehrere Jahre führt leider verstärkt zu einer Verfestigung der Arbeitslosigkeit bei bestimmten Gruppen“, warnt AMS-Chef Johannes Kopf.

Beachtlicher Crowdfunding-Erfolg. Der SK Rapid, wie NZZ.at-Leser wissen „close to my heart“, feiert mit seinem Crowdfunding-Projekt einen ziemlich beachtlichen Erfolg. Mehr als eine Million Euro in nur einer Woche zeigt, dass Crowdfunding bei Unternehmen mit starken Marken durchaus Erfolg hat. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine Reform des Kapitalmarktes nach wie vor nötig ist, die Schwarmfinanzierung alleine ist für die meisten Firmen, auch den Fußballverein SK Rapid, keine hinreichende Finanzierungsquelle (NZZ.at).

Folgepleite bei Zielpunkt. Das Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung über den infolge der Zielpunkt-Pleite in die Insolvenz geratenen Fleisch- und Wurstwarenhersteller Schirnhofer GmbH ist am Dienstag eröffnet worden. Das teilten die Kreditschützer AKV, Creditreform und KSV mit. Betroffen sind 269 Mitarbeiter und 276 Gläubiger. Die Überschuldung beträgt bis zu 21 Millionen Euro. Schirnhofer hat als direkte Ursache die Insolvenz von Zielpunkt. Doch in den kommenden Monaten könnte es durchaus zu einer veritablen „Welle“ an Unternehmenspleiten kommen, weil die aktuelle Liquiditätssituation mehr schlecht als recht ist (NZZ.at).

Free Lunch – Food for Thought

Wissen Sie eigentlich, wieso das abgelehnte Mittelfristgutachten der Pensionskommission besser ausgefallen wäre? Auch weil die Arbeitslosigkeit ein bisschen höher ist als erwartet. Klingt komisch, ist aber so (NZZ.at).

Brasilien in einer richtigen Rezession.

Die Rolle der deutschen Lohnzurückhaltung in der Eurokrise (VoxEU).

Der Absturz eines Goldjungen (Handelsblatt).

Melden Sie sich hier für den täglichen Walkthrough an.