Daumen runter, Disney rauf

von Lukas Sustala / 20.05.2015

Die Ratingagentur Fitch stuft europäische Großbanken herab. George Lucas macht mit Star Wars noch mehr Geld als vorerst gedacht. Und René Benko will in Deutschland um 2,9 Mrd. Euro wachsen. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Daumen runter. Europäische Großbanken wurden in einem Rundumschlag von der Ratingagentur Fitch heruntergestuft. Um mehrere Stufen ging es in den meisten Fällen hinunter, besonders kräftig waren die Rückstufungen in Deutschland und Österreich (NZZ.at). Hierzulande sind Erste Group, Raiffeisen Bank International und Unicredit Bank Austria betroffen, der Volksbanken-Verbund ist sogar auf Ramsch zurückgestuft worden. Hinter dem Ratingschritt steht allerdings ein großes Nullsummenspiel. Denn die schlechtere Bonität der Banken rührt daher, dass künftig nicht mehr damit gerechnet werden darf, dass der Staat im Krisenfall zur Rettung eilt.

Kärnten spart sich kreditwürdig. Das Gezerre um den 350-Millionen-Euro-Kredit an Kärnten ist zu Ende. Klagenfurt darf sich auf den finanziellen Beistand des Bundes verlassen, dafür muss das südlichste Bundesland die Vorgaben der Schuldenbremse „übererfüllen“, wie Finanzminister Hans Jörg Schelling betont (Ö1). Wie genau die Einsparungen aussehen werden, ist noch nicht bekannt. Es steht aber wohl außer Streit, dass es noch lange dauern wird, ehe einem Landeshauptmann angesichts großzügiger Budgets wieder die Formel „Kärnten ist reich“ über die Lippen kommen wird.

Möge der Markt mit dir sein. George Lucas ist beim Verkauf der Star-Wars-Rechte sehr gut ausgestiegen. Ein Teil des Verkaufs ist in Form von Aktien über die Bühne gegangen. Dank der guten Entwicklung der Disney-Aktien sitzt Lucas nun auf 2,2 Milliarden Dollar an zusätzlichen Aktiengewinnen, was seinen Erlös aus dem Verkauf auf 6,3 Mrd. Dollar hat ansteigen lassen (FT, Paywall).

Mit der EZB ist das Abendessen die wertvollste Mahlzeit des Tages. Die EZB hat gestern die Märkte bewegt. Direktor Benoît Cœuré hat den Markt darauf eingestimmt, dass die EZB vor den auf dem Kapitalmarkt wenig aufregenden Sommermonaten ihr Ankaufprogramm etwas ausweiten dürfte, also mehr als die 60 Milliarden Euro pro Monat investiert. Das Pikante: Cœuré hat seine Tischrede am Montagabend gehalten, bei einer Konferenz organisiert vom Hedgefonds Brevan Howard (Bloomberg). Der Markt hat von der Ankündigung erst einen Tag später erfahren, doch der Euro hat bereits nach dem Abendessen eine kräftige Bewegung nach unten vollzogen. Offenbar haben einige Hedgefondsmanager mehr Nutzen aus dem Abendessen gezogen, als es nur steuerlich abzusetzen:

Erleichterungen beim Erben, Kassenbonpflicht für Konsumenten. Auf dem Weg ins Parlament ist die Steuerreform an einigen Ecken und Enden präzisiert worden (Kurier).

René Benko will expandieren. Der österreichische Immobilieninvestor will in Deutschland in großem Stil zukaufen (Handelsblatt). Berichtet wird von einem weiteren Angebot für die Kaufhauskette Kaufhof, im Wert von 2,9 Milliarden Euro. Es ist der zweite Anlauf Benkos, der in deutschen Medien durchaus mit Skepsis begleitet wird. So schreibt Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart: „Benkos Geschäftsmodell ähnelt ohnehin dem eines Metzgers: Die Immobilien werden entbeint, ausgeweidet, tranchiert und filetiert.“

Yahoo-Anleger, aufgeschreckt. Eine Änderung von US-Regeln könnte dazu führen, dass Yahoo für den Spin-off seiner Alibaba-Anteile an die eigenen Aktionäre Steuern zahlen müsste (qz). So sieht eine Überraschung bei einem Aktienkurs aus:

HSBC führt Negativzinsen auf Einlagen ein. Die britische Großbank verlangt ab Sommer von anderen Geldhäusern, die bei ihr Geld parken, eine Gebühr (FT). Betroffen sind Konten in Schweizer Franken, Dänischen Kronen und Schwedischen Kronen.

Ungleiche Ungleichheit. Forderungen nach Umverteilung kommen selten wegen tatsächlich gestiegener Ungleichheit, sondern weil sie als besonders hoch wahrgenommen wird. Zu diesem Ergebnis kommen zwei Ökonomen nach Analyse von Umfragen in einer Reihe von Ländern (NBER).