Deadlines nach Athen tragen – Der Kontostrip kommt

von Lukas Sustala / 15.06.2015

Die Regierung feilt am Ende des Bankgeheimnisses. Die US-Notenbank stellt sich die Gretchenfrage. René Benko geht leer aus. Außerdem: wie die Reste der Hypo in Bulgarien verramscht werden. Ein Walkthrough im Phänomen Geld. 

Das offene Bankgeheimnis. Die Regierung will die Steuerreform mit dem Kampf gegen Steuerbetrug zu einem Großteil finanzieren. Für den Datenschutz will sie noch einmal nachbessern, doch wie genau, ist nach wie vor Streitpunkt (Ö1). Irgendeine Form der Kontrolle soll es für die Konteneinseher geben, für diese Frage ist die Regierung auf die Zustimmung der Grünen angewiesen. Wir diskutieren heute Abend im #NZZClub zu den Folgen und unschönen Details des Kontostrips (NZZ.at).

Gretchenfrage für die Fed. Nun, wie hältst du es mit einer Zinserhöhung? In dieser Woche geht es in der US-Notenbank um eine entscheidende Frage. Sollen erstmals seit neun Jahren die Leitzinsen angehoben werden? Das hängt nicht zuletzt am Arbeitsmarkt, der in den USA eigentlich gar nicht so schlecht läuft. Doch die US-Notenbank wird wohl vor einem Zinsschritt diese Woche zurückschrecken, denn der Aufschwung bleibt fragil (NZZ.at):

Deadlines nach Athen tragen. Das einzige, was den Griechen derzeit nicht auszugehen scheint, sind Deadlines. Nachdem die Treffen am Wochenende ohne Ergebnis blieben, muss man auf das Treffen der Eurogruppe am 18. Juni warten (NZZ.at). Die „wahre“ Deadline konnte laut Analysen noch etwas später sein, Ende des Monats ist dann die gebündelte Zahlung an den Währungsfonds über knapp 1,5 Milliarden Euro fällig:

Auch wenn FT-Kommentatoren Griechenland den Weg in die Pleite raten, an den Finanzmärkten trägt die griechische Tragödie bis dato kaum zu frühsommerlicher Unruhe bei (Wolfgang Münchau, FT). Nimmt man etwa den Goldpreis, der in der Vergangenheit bei der Gefahr eines Zerfalls der Eurozone eine gute Maßzahl für die Angst im Markt war, dann sind Investoren wohl nach wie vor ruhig:

Benko geht leer aus. Die Signa Holding ist beim Verkauf der Kette Kaufhof in Deutschland nicht zum Zug gekommen. René Benko, der österreichische Immobilieninvestor, wollte ja über seine Holding, die bereits die Kaufhauskette Karstadt besitzt, auch die Metro-Tochter Kaufhof übernehmen. Doch Metro hat sich entschieden, die Kette für 2,8 Milliarden Euro an den kanadischen Konzern Hudson’s Bay zu verkaufen (Reuters). Ausschlag für den Zuschlag an die Kanadier dürfte auch das Versprechen gewesen sein, keine Stellen zu streichen. „Hudson’s Bay verfolgt eine Strategie internationalen Wachstums und Galeria Kaufhof wird hierbei eine zentrale Rolle spielen“, betonte Metro-Chef Olaf Koch.

Ausgeschossen. Die US-Waffenschmiede Colt hat den Insolvenzantrag gestellt (WSJ). Der Verlust eines Auftrags der US-Armee habe zuletzt dazu geführt, dass das Unternehmen keine Jahresbilanz mehr erstellen konnte.

Die Reste der Hypo Alpe Adria. Eine Reportage aus Bulgarien, wo Ferraris, Jachten und Silos verramscht werden (FAZ):

Am Ende des Piers liegt das Segelschiff mit der eingerissenen Flagge, daneben vertäut zwei weitere Modelle desselben Herstellers. Neu kosteten die Prachtstücke zwischen 250.000 und 300.000 Euro, weiß Nikolow, hier und jetzt sind sie für 70.000 bis 113.000 Euro zu haben. Verkäufer ist eine österreichische Abwicklungsgesellschaft, die Heta Asset Resolution aus Klagenfurt. Sie hat die Boote bei einem säumigen Schuldner eingetrieben, einem strauchelnden Jachten-Händler aus Burgas, 30 Kilometer die Küste hinauf.

Österreichs Rückfall. Erste-Group-Chef Andreas Treichl hat der APA ein ausführliches Interview gegeben. Über das Bankgeheimnis, das QE der Europäischen Zentralbank, die Einlagensicherung und den Standort Österreich:

Österreich ist in den letzten zwei Jahren relativ stark zurückgefallen – Andreas Treichl

Wie lassen sich die Aufs und Abs auf Immobilienmärkten abfedern? (VoxEU)