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Walkthrough

Denn sie wissen nicht, was sie noch tun sollen

von Lukas Sustala / 26.08.2016

Nach 667 Zinssenkungen stellt sich die Sinnfrage für die extrem lockere Geldpolitik immer lauter. Facebook will WhatsApp monetarisieren, die EU die US-Medien- und Kommunikationsgiganten neu regulieren. Warum Österreich keine Angst vor der Automatisierung haben muss. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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8 Jahre nach Lehman, 8 unbequeme Wahrheiten. Nach 667 Zinssenkungen stellt sich die Frage: Was kann die Geldpolitik denn noch tun? 8 unbequemen Wahrheiten müssen sich die wichtigsten Währungshüter in den USA und der Eurozone wohl stellen (NZZ.at):

I. Das Wachstum bleibt schwach
II. Die Glaubwürdigkeit leidet
III. Das billige Geld sorgt für Finanzeuphorie – und Crashgefahr
IV. Das Geld kommt kaum in der Realwirtschaft an
V. Die Geldpolitik kann nicht die Probleme anderer lösen
VI. Private Pensionssysteme werden von den Notenbanken ins Wanken gebracht
VII. Die Vermögensungleichheit nimmt zu
VIII. Der Populismus ist eine dieser Nebenwirkungen

Klar ist, auch nach 667 Zinssenkungen weltweit bleiben die meisten Volkswirtschaften beim realen Wachstum deutlich hinter dem Niveau vor 2008. Und dass die Notenbanken dabei so manchen Fehltritt begangen haben, fördert nicht gerade die Hoffnung, dass es jetzt so viel anders sein sollte (WSJ).

Tatsächlich befindet sich die Geldpolitik in der „Zinsfalle“, wie es NZZ-Kollege Thomas Fuster beschrieben hat (NZZ.at). Es gibt immer weniger „Bang for the Buck“, wie der US-Amerikaner sagen würde – aber immer größere Risiken.

Facebook wirbt, EU reguliert. Auf dem Kommunikations- und Medienmarkt pflügt die Digitalisierung ordentlich um, und die größten Anbieter prägen das Geschehen. So hat Facebook angekündigt, die Daten von WhatsApp-Nutzern zu nutzen, um Angebote für Unternehmen zu zimmern (NZZ.at). Die EU-Kommission bereitet indes vor, Google an die Kandare zu nehmen, um ein Leistungsschutzrecht durchzusetzen, das den Medienverlagen hilft (Trending Topics). Parallel dazu eskaliert gerade der Steuerstreit zwischen den USA und der EU (NZZ.at). Steuernachzahlungen für Google, Starbucks und Co. haben sich zuletzt gehäuft und rufen US-Behörden auf den Plan.

Der Anti-Bitcoin ist auf dem Weg. Große Finanzinstitute, Broker und Technologieunternehmen arbeiten an der Verbesserung der Blockchain-Technologie. Von Bitcoin wollen sie dabei überhaupt nichts mehr wissen (NZZ.at).

Keine Angst vor Automatisierung. NZZ-Korrespondent Matthias Benz hat eine große Analyse über die wachsende Kluft zwischen Sorgen und Realität der Digitalisierung verfasst (NZZ.at). Er hat dafür das Voestalpine-Stahlwerk in Donawitz besucht, das es ohne die moderne Technologie gar nicht mehr in Österreich geben würde. Und die Sorgen für den Arbeitsmarkt bewahrheiteten sich dabei nicht. Heute arbeiten weniger Menschen direkt in der Produktion, dafür mehr besser qualifizierte Mitarbeiter in dem Werk. Voest-Chef Wolfgang Eder:

Man sollte die Automatisierung nicht als Teufelszeug darstellen. Im Gegenteil bietet sie eine große Chance auf attraktivere, weil anspruchsvollere und höher qualifizierte Arbeitsplätze. Wenn man es richtig anpackt, wird man solche hochwertigen Arbeitsplätze auch in Österreich halten können.

Aber stattdessen wird bekanntlich über eine Maschinensteuer diskutiert (NZZ.at).

Zum Glück ist noch Sommer(-loch). Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) hat nun einen Vorschlag vorgelegt in der heiklen Causa Bankomatgebühren (NZZ.at). Demnach müssen künftig Bankomaten gut sichtbar gekennzeichnet sein, wenn bei der Abhebung Gebühren fällig werden. Ein Verbot von solchen Gebühren sieht Schellings Entwurf nicht vor. Die Retourkutsche des Koalitionsgegners kam prompt: SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder nannte den Vorschlag auf APA-Anfrage eine „Scheinlösung“ und forderte ein Verbot.

Inspirationen – Food for thought

Standortfragen.

Wer nach Österreich flüchtet, ist nicht in der EU angekommen. (NZZ.at)

Bewegung bei der Mindestsicherung (Die Presse).

Der Ölpreis und die Investitionen made in America.