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Technologiekonzerne im Aufwind

Der 100-Milliarden-Dollar-Jubel über Google, Microsoft und Amazon

von Christiane Hanna Henkel / 23.10.2015

Die Aktionäre jubilierten am Donnerstag ob den jüngsten Quartalszahlen. Cloud und Mobil-Werbung – diese beiden Wachstumsfelder hatten den Konzernen im letzten Quartal Schub verliehen. NZZ-Wirtschaftskorrespondentin Christiane Hanna Henkel hat sich die Zahlen angesehen.

Die Technologieriesen Alphabet/Google, Amazon und Microsoft haben am Donnerstag nach Börsenschluss ein Kursfeuerwerk gezündet: Die Google-Aktien legten im nachbörslichen Handel um elf Prozent zu, die Amazon-Titel um zehn Prozent und die Microsoft-Titel acht Prozent. Alle drei hatten besser als von den Analytikern prognostizierte Quartalszahlen vorgelegt und zum Teil auch mit anderen Neuigkeiten aufgewartet. Zusammen haben die nachbörslichen Kursbewegungen den Marktwert der drei Unternehmen um knapp 100 Milliarden Dollar erhöht.

Gutes Mobil-Geschäft

Google bzw. die im August gegründete Holdingfirma Alphabet hatte gleich mehrere gute Neuigkeiten zu vermelden. Zum einen kletterten Umsatz und Gewinn im dritten Quartal beträchtlich: Ersterer stieg um 13 Prozent auf 18,7 Milliarden Dollar und letzterer um 45 Prozent auf vier Milliarden Dollar. Google konnte vor allem zeigen, dass es auch im Markt für Mobil-Werbung nun besser mithalten kann; während der Konzern den Markt für digitale Werbung dominiert, hat es im schwierigen Markt für Mobil-Werbung etwa mit Facebook mehr Konkurrenz.

Google hat zuletzt vor allem bei mobiler Werbung aufgeholt.
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Zum andern hat sich Alphabet entschlossen, von seinem 70 Milliarden Dollar hohen Bargeldreserven einen Teil in Form von Aktienrückkäufen im Umfang von 5 Milliarden Dollar zurückzugeben. Und auch konnte Alphabet seine Kosten etwas reduzieren. All diese Maßnahmen fallen unter das Bemühen des weltgrößten Online-Werbekonzerns, besser auf die Bedürfnisse der Finanzgemeinde an der Wall Street einzugehen. Mit diesem Ziel hatte Google auch im April die Finanzchefin von Morgan Stanley, Ruth Porat abgeworben. Der Konzern brauchte jemanden, der die Wall Street versteht und dort auch Vertrauen genießt.

Auch die jüngst beschlossene Errichtung einer Holdingfirma richtet sich an die Investoren: Ab dem vierten Quartal werden das Anzeigengeschäft und die neueren Geschäftsbereiche getrennt von einander ausgewiesen. Für Investoren sollte es dann leichter erkennbar sein, wo welche Umsätze und auch Kosten generiert werden und wie der Stand der neuen Aktivitäten wie etwa dem Hausdatendienst Nest ist im Vergleich mit den Stammaktivitäten wie Suchmaschine, Youtube oder dem Mobil-Betriebssystem Android.

Microsoft und Amazon schweben in der Wolke

Der Softwarekonzern Microsoft konnte am Donnerstag mit der guten Nachricht aufwarten, dass das als zukunftsträchtig erachtete Cloud-Geschäft bestens läuft. Konzernchef Satya Nadella erklärte, dass die diversen Aktivitäten in dem Bereich auf das Jahr hochgerechnet einen Umsatz von 8,2 Milliarden Dollar erwirtschaftet hätten. Damit komme man dem Ziel von 20 Milliarden Dollar schnell näher.

Insgesamt erwirtschaftete Microsoft im Quartal einen um 12 Prozent geringeren Umsatz in Höhe von 20,4 Milliarden Dollar und einen fast konstanten Gewinn von 4,6 Milliarden Dollar. Die Quartalszahlen wurden neu für nur noch drei Geschäftsbereiche ausgewiesen. Ob das die Transparenz erhöht, sei dahin gestellt. „Mobile Personal Computing“ umfasst das Windows-Betriebssystem, Verkäufe von Tablets und Smartphones sowie die Spielkonsole Xbox und die Suchmaschine Bing. Hier fiel der Umsatz um 17 Prozent auf 9,4 Milliarden Dollar. Zur „Intelligent Cloud“ gehören an Unternehmenskunden gerichtete Produkte und Dienstleistungen etwa im Server- und im Enterprise-Software-Bereich; der Umsatz stieg um acht Prozent auf 5,9 Milliarden Dollar an. „Productivity and Business Processes“ umfasst unter anderem die Bürosoftware Office; hier fiel der Umsatz um 3% auf 6,3 Milliarden Dollar.

Microsoft leidet generell unter einem rückläufigen PC-Markt, der zu sinkendem Absatz seines Betriebssystems und seiner Bürosoftware führt. Im Mobilfunkmarkt hatte Microsoft mit dem Kauf von Nokia einen Flop gelandet, der dem Konzern eine Abschreibung von 8,4 Milliarden Dollar und die Entlassung von fast 8000 Mitarbeitern eingebracht hat.

Auch beim Online-Händler Amazon war es das Stichwort „Cloud“, das die Anleger am Donnerstagabend jubilieren ließ. Vor allem dank steigender Nachfrage nach seinem Angebot von Cloud-Dienstleistungen für andere Firmen konnte Amazon den Umsatz um 23 Prozent auf 25,4 Milliarden Dollar steigern und sogar einen kleinen Gewinn von 79 Millionen Dollar ausweisen. Die Cloud-Computing Einheit wies dabei einen von 1,2 auf 2,1 Milliarden Dollar gestiegen Umsatz aus. Der Handels-Riese geht von einem sehr guten Weihnachtsgeschäft aus. Der im Online-Geschäft hinterher hinkende Konkurrent Wal-Mart hingegen hatte kürzlich seine Umsatzprognosen zurücknehmen müssen.

Google mit Zahlenspielereien

Der Suchmaschinenbetreiber Google bzw. Alphabet hatte über die guten Nachrichten hinaus Liebhabern von Zahlenspielereien noch ein Schmankerl zu bieten. So werden im Rahmen des am Donnerstag angekündigten Aktienrückkaufprogramms genau 5 099 019 513,59 Aktien erworben, und das entspricht der Wurzel aus 26 (5.099), was wiederum die Anzahl der Buchstaben im Alphabet ist und was somit zum neuen Konzernnamen führt.