Benoit Tessier / Reuters

Kryptowährung

Der Anti-Bitcoin ist da

von Christof Leisinger / 25.08.2016

Grosse Finanzinstitute, Broker und Technologieunternehmen arbeiten an der Verbesserung der Blockchain-Technologie. Von Bitcoin wollen sie dabei überhaupt nichts mehr wissen.

Bitcoin und Blockchain – der Hype um die beiden Begriffe hat nicht nur in der Vergangenheit Wellen geschlagen, sondern auch am Mittwoch. An diesem Tag haben der Finanzriese BNY Mellon, die Deutsche Bank, der Banco Santander, die UBS, der Broker Icap und das Technologieunternehmen Clearmatics bekannt gegeben, in Zukunft gemeinsam an der Weiterentwicklung der Blockchain-Technologie zu arbeiten.

Ohne monetäres Eigenleben

Die Information, in diesem Rahmen die sogenannte Utility Settlement Coin (USC) einzuführen, mündete schnell in Meldungen wie: „Die UBS arbeitet mit anderen Banken an neuer Cyber-Währung“, oder „Schafft die UBS den Franken ab?“ In Tat und Wahrheit ist gerade das Gegenteil der Fall. Schliesslich sieht das Konzept vor, dass eine USC eins zu eins mit einer konventionellen Währung wie Franken, Euro, Dollar oder auch Pfund hinterlegt werden muss und dass sie in diese gewandelt werden kann.

Im Gegensatz zu einem Bitcoin hat sie also kein „monetäres Eigenleben“, sondern repliziert bestehende Geldeinheiten. Im Grunde genommen ist eine Utility Settlement Coin also nicht viel mehr als ein wertneutrales, digitales Währungssubstrat, das für die Abwicklung von Finanztransaktionen mittels einer Blockchain aus technologischen Gründen benötigt wird.

Die Anbieter dieses einfach klingenden Konzepts haben die Absicht, gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Zum einen wollen sie die Vorteile der Blockchain-Technologie nutzen. Diese wird als System definiert, welches mittels seiner lückenlosen und nicht veränderbaren Historie Beweiskraft erlangt, um Eigentumsverhältnisse zu regeln. In der Praxis sollen dezentral angeordnete Computer weltweit zusammen ein offenes Rechnungslegungssystem bilden, das die Rahmenbedingungen für Transaktionen von digitalen Werten dokumentiert. Was sich zunächst kompliziert anhört, soll die direkte Abwicklung von Geschäften zwischen Käufern und Verkäufern von Finanzinstrumenten in Zukunft einfacher, schneller, transparenter und vor allem auch günstiger als bis anhin machen.

Zum anderen wollen die Initiatoren des Konzepts die regulatorischen Hürden möglichst tief halten, indem sie den bestehenden Geldkreislauf gar nicht erst verlassen. Da jede USC mit bestehenden Vermögenswerten unterlegt werden muss, verändern sich die monetären Rahmenbedingungen nicht grundlegend – selbst wenn die Einheiten immer stärker genutzt werden sollten. Dieser Aspekt führt zur optimistischen Hoffnung, dass das vorangetriebene System in Absprache mit Zentralbanken und Regulierern bereits in zwei Jahren auf den Markt kommen könnte.

Zum Vergessen

Zusätzliche und wesentliche Aspekte sind die Sicherheit und die Verlässlichkeit des technologischen Vorhabens. Tatsächlich hat Bitcoin in der Vergangenheit zwar technologisch für Furore gesorgt, allerdings nicht nur im positiven Sinne. Kritiker rieben sich am rigiden Währungsmodell, am erratischen Kursverlauf der Währung, an den Spreads zwischen An- und Verkauf, an der geringen Geschwindigkeit und Transparenz sowie der Konzentration im Handel und vor allem an der Anfälligkeit der Bitcoin-Börsen für Betrügereien. So gesehen ist die Utility Settlement Coin ein Anti-Bitcoin. Da es sie nur aus technischen Gründen gibt, dürfte sie aber bald wieder vergessen gehen.