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Walkthrough

Der Ausblick: Sorgen, aber keine Angst

von Lukas Sustala / 28.12.2015

Was China, die US-Notenbank und Mario Draghi für Investoren bereit halten. Wer am Sonntag öffnet, hat die Höchststrafe in Österreich zu erwarten. Und scheinbar Seltsames passiert auf dem Ölmarkt. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Ausblick mit Einblick. Was dürfen Investoren und Sparer realistisch von 2016, von den wichtigsten Marktakteuren – den Zentralbanken in China, den USA und Europa – erwarten? Anhaltend niedrige Zinsen, eher geringe Erträge und hohe Unsicherheit. So könnte man wohl die Meinungen von vier Experten zusammenfassen, die die NZZ-Finanzredakteure Michael Rasch und Christof Leisinger zum runden Tisch gebeten haben (NZZ.at). Um es mit dem renommierten Fondsmanager Jens Ehrhardt zu sagen: „Wir befinden uns in einer einmaligen Situation, weil der Aufschwung trotz enormen Stimuli langsam und fragil erscheint. Es spricht punkto Ungleichheit Bände, dass viele Amerikaner auf Essensmarken angewiesen sind.“ An den Finanzmärkten wird die Unsicherheit derzeit aber kaum widergespiegelt: Die Aktienkurse stehen hoch, und die eingepreiste „Angst“ bei den Volatilitätsindizes ist wieder niedrig.

Wer am Sonntag öffnet, darf die Höchststrafe erwarten. Dieses Jahr fallen die Weihnachtsfeiertage durchaus günstig. Ein Segen für die Arbeitnehmer, aber für ADEG in Salzburg auch ein Grund, außerplanmäßig und mit Zuschlägen am Sonntag zu öffnen (NZZ.at). Die Gewerkschaft GPA-djp in Salzburg reagierte hoch erregt und forderte „Höchststrafen“ und ein statuiertes Exempel für den Gesetzesverstoß. Man fühlt sich an den von Richard Lugner oft verwendeten Spruch erinnert: „Öffnest du am Sonntag nur eins von deinen Toren, musst du in der Hölle schmoren.“ Dass 2016 auch das Thema Arbeitszeitflexibilisierung auf der Tagesordnung steht, scheint dann eben doch zu passen.

Kritik am OMV-Kurs. Während OMV und Gazprom weiter an ihrem Asset-Swap, also dem Abtausch von Beteiligungen und Projekten, arbeiten, werden die Warnungen vor einem „Ausverkauf“ bei dem österreichischen Unternehmen lauter. Brigitte Ederer, Ex-Siemens-Managerin und Ex-Aufsichtsratsmitglied der ÖIAG, warnt (Der Standard): „Wenn man nicht aufpasst, wird die OMV demnächst auf kaltem Wege privatisiert werden. Und so wie es aussieht, hat sich diese Gefahr jetzt verstärkt.“ Interessant ist nicht nur, was Ederer in dem Interview sagt, sondern auch das, was sie nicht sagt. Denn über den halbierten Ölpreis, der die OMV und andere Öl- und Gaskonzerne vor ernste Probleme stellt, wird in dem Gespräch kein Wort verloren. Wie der Öl- und Gaskonzern „Fit for Fifty“ werden soll, also fit für einen Ölpreis von auch nur 50 Dollar? Fehlanzeige.

Apropos Öl und Gas. An den Ölmärkten, an denen ja bekanntermaßen der Bär los ist, hat sich in den vergangenen Wochen etwas Spannendes ereignet. Der WTI-Brent-Spread ist verschwunden. Der Aufschlag für die in Europa so wichtige Sorte Brent gegenüber der US-amerikanischen Sorte WTI ist von zwischenzeitlich mehr als zehn Dollar auf null gefallen. Ein Grund hinter der scheinbar seltsamen Bewegung dürfte das Ende des Exportverbots für US-Rohöl sein (Forbes).

Rechnungshofrüge. Der Rechnungshof rügt die Regierung für den mangelhaften Umgang mit dem Steuergeld in Gesetzes- und Verordnungsentwürfen: Nur in rund 61 Prozent der Fälle seien die finanziellen Auswirkungen heuer „in ausreichendem Umfang“ dargestellt worden. Das geht aus dem veröffentlichten Tätigkeitsbericht des Rechnungshofs hervor. Zu den Sündern zählt demnach auch ausgerechnet das Finanzministerium. Was im Jahr vor der Steuerreform besonders brisant ist.

Food for Thought – Inspirationen:

Sozialstaat und Einwanderung gehen schlecht zusammen: Wieso bei Mindestlöhnen und -sicherung etwas passieren muss (Der Standard).

Werner Doralt über die ÖVP als Schutzpatronin der Steuerhinterzieher (Ö1).

Der Economist-Podcast „Money Talks“ über die spannende Frage, wie die Finanzbranche in Hollywood-Filmen dargestellt wird.

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