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Walkthrough

Der „Boom“ der Flüchtlinge

von Lukas Sustala / 10.12.2015

Ökonomen setzen in der Flüchtlingskrise auf den keynesianischen Nachfrageeffekt. So einfach ist die Sache aber nicht. Was hinter der optimistischen OeNB-Prognose steckt. Warum es ausgerechnet in der Chemiebranche zu einem Milliarden-Zusammenschluss kommen könnte. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Mr. Keynes und die Flucht. Was würde der britische Ökonom John Maynard Keynes zur Flüchtlingskrise sagen, wäre er noch am Leben? Die Flüchtlingsbewegung stellt – nach seinen Kriterien – eigentlich einen ziemlich perfekten Stimulus dar (NZZ.at). Menschen flüchten nach Österreich und Deutschland, bekommen Asyl und konsumieren weitgehend ihr Einkommen. Ein Blick in die Prognose der OeNB zeigt: 2,7 Milliarden Euro mag die Flüchtlingswelle zwar bis 2017 „kosten“, aber in ziemlich genau diesem Ausmaß steigt auch das BIP durch diesen schuldenfinanzierten Nachfrage-Boom. Keynesianismus pur: Der Staat macht Schulden, der Konsum steigt. Aber langfristig sieht die Rechnung anders aus.

Steht das O in OeNB für Optimismus? Die Fluchtbewegung ist nicht der einzige Faktor hinter der „tollen“ Wachstumsprognose der OeNB. 1,9 Prozent Wachstum 2016 klingt nach vier schwachen Jahren richtig gut. Doch die Prognose hat ein paar Schönheitsfehler, wie Kollege Leopold Stefan gezeigt hat. So wird zwar die Steuerreform auf der Haben-Seite, aber die Gegenfinanzierung nicht vollständig auf der Soll-Seite verbucht. Auch die Investitionslaune der Unternehmen wird sehr optimistisch gesehen, auch wenn sie seit Jahren chronisch von Ökonomen überschätzt wurde (NZZ.at).

Wenn ein Automat bessere Politik macht. Bei einem Pensionsautomatismus, der das Antrittsalter an die Lebenserwartung koppelt, geht es nicht nur um weniger Kosten für das staatliche Pensionssystem. Es geht auch darum, die Pensionen aus dem großkoalitionären Gezanke zu holen (NZZ.at).

Die Volkswagen-Aktie hat ein turbulentes Halbjahr hinter sich.
Credits: Factset

Abgasskandal des Autokonzerns Volkswagen. Der Chef des Aufsichtsrats und der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG haben am Donnerstag über den Stand der Dinge in der Abgasaffäre informiert (NZZ). Dabei zeichnete sich zuletzt ab, dass der Skandal stellenweise kleiner ausgefallen ist, als zunächst befürchtet (NZZ.at). Die jüngste Entwarnung von Volkswagen lässt sich auch vom Aktienkurs ablesen, der seit einigen Wochen langsam wieder nach oben tendiert.

Chemiebranche sucht nach neuen Verbindungen. Die Fusion von Dow Chemical und DuPont könnte erst der Anfang sein. Die Chemiebranche hat im Vergleich zu anderen Branchen noch relativ viel Konsolidierung vor sich (NZZ.at). Dass die beiden US-Chemieriesen vor allem von aktivistischen Investoren in die Ehe getrieben werden könnten, ist dabei ein bitterer Beigeschmack der möglichen 120-Milliarden-Dollar-Fusion. Ebenso, dass alleine schon aus wettbewerbsrechtlicher Sicht absehbar ist, dass auf eine mögliche Fusion von Dow Chemical und DuPont eine Zerschlagung in verschiedene Sektoren erfolgen wird müssen.

Lateinamerikanische Frustrationen. Es ist eine faszinierende Woche für Lateinamerikas größte Volkswirtschaften. Brasilien wurde von der US-Ratingagentur Moody’s abgestraft, die Chavistas in Venezuela von ihren Wählern und Argentiniens ehemaliger Notenbankchef von der neuen Regierung (NZZ). Gemein haben die drei Länder die Herausforderungen, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung: Die Zeiten des billigen Geldes, hoher Rohstoffpreise und großzügiger Sozialprogramme sind vorbei. Und so werden die lateinamerikanischen Wirtschaftswunder und die Währungen abgewertet.

Free Lunch – Food for Thought

Immerhin: „Der Name Bank Austria bleibt“, sagt UniCredit-Chef Ghizzoni (Der Standard).

Vor 300 Jahren wurden die Regeln für „London Dry Gin“ aufgestellt, heute gibt es nur noch eine Destillerie in der Stadt: Wie sich Marken und Produktion von ihren Ursprungsregionen entfernen (BBC).

Allen Unkenrufen zum Trotz: Rating-Agenturen haben sich durchgesetzt (NZZ.at).

Das kann passieren, wenn plötzlich der Finanzminister gefeuert wird: diesmal in Südafrika. –6 Prozent bei den Bankaktien. 

Die spannende Studie von Pew Research zur sozialen Lage in den USA und der wachsenden Ungleichheit zeigt vor allem, dass viele US-Amerikaner heute deutlich besser dastehen als 1971 (Pew, pdf-Datei mit 74 Seiten).

Was wird China mit seinen Zombieunternehmen machen? (Andrew Batson)

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