Der deutsche Aktienmarkt, angeheizt von der EZB

von Claudia Aebersold Szalay / 17.03.2015

Die Liquiditätsspritzen der Europäischen Zentralbank lassen die Anleger nach Aktien greifen. Am deutschen Aktienmarkt jagt ein Rekord den nächsten, berichtet NZZ-Korrespondentin Claudia Aebersold Szalay aus Frankfurt.

Das deutsche Börsenbarometer DAX ist am Montag erstmals über die Marke von 12.000 Zählern geklettert. In der Spitze erreichte es den Wert von 12.219 Punkten und ging bei 12.167,72 Zählern (+2,24 Prozent) aus dem Handel.

Damit setzte das deutsche Blue-ChipBlue Chips ist ein ursprünglich US-amerikanischer Begriff für Unternehmen mit einem besonders hohen Marktwert.-Barometer seine waghalsige Kletterpartie der vergangenen Monate fort. Erst Mitte Februar hatte der Dax die Marke von 11.000 Punkten überschritten. Hauptverantwortlich für die gute Stimmung an der deutschen Aktienbörse sind die verbesserten Konjunkturprognosen für die Euro-Zone sowie die ultraexpansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Kletterpartie der deutschen Aktienindizes
Kletterpartie der deutschen Aktienindizes

Anleihekäufe treiben Märkte

Seit einer Woche kauft die Notenbank nun Staatsanleihen der Euro-Zone, versorgt damit den Bankensektor mit zusätzlicher Liquidität und drückt die Renditen der Staatstitel. Langfristig will sie durch diese quantitative Lockerung die Inflation wieder in die Nähe von zwei Prozent bringen. Kurzfristig beflügelt ihre expansive Politik aber vor allem die Finanzmärkte: Die Anleihenrenditen fallen weiter, was die Investoren auf der Suche nach Rendite in die Aktienmärkte treibt, wo die Kurse kontinuierlich steigen.

Wegen des gesunkenen Erdölpreises, der wie ein kleines Konjunkturpaket für die Währungsunion wirkt, haben die EZB-Ökonomen ihre konjunkturellen Projektionen für die Eurozone jüngst deutlich nach oben korrigiert. Dieser Konjunkturoptimismus trägt ebenfalls zur guten Stimmung an den Börsen bei. Der schwache Euro, der wegen der expansiven Politik der EZB seit Wochen gegenüber fast allen Währungen der wichtigsten Handelspartner der Euro-Zone an Wert verliert, hilft den Exportunternehmen.

So profitierten am Montag vor allem konjunktursensitive, exportorientierte Werte, wenn auch die gute Stimmung durch alle Branchen hinweg dominierte. Die Aktien von Siemens legten um über zwei Prozent zu, was auch in Zusammenhang mit einem Großauftrag in Ägypten stand; die Papiere der großen deutschen Autowerte verbesserten sich sogar um rund drei Prozent. Tabellenführer waren indessen die Valoren des Bergbauunternehmens K+S, die nach guten Unternehmenszahlen in der Vorwoche weiter zulegten (+4,2 Prozent).

Angst vor dem Fall

Die gute Börsenstimmung in Deutschland beschränkte sich aber nicht auf das Leitbarometer DAX. Auch der MDAX der mittelgroßen Unternehmen stieg um 1,23 Prozent und markierte einen rekordhohen Schlussstand von 21.113,55 Punkten; der Technologiewerte-Index TecDAX legte um 1,02 Prozent zu. Indessen nahmen auch Befürchtungen zu, auf die rasante Bergfahrt am deutschen Aktienmarkt könnte eine ebenso schnelle Talfahrt folgen.

Viele Experten halten die deutschen Aktien mittlerweile für überbewertet. Die stimulierenden Impulse der EZB werden die Börsenstimmung zwar noch für eine ganze Weile heben, doch geopolitische Spannungen oder ein Rückschlag bei der Konjunkturerholung in der Währungsunion könnten dem ein jähes Ende bereiten. Ebenfalls unklar sind derzeit noch der Effekt einer Zinswende in den USA sowie der genaue Zeitpunkt dafür. Schon diesen Mittwoch könnte die US-Notenbank hierzu neue Signale geben.