REUTERS/Thomas Hodel/Files

Walkthrough

Der Franken-Fluch lässt die Banken nicht los – und die Bären tanzen

von Lukas Sustala / 15.01.2016

Ein Jahr nach dem „Franken-Schock“ sorgt die Schweizer Währung bei österreichischen Banken und Kreditnehmern immer noch für Schweißperlen auf der Stirn. Auf den Aktienmärkten tanzen die Bären. Und die „Heta Wars“ stehen vor einer Fortsetzung. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Ein Jahr „Franken-Schock“. Vor einem Jahr hat die Schweizerische Nationalbank den Mindestkurs des Euro zum Schweizer Franken gekappt. Die Folge war eine dramatische Auf- und Überbewertung der Währung, die sich nur in Trippelschritten umkehrt, solange die europäische Geldpolitik ist, wie sie ist – nämlich extrem locker (NZZ).

Für Österreichs Banken und Kreditnehmer ist der Franken-Schock noch nicht überstanden. Nach Ungarn und Kroatien dürfte auch Polen versuchen, die Kosten der Frankenkredite so weit wie möglich auf internationale Finanzinstitute abzuwälzen (NZZ): „Der polnische Präsident Andrzej Duda will die Bürger des Landes doch von der Last befreien, ihre Hypothekenkredite in Franken zurückzahlen zu müssen. Duda stellte am Freitag einen Gesetzentwurf zur Umwandlung der vor Jahren beliebten Franken- Kredite in Złoty vor. Dudas Büro betonte, die Kredite sollten zu einem „fairen Wechselkurs“ auf Złoty umgestellt werden können, blieb Einzelheiten des Vorschlags aber schuldig.“ Angesichts der nach wie vor knapp 35 Milliarden Euro an Frankenkrediten in Polen (Daten per 3. Quartal 2015), droht den Banken dort viel Ungemach. Die Raiffeisen Bank International will ja die Polbank verkaufen und hat den Verkaufsprozess noch einmal ohne die knapp 3,2 Milliarden Euro an Schweizer-Franken-Krediten aufgerollt. Die heimische Wirtschaft (Haushalte, Unternehmen und Gemeinden) sitzen insgesamt immer noch auf über 31 Milliarden Euro an Franken-Schulden (NZZ.at).

Finanzmärkte unter Druck. Der Freitag brachte einen sehr schlechten Abschluss zu einer sehr schlechten Börsenwoche. Die US-Börsen haben kräftig im Minus geöffnet, der S&P 500 hat knapp 50 Punkte oder 2,6 Prozent nachgegeben. Chinas Aktienmarkt befindet sich nach dem Freitag offiziell im Bärenmarkt. Auch der europäische Leitindex Stoxx 600 ist laut Bloomberg offiziell ins Bärenterrain abgetaucht (Bloomberg).

Schwache US-Industrie verstärkt Abwärtssog. Dass auch US-Konjunkturdaten am Freitag enttäuschten, hat den Sog an den Märkten noch einmal verstärkt. Der US-Chefvolkswirt von Capital Economics, Paul Ashworth, über den Rückgang der Industrieproduktion: „US industrial production hit by slump in mining & utilities. The 0.4% m/m contraction in December’s industrial production was principally due to a weather-related 2.0% m/m decline in utilities output and a 0.8% m/m fall in mining output. Over the fourth quarter as a whole, the unseasonably warm weather in the Northeast generated a massive 9% decline in utilities output. The ongoing slump in energy prices resulted in a 5% fall in mining output.“ Es ist also nicht mehr „nur“ China, das schlechte Stimmung verbreitet.

Chinas Aktienindex CSI 300 drastisch abgestürzt
Chinas Aktienindex CSI 300 drastisch abgestürzt

Credits: Factset

Öl unter 30 Dollar. Die Ölpreise sind übrigens unter die Marke von 30 Dollar gefallen. Analysten von Barclays etwa erwarten, dass der Iran zwei bis vier Monate früher für den Weltmarkt Öl fördern könnte als bis dato erwartet (FT). Das würde das bereits bestehende Überangebot weiter anschwellen lassen. Wenn aber bereits der Internationale Währungsfonds ratlos wirkt, sollte man noch einmal nachbohren. Schließlich bewerben die Ökonomen des Fonds einen aktuellen Beitrag mit den Worten „what the !@#$% is going on, and why it matters for the global economy“ (IMF Blog).

Shitstorm wegen Islam-Konten. Die Bawag PSK hat mit ihrem Einstieg ins Islamic Banking die sozialmediale Überreaktion ausgelöst, die sich nach dem jüngsten Fall bei Spar mit Halalprodukten erwarten ließ (NZZ.at). Die Bank will dennoch an den zinslosen Konten nach islamischem Recht festhalten (Die Presse). Der wachsende islamische Markt hat in den vergangenen Jahren viele internationale Geldinstitute angezogen. Zynisch ließe sich wohl kritisieren, dass sich zinslose Konten, die sich mit Gebühren finanzieren, angesichts von jahrelanger Nullzinspolitik für die meisten Sparer wie Normalität anfühlen. Quasi Konvertiten wider Willen.

Walmart schrumpft. Der größte Einzelhändler der Welt muss sparen. Walmart schließt 269 Filialen, teilte das Unternehmen aus Bentonville, Arkansas am Freitag mit (NZZ). Betroffen von der weltweiten Sparaktion sind 16.000 Mitarbeiter. 154 Filialen werden in den USA geschlossen, weitere 60 in Brasilien. Der Sparkurs trifft weniger als ein Prozent der gesamten Ladenfläche und Umsatz des US-Konzerns, schreibt das Management. Der größte private Arbeitgeber der Welt betrieb zuletzt nach eigenen Angaben global fast 11.600 Filialen und beschäftigte 2,2 Mio. Mitarbeiter.

Inspirationen – Food for Thought

Heta Wars: Gläubiger gegen Republik, das ist Brutalität.

Sorgen demografische Änderungen langfristig für geringere Kapitalrenditen und höhere Inflation? „But there is little reason to think these demographic changes will necessarily produce faster inflation, higher real interest rates, and greater income for workers. While those outcomes are possible, there are so many countervailing forces it would be impossible to predict with certainty either way.“ (FT Alphaville)

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