Der Franken schockiert auch Österreich

von Lukas Sustala / 15.01.2015

Am Donnerstag hat die Schweizerische Nationalbank für Turbulenzen an den Finanzmärkten gesorgt. Sie entschied sich überraschend dafür, ihre Wechselkurspolitik zu beenden.

Seit 2011 sorgte die SNB mit massiven Interventionen dafür, dass der Euro nicht unter den Kurs von 1,2 Franken fiel. Diesen Mindestkurs gibt es künftig nicht mehr. Für die Schweizer Sicht der Dinge ist der NZZ-Liveticker zu empfehlen. Das Resümee ist eindeutig. Es ist eine totale Überraschung auch innerhalb der Schweiz, der Chefökonom der Schweizer Großbank UBS etwa sagt zu der Entscheidung: „Ich stehe unter Schock.“

Der Fall des Mindestkurses hat auch für Österreich massive Konsequenzen. Denn aus dem Boom der Fremdwährungskredite sind immer noch milliardenschwere Bestände an Schweizer-Franken-Krediten in Umlauf.

Nach Daten der Oesterreichischen Nationalbank haben heimische Haushalte noch gut 25 Milliarden Euro an Schweizer-Franken-Krediten ausstehen. Eine Währungsabwertung des Euro gegenüber dem Schweizer Franken sorgt dafür, dass die Kreditnehmer deutlich mehr zurückzahlen müssen. Rund 150.000 Kreditnehmer in Österreich sind davon betroffen, bestätigt Christian Gutlederer, Sprecher der Oesterreichischen Nationalbank, gegenüber NZZ.at.

Der erste Schock für die Kreditnehmer kommt dabei gleich mit der nächsten Anpassung der Zinszahlung, die nach aktuellem Stand gut 15 Prozent höher ausfallen könnten. In einer ersten Reaktion kollabierte der Euro von 1,2 auf zeitweise nur 0,88 gegen den Franken, aktuell notieren die beiden Währungen ungefähr bei 1:1 (Mittwoch, 12.30). Wie sich die Abwertung auf die Bezahlung der meist endfälligen Kreditsummen auswirkt, hängt noch von der weiteren Währungsentwicklung und den Erträgen der Tilgungsträger ab.

Zu den Schulden von den Privaten kommen noch die Unternehmen dazu, die noch rund 4,6 Milliarden Euro an Verbindlichkeiten ausstehen haben.

Die Oesterreichische Nationalbank hat am Mittwoch in einer Aussendung die „erhebliche Relevanz“ des Schweizer-Franken-Problems für Österreich herausgestrichen. Das ist wohl Notenbanksprech dafür, dass man sich durchaus Sorgen macht. So könnte die steigende Kreditbelastung die Ausfallsraten bei Immobilienkrediten steigen lassen.

Österreich ist Spitzenreiter

Gleichzeitig betonen die Notenbanker, sie hätten stets vor den Risiken der Fremdwährungskredite gewarnt. Verhindert aber hat die OeNB das massive Wachstum der Schweizer-Franken-Kredite nicht, nach aktuellen EZB-Zahlen haben in keinem anderen europäischen Land Banken so hohe offene Forderungen in Schweizer Franken gegen ihre Kunden wie in Österreich. Es sind immerhin 35,6 Milliarden Euro. Die folgende Grafik zeigt einen europäischen Vergleich der Schweizer-Franken-Kredite an „Nicht-Banken“, den Österreich anführt:

Den Unterschied zwischen den 35,6 Milliarden und den 29,5 Milliarden Euro, die die OeNB heute per Aussendung als Risiko angegeben hat, lässt sich so erklären. Neben Haushalten und Unternehmen erfasst die EZB auch den Sektor Staat und NGOs. Damit kommt der Frankenschock auch bei den Gebietskörperschaften zum Tragen. So hat alleine die Gemeinde Wien gut ein Drittel ihrer Schulden in Schweizer Franken aufgenommen. Die heutige Abwertung des Euro bringt Wien theoretisch immerhin 300 Millionen Euro an neuen Schulden.

Als gefährliche Draufgabe gelten auch noch Swaps, also Derivate, die Gebietskörperschaften und Unternehmen abgeschlossen haben, um die günstigen Zinsen der Schweiz in Anspruch nehmen zu können (Stichwort: Bawag vs. Linz). Sie sind bei den ohnedies hohen Summen noch nicht eingerechnet.