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Analyse

Der geldpolitische Kampf gegen Windmühlen

von Nicole Rütti / 30.03.2016

Seit Jahren überfluten die Notenbanken die Volkswirtschaften der Industrieländer mit billigem Geld. Doch der konjunkturelle Aufschwung lässt auf sich warten. Eine konjunkturelle Bestandsaufnahme für Japan, die Euro-Zone und die USA.

Appelle des Internationalen Währungsfonds oder von Notenbanken an die Adresse von Regierungen, Strukturreformen nun endlich mit der erforderlichen Entschlossenheit voranzutreiben, haben jüngst beinahe einen beschwörenden Unterton bekommen. Die Sorge der Ökonomen und Währungshüter ist durchaus berechtigt. Seit Jahren überfluten die Notenbanken die Volkswirtschaften der Industrieländer mit billigem Geld, doch der konjunkturelle Aufschwung will sich nicht einstellen: Die Weltwirtschaft wächst derzeit so schwach wie seit fünf Jahren nicht mehr.

Der Aufschwung lässt auf sich warten
Der Aufschwung lässt auf sich warten

Credits: KOF

Anschauungsunterricht bietet Japan: Die Bemühungen der Regierung sowie der Bank von Japan, Privathaushalte zum Konsum und Unternehmen zum Investieren anzuregen und damit die langjährige Stagnationsphase zu überwinden, gleichen beinahe schon einem Kampf gegen Windmühlen. Trotz immer gigantischeren Konjunkturprogrammen, einer äusserst lockeren Geldpolitik, Negativzinsen und günstigem Wechselkurs blieb der Erfolg von Abenomics bisher aus, was nicht erstaunt: Dass eine alternde Gesellschaft in einer stagnierenden, risikoscheuen und überschuldeten Volkswirtschaft um ihre künftigen Rentenansprüche besorgt ist und deshalb spart, ist naheliegend. Ebenso, dass Firmen in einem solchen Umfeld lieber im Ausland investieren. Die Öffnung verkrusteter Binnensektoren, mehr Wettbewerb sowie eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und die verstärkte berufliche Integration von Frauen wären wohl zielführendere Massnahmen als Geldspritzen.

Die Arbeitsmärkte entwickeln sich sehr unterschiedlich
Die Arbeitsmärkte entwickeln sich sehr unterschiedlich
Dunkelblau: Euro-Zone; Violett: USA; Hellblau: Japan.
Credits: KOF

Die anämische wirtschaftliche Entwicklung in vielen Ländern Europas lässt befürchten, dass der alte Kontinent von japanischen Verhältnissen nicht mehr weit entfernt ist. So hat sich die Erholung in der Euro-Zone jüngst zwar fortgesetzt. Aber auch sieben Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise hat sich die Wertschöpfung der Wirtschafts- und Währungsunion gerade einmal dem Vorkrisenniveau angenähert. Auch hier vertrauen Regierungen und Notenbanken darauf, dass der Euro dank Überflutung der Märkte mit Billiggeld den Export zum Laufen bringen wird und die Banken ihre Kreditschleusen öffnen werden. Doch immer deutlicher zeigen sich die Kehrseiten der bisher praktizierten Geldpolitik. Mit Negativzinsen und der abgeflachten Zinskurve sind die Margen der europäischen Banken weiter gesunken, wodurch die Kreditvergabe wieder ins Stocken geraten könnte.

Inflation kommt keine auf
Inflation kommt keine auf
Dunkelblau: Euro-Zone; Violett: USA; Hellblau: Japan.
Credits: KOF

In einer deutlich solideren Verfassung befinden sich derweil die USA. Dank einem eindrücklichen Entschuldungsprozess bei den Privathaushalten und Unternehmen sowie Restrukturierungen im Finanzsektor hat die Volkswirtschaft zurück auf den Aufwärtspfad gefunden. Doch Amerikas Wachstum dürfte kaum ausreichen, um die gesamte Weltwirtschaft mitzuziehen.


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