David Gray / Reuters

Der Gewinnmaschine geht die Puste aus

von Norbert Hellmann / 29.08.2016

Chinesische Grossbanken haben ihre Kreditvergabe traditionell durch das Einlagengeschäft mit geduldigen Massen finanziert. Diese Strategie stösst nun jedoch an ihre Grenzen.

Chinas staatlich kontrollierte Grossbanken haben sich seit den Börsengängen zur Mitte der vergangenen Dekade und insbesondere im Nachgang zur globalen Finanzkrise als die grösste und verlässlichste Gewinnmaschine im weltweiten Banking dargestellt. Der Nimbus droht in diesem Jahr allerdings zu verblassen, denn in der gegenwärtigen Konstellation einer sich weiter abkühlenden chinesischen Konjunktur mit für chinesische Verhältnisse rekordtiefen Leitzinsen und gedrückten Zinsmargen bei gleichzeitig stark anschwellenden Kreditausfällen ist kein Blumentopf mehr zu gewinnen.

Geschäftsmodell unter Druck

Das traditionelle Geschäftsmodell der chinesischen Banken, die ihre Ertragsstärke seit je aus dem Kreditgeschäft mit Grossunternehmen und Gebietskörperschaften sowie einer Refinanzierung über Einlagen von geduldigen und eher anspruchslosen Massen von Sparern ziehen, wird zunehmend einer Belastungsprobe unterzogen. Bei den Grossbanken steht in Kürze die Bekanntgabe der Ergebnisse für die erste Hälfte des Geschäftsjahres an. Die Analytiker gehen davon aus, dass die führenden Institute des Landes nun erstmals Farbe bekennen müssen und bei eingeengten Zinsmargen sowie steigendem Bedarf von Risikovorsorge dem bisherigen Tabu sinkender Gewinne nicht weiter ausweichen können.

Möglicherweise gelingt es den führenden Kreditinstituten noch einmal, mit einigen Freiheiten bei der Klassifizierung von notleidenden Krediten und einer laxeren Dotierung von Risikopuffern so etwas wie eine Nulllinie bei den Semesterergebnissen anzusteuern. Wenn sich jedoch in der zweiten Jahreshälfte nicht eine höchst überraschende Konjunkturwende einstellt oder aber die heimische Bankenaufsicht mit einem Federstrich die geforderte Risikovorsorge-Quote von notleidenden Krediten (Loan-Coverage-Ratio) stark absenkt, wird man spätestens mit den Jahresabschlüssen 2016 in den sauren Apfel beissen und die deutlich beeinträchtigte Ertragssituation auch in tatsächlich rückläufigen Gewinnen sehen.

Kriegsschauplatz WMP

Im Zuge der Bekämpfung von Quellen systemischen Risikos will die chinesische Bankenaufsicht im ausufernden Geschäft mit sogenannten Wealth-Management-Products (WMP) die Bremse einlegen. Zumindest wird man sehr viel genauer hinschauen, in welche Anlagekategorien diese Vehikel investieren und inwiefern diese dazu dienen, riskante Kreditgewährungen über eine ausserbilanzielle Verpackung an den etablierten Sicherungsmechanismen vorbeizuschleusen.

Bei den chinesischen WMP geht es um eine riesige Kategorie von meist kurzfristigen Anlageprodukten, die den chinesischen Sparern als höherverzinsliche Alternative zu herkömmlichen Spareinlagen angeboten werden. Dabei handelt es sich aber nicht um klassische Geldmarktfonds oder Wertpapierfonds mit einer nachvollziehbaren Anlagestrategie, sondern um strukturierte Produkte, die mit Aktien, Anleihen, Krediten unterlegt sind.

Niedrigzinsen tun weh

Das Geschäft mit der Vermögensverwaltung erlaubt den Banken zwar, beim Vertrieb Kommissionen zu erwirtschaften, doch reicht dies bei weitem nicht aus, um die Effekte einer seit Ende 2014 umgesetzten Zinsliberalisierung zu kompensieren. Abgesehen davon leiden die Institute unter der seit Herbst 2014 dauernden geldpolitischen Lockerung, die nun auch in China sehr tiefe Leitzinsen hinterlässt.