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Smartwatches

Der Kampf ums Handgelenk

von Christiane Hanna Henkel / 10.11.2015

Den Markt für Smartwatches beherrscht derzeit Apple. Verstärkt treten derzeit die klassischen Uhrenmarken auf den Plan – wie nun Tag Heuer als einer der ersten Schweizer Uhrenmacher.

In den USA besitzt bereits jeder Vierte eine Smartwatch oder ein sogenanntes „Wearable“ – eine Art Armband, das meist gesundheitsrelevante Daten (Puls, zurückgelegte Distanzen, Anzahl der Stunden Schlaf) generiert. Zu den größten Anbietern im Smartwatch-Bereich zählt der Technologiekonzern Apple, und im Bereich der weitaus stärker verbreiteten Wearables ist es das mittlerweile börsennotierte Fitbit. Apple hatte im Frühjahr seine erste Smartwatch lanciert. Offizielle Verkaufszahlen gibt es nicht. Ähnlich wie mit dem iPhone auf dem Markt für Smartphones könnte Apple mit seiner Smartwatch dieser noch ein Nischendasein fristenden Produktekategorie zum Durchbruch in den Massenmarkt verhelfen.

Handeln aus der Defensive

Das jedenfalls erwarten viele Experten. Und darauf hoffen eine Reihe von Unternehmen: Der Suchmaschinenbetreiber Google, Chiphersteller wie Intel und vor allem die traditionelle Uhrenindustrie jedenfalls gehen nun mit viel Verve in Position. Im Oktober etwa lancierte die in Richardson, Texas, domizilierte Fossil-Gruppe („Burberry“, „Michael Kors“ usw.) unter ihrer gleichnamigen Uhrenmarke zusammen mit Google und Intel eine Smartwatch. Fossil ist damit einer der ersten traditionellen Uhrenhersteller, die in das Smartwatch-Segment einsteigen.

Am Montag lancierte nun die zum französischen Luxuskonzern LVMH gehörenden Uhrenmarke Tag Heuer in New York im Beisein von Tag-Heuer-CEO Jean-Claude Biver, Intel-Chef Brian Krzanich, Google-Manager David Singleton und LVMH-Konzernchef Bernard Arnault eine entsprechende Smartwatch. Die Uhr, die aussieht wie ein traditioneller Zeitmesser, wird ebenfalls mit einem Chip von Intel und der Software Android von Google betrieben; sie kostet 1.500 Dollar. Um den Spagat zu meistern zwischen einer womöglich schnell veraltenden Smartwatch und dem Anspruch der Langlebigkeit einer traditionellen Uhrenmarke, kann der Kunde nach zwei Jahren die Tag-Heuer-Smartwatch für eine weitere Zahlung von 1.500 Dollar in ein spezielles Modell einer mechanischen Tag Heuer umtauschen.


Credits: Vontobel Equity Research, Smartwatch Group

Mit dem Eintritt in den Smartwatch-Markt wollen die traditionellen Uhrenhersteller vor allem abwenden, dass ihre Uhren zu Ladenhütern werden. „Wir handeln ganz klar aus der Defensive heraus“, erklärt Biver im Gespräch. Besonders gefährdet seien Uhren in einer Preisspanne von 900 bis 2.000 Dollar, erklärt der seit Jahrzehnten die Schweizer Uhrenbranche mitprägende Manager. Wie groß das Potenzial einer Bedrohung ist, führt ein Zahlenvergleich vor Augen: Während Apple schätzungsweise zehn Millionen Smartwatches in diesem Jahr verkauft, kommt Tag Heuer gerade mal auf mehrere hunderttausend verkaufte Uhren pro Jahr. Oder mit anderen Worten: Ein relativ kleiner Erfolg Apples kann Tag Heuer einiges kosten.


Credits: Vontobel Equity Research, Smartwatch Group

Große Marktchancen

Der Markt für Wearables und vor allem für Smartwatches könnte in den nächsten Jahren jenen für Tablets überschreiten. Damit ist es auch für die großen Technologiekonzerne Google und Intel unerlässlich, nun in Position zu gehen. Google hat für diese Produktkategorie ein eigenes Betriebssystem entwickelt (Android Wear) und hofft darauf, ähnlich wie im Absatzgebiet für Smartphones einen wesentlichen Marktanteil erreichen zu können. Bis jetzt wird der Smartwatch-Markt von Apple und dessen Betriebssystem iOS beherrscht. Google experimentiert derzeit mit diversen Produktkategorien wie etwa mit Autos oder Sensoren im Wohnbereich und will in einer digitalen Welt, in der alle Geräte miteinander verbunden sind, eine führende Rolle spielen. Sein Vorstoß in den Bereich der am Körper tragbaren Geräte in Form einer entsprechenden Brille war allerdings gescheitert. Smartwatches eröffnen hier eine neue Chance.


Credits: Vontobel Equity Research, Smartwatch Group

Der Chiphersteller Intel steht derzeit mächtig unter Druck. Seine Hauptkunden sind die PC-Hersteller, deren Geschäfte aber rückläufig sind. Das Tablet und das Smartphone ersetzen immer häufiger den PC. Auf dem Markt für Smartphones und Tablets aber hat Intel nie richtig Fuß fassen können. Der nun entstehende Markt für Wearables und vor allem jener für Smartwatches birgt für Intel daher eine Chance, die sich der Konzern nicht entgehen lassen darf.