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Walkthrough

Der lange Schatten von Kreditkrisen

von Lukas Sustala / 24.08.2016

Die Luft wird diese Woche dünn für viele Zentralbanker. Wie gut ist Österreichs Arbeitsmarkt auf die Digitalisierung vorbereitet? Und die Fondskosten in Europa sinken, leider nicht in Österreich. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Die Luft ist dünn auf dem Schuldenberg. Jackson Hole ist ein eher verschlafenes Tal in den Rocky Mountains. Aber einmal im Jahr treffen sich die wichtigsten Notenbanker dort für einen „informellen Gedankenaustausch“, organisiert von der regionalen Notenbank in Kansas City. Warum die Notenbanker die Luft dieses Jahr als besonders dünn empfinden werden, hat Thomas Fuster schön beschrieben (NZZ.at). Die langjährigen Minizinsen haben wenig an dem schwachen Wachstum in den Industrieländern geändert. Und die Schulden haben sich vielerorts noch einmal erhöht.

Fonds und ihre Kosten. „Es gibt gute Nachrichten für viele Investoren in Europa“, schreibt Ali Masarwah von Morningstar – dem Analysehaus. Er kann eine positive Bilanz aus Anlegersicht ziehen, denn die Kosten für Fonds gehen zurück. „Eine umfassende Morningstar-Untersuchung hat zutage gefördert, dass in den vergangenen drei Jahren die laufenden Gebühren kapitalgewichtet von 1,09 Prozent auf 1,0 Prozent gesunken sind.“ Davon haben leider die österreichischen Sparer nur wenig (NZZ.at).

Zahlen, Zahlen, Zahlen. Aktuell sorgen angesichts der eher spätsommerlichen Ruhe vor allem die Quartalsergebnisse einiger Unternehmen für Gesprächsstoff. Der heimische Stromkonzern Verbund etwa sorgte mit einer Streitschlichtung für Bewegung: Der Verbund und die OMV-Tochter Econgas haben einen Streit über Gaslieferungen für das Kraftwerk Mellach beigelegt. Das bringt dem Verbund einen einmaligen Sondergewinn von 100 Millionen Euro durch die Auflösung von Rücklagen. Ein gemeinsamer Nenner des heutigen Börsentages waren aber die niedrigen Rohstoffpreise. Der heimische Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann (SBO) etwa forciert seinen Sparkurs, weil die Umsätze angesichts gesunkener Investitionen in Ölexplorationen deutlich sinken (ORF.at). Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) drehte im zweiten Quartal im Jahresabstand von positiven 45,1 Mio. Euro auf negative 5,7 Mio. Euro. Und auch der Rohstoffhändler Glencore vermeldete heute einen Verlust (NZZ).

Wie gut ist Österreich auf die Digitalisierung vorbereitet? Regelmäßig berichten Medien über kommende Innovationen, die eine ganze Reihe von Jobs ersetzen werden. Eine neue WIFO-Studie über die Digitalisierung in Österreich versucht den Zukunftspessimisten etwas entgegenzuhalten. Die Quintessenz der übermäßig positiven Untersuchung: Dank eines effektiven Bildungssystems waren Österreichs Arbeitnehmer bisher vor der Automatisierung verschont. Allerdings, so betont Leopold Stefan, fehlen die Investitionen in die Zukunft, damit das auch so bleibt (NZZ.at). Und wenn das ausbleibt, dann zeigen bereits andere Länder vor, was passiert: eine zunehmende Polarisierung zwischen den Menschen mit niedriger und hoher Ausbildung.

Wie wirkt sich die Wertschöpfungsausgabe aus? Sie nimmt so langsam Gestalt an, die Wertschöpfungsabgabe (NZZ.at). Wenn man sich die über die Medien verbreiteten Vorschläge genauer ansieht, kommt man zu dem Schluss, dass 1. ein Bürokratiemonster erschaffen werden könnte und 2. eine ziemlich deutliche Umverteilung ins Haus steht. Die Modellrechnung zum FLAF ist jedenfalls für einige Branchen beeindruckend.

Inspirationen – Food for Thought

Der Bericht des Hypo-U-Ausschusses wäscht den ehemaligen Finanzminister Josef Pröll rein und enthält ein paar Ideen, um eine zweite Hypo zu verhindern (Der Standard).

Nicht nur Wohlstand und Größe spielen für die Performance bei Sommerspielen eine Rolle.

Die Zahlungsmoral in Österreich bleibt hoch (ORF).

Deutsche-Bank-CEO Cryan findet die Niedrigzinspolitik der EZB übrigens nicht wirklich gut (ManagerMagazin).