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Strategie der Deutschen Bank

Der neue Chef will die Deutsche Bank verkleinern

von Claudia Aebersold Szalay / 29.10.2015

Der neue Chef John Cryan will eine effizientere, risikoärmere, besser kapitalisierte und diszipliniertere Bank. Am Donnerstagmorgen präsentierte er seine Pläne – der Markt reagierte ungnädig, wie NZZ-Wirtschaftskorrespondentin Claudia Aebersold Szalai berichtet.

John Cryan krempelt die Ärmel hoch. Der neue CEO der Deutschen Bank hat am Donnerstagmorgen der Presse seine neue Strategie vorgestellt und dabei klargemacht, dass sich die Bank nicht über Nacht neu erfinden kann, aber in dem, was sie gut kann, besser und vor allem effizienter werden muss.

Länder und Märkte werden aufgegeben

Eine ganze Reihe von Maßnahmen soll die Komplexität der größten Bank Deutschlands reduzieren und Kosten sparen. So will sie sich aus gewissen Ländern ganz zurückziehen, einzelne Dienstleistungen im Investment Banking nicht mehr anbieten und etliche Filialen im Heimmarkt Deutschland schliessen. Die On-Shore-Aktivitäten in zehn Ländern werden ganz beendet. Dazu gehören einige lateinamerikanische Länder, aber auch skandinavische, Malta und Neuseeland. Weltweit will sie 9000 Arbeitsplätze streichen, fast die Hälfte davon in Deutschland, wo rund 200 Filialen geschlossen werden.

Darüber hinaus baut sie weitere 6000 Stellen bei externen Dienstleistern ab, mehrheitlich im IT-Bereich und geografische gesehen wohl vor allem in Indien. Der Abbau summiert sich zu den rund 20.000 Stellen, die ohnehin wegen des Verkaufs der Postbank und anderen Beteiligungen anfällt.

Im Investment Banking beendet die Bank 50 Prozent aller Kundenbeziehungen. Hier lautet die Devise: Kunden, die nur ein einzelnen Produkt nachfragen, sind zu wenig rentabel, weshalb das Geschäft mit ihnen aufgegeben werden soll. Nur Kunden, mit denen ein intensives Cross-Selling betrieben wird, sollen künftig betreut werden – schon heute erwirtschaftet der Bereich 80 Prozent der Erträge mit lediglich 30 Prozent der Kunden. Eine neue IT-Infrastruktur soll das Investment Banking zudem kostengünstiger und effizienter machen. Einige Bereiche werden ganz aufgegeben wie beispielsweise das Market Making von einzelnen CDS oder der Handel mit Kreditderivaten, die auf amerikanischen Privathypotheken basieren.

Restrukturierung kostet bis zu 3,5 Milliarden Euro

Durch die Einsparungen inklusive Stellenabbau soll die Kostenbasis um 3,8 Milliarden Euro reduziert werden. Diese werden aber erst in den kommenden Jahren positiv zu Buche schlagen, der kurzfristig verursacht der Um- und Abbau hohe Kosten: drei bis 3,5 Milliarden Euro sind für die Restrukturierung veranschlagt. Die Veräußerung der Postbank und anderen Beteiligungen soll weitere vier Milliarden Euro einsparen, hier wurde nicht näher quantifiziert, wie viel Kosten etwa für Abfindungen dies verursachen wird.

Die Risiken sollen in der Bank deutlich reduziert werden. So will Cryan die risikogewichteten Aktiva um 90 Milliarden Euro auf 320 Milliarden Euro bis ins Jahr 2018 schmälern. Da der Regulator aber seine Ansprüche an den Bereich laufend erhöht, rechnet die Bank damit, dass die „regulatorische Inflation“, wie Cryan das Phänomen nennt, den Effekt kompensieren wird, so dass die Risikoaktiva ungefähr gleich groß bleiben werden.

Keine Kapitalerhöhung

Ohne Kapitalerhöhung, rein durch organisches Wachstum, dem Abbau der internen Bad Bank und der Tatsache, dass im laufenden und im kommenden Jahr keine Dividende ausgeschüttet werden soll, soll sich die Kapitalausstattung der Bank verbessern. Die harten Kernkapitalquote soll bis 2018 auf 12,5 Prozent klettern und die Leverage Ratio auf 4,5 Prozent. Am Nachmittag präsentiert Cryan seine Pläne den Analysten und Investoren in London, die Marktreaktion fiel bisher aber wenig euphorisch aus, die Titel der Bank lagen um die Mittagszeit mit sieben Prozent im Minus.