Der Ölpreis steigt, S&P zahlt und Banken wollen beim Franken tricksen

von Lukas Sustala / 04.02.2015

Der Ölpreis schlägt nach oben aus, die Ratingagentur S&P büßt mit 1,5 Milliarden Dollar ihre Mitverantwortung an der Finanzkrise und die Unabhängigkeit der Geldpolitik könnte nur eine Illusion sein. Ein aktueller Walkthrough zum Phänomen Geld.

Öl rutscht aufwärts. An den Finanzmärkten geht es manchmal sehr schnell. Der Ölpreis zeigt das gerade eindrucksvoll. Ein Fass der Marke Brent kostet mittlerweile wieder 57,9 Dollar. Das ist zwar weiterhin deutlich weniger als noch vor einem halben Jahr, als der Preis bei über 100 Dollar je Fass stand. Doch seit dem 12. Jänner hat sich Öl auf dem Weltmarkt um 24 Prozent verteuert und befindet sich damit für Börsianer in einem Bullenmarkt.

Die Erholung wird Ölmanager wieder aufatmen lassen. Denn der Ölpreiszerfall hatte den Konzernen in der Branche massiv zugesetzt, wie etwa BP am Dienstag bei der Präsentation seiner Zahlen zeigte. Mehr als drei Milliarden Euro hat der Ölmulti abgeschrieben, die Investitionen werden um 5,5 Milliarden Euro in diesem Jahr gesenkt. Auch die heimische OMV hat jüngst mit Investitionskürzungen auf den Ölpreiszerfall reagiert.

S&P zahlt und schweigt. Die Ratingagenturen haben als Bonitätswächter wesentlich zur Kreditkrise 2008 beigetragen, haben sie doch später toxische Wertpapiere zuvor noch als sichere, manchmal gar top-bewerteteAAA Anlagen beurteilt. Die US-Ratingagentur hat sich nun mit den US-Behörden auf einen Vergleich geeinigt. Sie zahlt 1,5 Milliarden Dollar, dafür gibt es kein Schuldeingeständnis, weder für die Ratingagentur noch für die Spitzenmanager. 1,5 Milliarden Dollar sind zwar für die Ratingagentur keine kleine Summe (mehr als ein Jahresgewinn des Mutterkonzerns McGraw Hill).

Doch ohne Schuldeingeständnis droht nicht die vorprogrammierte Klagsflut durch geschädigte Anleger und Institutionen. Der Vergleich ist aber ein guter Zeitpunkt für alle Interessierten, wieder einmal in die 128-seitige Klagsschrift hineinzulesen. Dort finden sich wahre Perlen des Booms, etwa ein Song, den S&P-Analysten über den US-Häusermarkt geschrieben haben – mit den schönen Textzeilen:

Subprime is boiling over,
burning down the house.

Tricks mit Frankenkrediten: Die Zinsen in der Schweiz sind zwar negativ, aber österreichische Banken wehren sich dagegen, Frankenkreditnehmern die Zinsen auch zu zahlen, wie Die Presse berichtet. Es werden bereits nachträgliche Vertragsänderungen ausgeschickt, denn wenn der Zinssatz eines Frankenkredits an den Schweizer LiborInterbankenzinssatz (London Interbank Offered Rate) gekoppelt ist, kann er dieser Tage ins Minus gerutscht sein.

Nestlé, negativ. Apropos negative Zinsen. Auch Unternehmen profitieren zusehends von der Liquiditätsflut, die über die Anleihenmärkte schwappt. Investoren sind bereit, dafür zu zahlen, ihr Geld in einer vierjährigen Anleihe des Schweizer Konzerns Nestlé zu parken (FT, kostenpflichtig).

Unabhängigkeit von Geldpolitik? Der Ökonomie-Professor Sebastian Edwards hat auf VOXEU, einer Debatten- und Kommentarseite für Ökonomen, einen interessanten Beitrag zur Unabhängigkeit von Geldpolitik verfasst. Traditionell sehen Volkswirte Nationen in der Währungspolitik in einem Trilemma. Von den drei Dingen Kapitalverkehrsfreiheit, unabhängige Geldpolitik und festen Wechselkursen könnten Länder bei der Wahl ihres Wechselkursregimes nur zwei haben.

Edwards argumentiert, dass selbst bei flexiblen Wechselkursen und Kapitalverkehrsfreiheit (diese Kombination ist für die meisten Länder die Regel) die unabhängige Geldpolitik nicht gewährleistet ist. So würden etwa lateinamerikanische Länder regelmäßig die „Übertragung“ (Contagion) der US-Geldpolitik auf ihre eigenen Kapitalmärkte spüren und so die Zinsänderungen der USA importieren.