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Randnotiz

Der Ölpreis zwischen saudi-arabischer Unsicherheit und dem Schweinezyklus

von Lukas Sustala / 09.05.2016

Es wirkt auf den ersten Blick paradox: Der Ölpreis steigt, weil das wichtige Exportland Saudi-Arabien im Zuge der wirtschaftlichen Modernisierung und der Abkehr vom Erdöl einen neuen Ölminister ernennt. Die Ernennung wird von einigen Analysten als Indikator für steigende Ölpreise angesehen. Aber wie kann das sein? Ein Ölminister, ernannt, um die neue Strategie der Diversifizierung umzusetzen, soll besonders positiv für die Ölmärkte sein?

Die Antwort lautet auf den aktuellen Ölmärkten offenbar: Ja. Denn die Ölmärkte sind nach wie vor von der Flut des neuen Ölangebots überschwemmt, und alle Neuigkeiten müssen von der Angebotsseite analysiert werden. Eine strategische, langfristige Abkehr Saudi-Arabiens vom Öl könnte auch ein Ende der aktuellen Politik sein, den Marktanteil hoch zu halten, koste es, was es wolle. So sehen es etwa einzelne Analysten (via WSJ):

“I think this is going to be interpreted as being bullish for the oil prices,” said Dominick Chirichella, analyst at the Energy Management Institute. The change in leadership “allows them to backtrack on the market share strategy without really losing a whole lot of face.”

Zudem verschärft sich der Schweinezyklus auf dem Ölmarkt offenbar noch einmal. 2015 haben Ölexplorateure 2,8 Milliarden Fass Rohöl entdeckt. Das ist der niedrigste Zuwachs der Reserven seit 1954. Bei Ölpreisen so gering wie aktuell fallen nicht nur die Investitionen, sondern damit verbunden wächst auch das Universum der bekannten Reserven deutlich langsamer. Der Schweinezyklus ist also voll im Gang: Die Öl-Konzerne verfolgen vorerst die Strategie, Investitionen und damit künftiges Angebot, so gut es geht, zu drosseln. Wenn eines Tages immer weniger Angebot auf den Markt strömt, könnte das zu deutlich steigenden Preisen führen. Vorerst aber bleibt der Ölpreis ein Schatten seiner selbst.

Daran könnte freilich das Ölkartell OPEC bei seinem nächsten Treffen in Wien ein bisschen etwas ändern. Doch bereits vergangene Zusammenkünfte der mächtigen Ölminister haben eher die Ohnmacht als die Macht dokumentiert. Die saudische Strategie der Verdrängung, der Iran als geopolitischer Widersacher und Rückkehrer auf die Bühne der Ölproduktion, die wirtschaftspolitischen Probleme von OPEC-Ländern wie Russland und Venezuela: Irgendwie spricht im Moment sehr wenig für eine einfache Lösung der schwierigen Gemengelage auf dem Erdölmarkt. Daran ändert auch ein ausgetauschter Ölminister wenig.


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