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Walkthrough

Der Ölpreiszerfall geht weiter

von Lukas Sustala / 12.01.2016

Der Ölpreis fällt auf neue Tiefststände und wird Unternehmen und Länder noch ordentlich ausrutschen lassen. Wenn Zinsen niedrig sind, sind andere Sparformen im Vorteil. Was man von der Situation in China halten sollte, zwischen Panik an den Finanzmärkten und realem Kapitalabfluss. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Zwölf-Jahres-Tief beim Ölpreis. Öl wird immer günstiger. Ein Fass der Nordseemarke Brent kostet aktuell weniger als 32 Dollar. So billig war Öl auf dem Weltmarkt zuletzt 2004 (NZZ). Als Europäer muss man natürlich auch berücksichtigen, dass der starke Dollar einen Teil des Vorteils zunichte macht. Doch auch in Euro gerechnet ist der wichtige Energieträger günstig wie schon lange nicht und weltweit mehren sich Meldungen, dass Öl bereits günstiger als Wasser ist.

Die Frage nach den Gewinnern und Verlierern des Ölpreiscrashes wird immer lauter gestellt. Dass günstiges Öl besser wirkt als so manche Steuersenkung, ist für Länder wie Österreich offensichtlich (NZZ.at). Für Konzerne der Branche, wie auch die heimische OMV, sind die günstigen Ölnotierungen aber schmerzvoll. BP etwa kündigte am Dienstag an, unter dem Druck des Ölpreisverfalls mindestens 4.000 Stellen abzubauen. Die Arbeitsplätze werden heuer in der Produktion eingespart, wie der britische Energiekonzern am Dienstag mitteilte (NZZ). Europäische Öl- und Gasaktien haben im Schnitt in den vergangenen 18 Monaten 36 Prozent ihres Wertes eingebüßt.

Bei Öl- und Gasunternehmen macht der Ölrutsch natürlich nicht Halt. Zentralbanken und Finanzminister in Ländern, die stark vom Ölexport abhängig sind, sehen ihre Heimatwährungen zusammen mit dem Ölpreis nach unten rutschen. Der russische Rubel zählt dabei zu den größten Verlierern, mit einer Abwertung von knapp 43 Prozent gegen den Euro seit Juni 2014. Besonders rohstoffexportierende Länder sind aktuell an den Devisenmärkten unter Druck. Wobei man bedenken muss, dass der Euro selbst gemessen am US-Dollar nicht die stärkste Währung in dem Zeitraum war.

Fondsmarkt im Aufschwung. Die heimische Fondsbranche hat 2015 Wachstum verzeichnen können. Erstmals seit 2007 werden zum Jahres-Ultimo wieder mehr als 160 Milliarden Euro verwaltet. Nicht nur die gestiegenen Wertpapierpreise sind dafür verantwortlich. Laut des heimischen Fondsverbandes VÖIG haben auch Sparer stärker in Fonds investiert: „Die Nettomittelzuflüsse beliefen sich in Summe auf rund 5,1 Mrd. Euro, wovon 1,7 Mrd. Euro auf den Publikumsbereich entfielen und 3,3 Mrd. auf den institutionellen Sektor. Der Löwenanteil der Nettomittelzuflüsse erfolgte in der Kategorie der vermögensverwaltenden Fonds mit rund 4,4 Mrd. Euro. Die Strategie, diese Fonds zu forcieren, war erfolgreich.“ Die Branche sieht derzeit in einst langweiligen Mischfonds, die sowohl in riskante Wertpapiere wie Aktien investieren als auch in konservative Anleihen, die Wachstumschance. Angesichts von Null- und zeitweise sogar negativen Zinsen haben sie aber vor allem den Rückenwind der Zentralbanken.

Muss man Angst vor China haben? Das Jahr ist noch jung, doch Chinas Aktienmärkte haben seit Jahresbeginn in sieben Handelstagen knapp 15 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Neu aufgestellte Handelsregeln an der Börse sind ebenso gescheitert wie die Beschwichtigungsversuche der chinesischen Behörden. Was hinter dem Crash steckt, welche Lehren Anleger ziehen können und was das für eine Exportwirtschaft wie die österreichische bedeutet, ist Thema der aktuellen Episode im Podcast des Phänomens Geld (NZZ.at).

Chinas Schock. In China sorgt nicht nur die „Zockerbörse“ mit seinen Jogginghosen-Spekulanten für Aufsehen unter Aktienanlegern (NZZ.at). Laut dem Ökonom Mark Williams von Capital Economics geht es vor allem um die Kapitalabflüsse aus dem Reich der Mitte: „The recent flood of capital leaving China has been driven primarily by increased scepticism that the People’s Bank will hold to its pledge to keep the renminbi stable. The fact that the PBOC has ended up in this position despite its massive foreign exchange reserves is testament to how little credibility China’s policymakers have.“ Der Kapitalabfluss als Zeichen des Misstrauens internationaler Investoren ist dabei ein recht neues Phänomen.

Chinas Zentralbank scheint dabei Spekulanten in Hong Kong massiv unter Druck zu setzen. Der Interbankenmarkt legt jedenfalls drastische Spannungen offen:

Aber die jüngsten Anspannungen in China ändern nur wenig an den internationalen Ambitionen vieler chinesischer Unternehmen. Für 3,5 Milliarden Dollar (3,2 Mrd. Euro) kauft der Mischkonzern Dalian Wanda die Mehrheit am „Batman“- und „Godzilla“-Produzenten Legendary Entertainment. Der Milliardär und Wanda-Chef Wang Jianlin kündigte am Dienstag in Peking zugleich an, das im Jahr 2000 gegründete Filmstudio mit der eigenen Sparte zusammenlegen und dann an die Börse zu bringen.

Inspirationen – Food for Thought

In diesem Jahr könnte die Technologie hinter der Krypto-Währung Bitcoin, die Blockchain, viele (R)Evolutionen für den Finanzmarkt bereit halten (Blicklog). Warum es bei Bitcoin um mehr als „nur“ eine digitale Währung geht (NZZ.at).

Ein wirklich teurer Fehler: Dass die Türkei einen russischen Kampfjet abgeschossen hat, war der Auslöser für weitreichende Wirtschaftssanktionen. Diese dürften das Land vier Milliarden Euro kosten (Der Standard).

Die Inflation ist mit Star Wars.

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