M. Brindicci / Reuters

Argentinien

Der Peso zurück in der Realität

von Tjerk Brühwiller / 18.12.2015

Argentinien hat den Weg in Richtung einer Normalisierung seiner Wirtschaft angetreten. Der Peso hat sich am ersten Tag ohne Devisenkontrollen weniger entwertet als erwartet.

Es ist ein Schritt zurück in die Zukunft, den die neue argentinische Regierung von Präsident Macri eingeleitet hat. Mit dem Abbau der Devisenkontrollen will sie den Zustand von 2011 wiederherstellen, bevor die Vorgängerregierung von Präsidentin Kircher mit einem strikten Regime für den Devisenhandel den Zugang zum Dollar drastisch erschwerte. Kirchner wollte den Abfluss von Dollars aufhalten, um die Reserven zu schonen. Doch die Strategie ging nicht auf. Stattdessen wurde die Wirtschaft des Landes abgewürgt, gingen die Investitionen zurück und entstand ein undurchsichtiges System von diversen Wechselkursen.

Aufstockung der Reserven

Macri und seine Wirtschaftsequipe um den Finanzminister Alfonso Prat-Gay wollen zum Markt und damit zum freien Devisenhandel und einem einheitlichen Wechselkurs zurück. Dafür nimmt die Regierung eine Abwertung des Peso in Kauf, der in den vergangenen Jahren künstlich überbewertet war. Der Markt hat am Donnerstag auf die Freigabe des Dollars reagiert. Der Kurs lag bei Handelsschluss bei 14 Pesos, womit die Abwertung ungefähr die Erwartungen traf. Der Handel bewegte sich mit 40 Millionen Dollar jedoch auf einem sehr geringen Niveau. Viele Banken begannen erst am Nachmittag mit dem Handel. Erstmals seit mehreren Tagen fand keine Intervention der Notenbank statt.

Laut Prat-Gay hat die Notenbank die nötigen Mittel, um zu intervenieren und eine übermäßige Abwertung abzufedern. In den kommenden Wochen sollen rund 20 Milliarden Dollar in die Notenbank fließen, um die im vergangenen Jahr auf knapp 25 Milliarden Dollar geschrumpften Reserven zu stärken, sagte Prat-Gay. Die Devisen stammen einerseits aus Landwirtschaftsexporten. Die Agrarproduzenten haben sich dazu verpflichtet, in den kommenden Wochen gehortete Vorräte im Wert von rund sechs Milliarden Dollar auf den Markt zu bringen. Mit dem Abbau von Exportsteuern hat die Regierung am Dienstag die nötigen Anreize dazu geschaffen. Laut Prat-Gay konnte auch eine Übereinkunft mit der chinesischen Notenbank erzielt werden, um einen Teil der in Yuan gehaltenen Reserven in Dollar umzuwandeln. Es handelt sich um 3,1 Milliarden Dollar. Zudem hat Argentinien Zusagen von internationalen Banken für Kredite in der Höhe von 8 Milliarden Dollar.

Furcht vor Preisschock

Die meisten Ökonomen haben den Entscheid der Regierung begrüßt, jedoch darauf hingewiesen, dass viele offene Fragen – zum Beispiel bezüglich der Haushaltsplanung – rasch beantwortet werden müssten. Kritiker befürchten, dass die Abwertung des Peso zu einem Preisschock zulasten der Bevölkerung führen könnte. Die Inflation liegt bereits bei über 20 Prozent und dürfte laut Ökonomen wegen der Abwertung des Peso alleine im Dezember noch um 5 Prozent ansteigen. Eine der großen Herausforderungen der neuen Regierung wird es nun sein, die Preise im Zaum zu halten. Zudem dürften sich Verhandlungen mit Arbeitgebern und Gewerkschaften über die Lohnforderungen vor dem derzeitigen Hintergrund als schwierig erweisen.