APA/HARALD SCHNEIDER

Walkthrough

Der schwerste Satz

von Lukas Sustala / 17.08.2016

Das Wirtschaftsblatt wird am 2.9. das letzte Mal erscheinen, ein Alarmsignal für eine ganze Branche. Was hinter der Jubelmeldung der Krankenkassen-Gewinne steckt. Welche absurden Blüten die Negativzinsen bereits treiben. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Diese schlechten Nachrichten sind schlechte Nachrichten. „Für mich ist das der schwerste Satz, den ich Ihnen als Chefredakteurin schreiben muss: Das WirtschaftsBlatt wird eingestellt.“ Eva Komarek hat in einem Editorial der heutigen Ausgabe besiegelt, was der Styria-Verlag tags zuvor verkündet hat: Das Wirtschaftsblatt erscheint am 2. September das allerletzte Mal. Die Wirtschaftszeitung für Österreich hat schon viele Sparpakete hinter sich, die zu einem kleineren Team geführt haben, aber für den Eigentümer Styria, die neben dem Wirtschaftsblatt auch die Presse und die Kleine Zeitung betreiben, nicht die grundlegende Aussicht auf wirtschaftlichen Erfolg des Blattes gebracht hat (OTS). Mit dem Wirtschaftsblatt hat sich nun eine Tageszeitung dem Strukturwandel beugen müssen, der schon seit Jahren dafür sorgt, dass Print als primäre und oft auch sekundäre Nachrichtenquelle abgelöst wurde (Horizont). Das zeigt etwa die jüngste Ausgabe des Digital News Reports, der die Verschiebung der Leserschaft besonders eindrücklich dokumentiert. Der zentrale Satz aus der Styria-Aussendung – „Ein Ausblick auf die Marktlage zeigt aber klar, dass die Kosten des Betriebs auch künftig nicht vom Markt refinanzierbar sind.“ – ist für die ganze Branche ein Alarmsignal.

Bedeutung von Nachrichtenmedien in Österreich
Bedeutung von Nachrichtenmedien in Österreich

Credits: Reuters Digital News Report 2016

Kranke Kassen, gesunde Kassen? Dieser Tage wurde die Jubelmeldung von einem großen Überschuss bei den Krankenkassen über die Medien verbreitet. Allein, es handelt sich dabei bloß um den „schönen Schein“, der da gewahrt wird, wie Leopold Stefan schreibt (NZZ.at). „Diese Jubelmeldung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Gesundheitssystem zu viel Geld verschlingt. Statt Kostenwahrheit zu schaffen, verlässt sich die Politik darauf, den Anschein eines Versicherungssystems aufrechtzuerhalten. Die Realität sieht schon längst anders aus.“ (NZZ.at)

Integration – Chance und Herausforderung. Der Integrationsbericht ist das zentrale innenpolitische Thema dieser Woche, dominiert doch kein Thema wie die Flüchtlingskrise die politische Welt. Mittelfristig aber ist die Zuwanderung aber auch für die Wirtschaft ganz entscheidend. Der Arbeitsmarkt, die langfristige Innovationskraft, und freilich die Sozialsysteme hängen auch an der Frage, wie gut es gelingt, Menschen in die immer arbeitsteiligere Wirtschaftswelt zu integrieren. In sechs Grafiken aus dem Integrationsbericht zeigt sich, dass die Herausforderung groß ist (NZZ.at).

Die Negativzinsen schleichen sich in die „echte“ Welt. Je länger die Zinsen so niedrig bleiben, desto mehr bekommen sie auch Menschen zu spüren, die nicht von Berufs wegen mit Geld zu tun haben. Dass die Mini- und Negativ-Zinsen noch länger bestehen bleiben, daran besteht kein Zweifel. Schließlich gelten die langfristigen Staatsanleihenzinsen als Marktschätzung dafür, wo die Zinsen in weiterer Zukunft stehen sollen. Geht es nach dieser Schätzung, ist jedenfalls kein schnelles Ende in Sicht– und daran sollten sich Sparer und Unternehmen gewöhnen (NZZ.at).

Dass wegen der Negativzinsen nun Banken anfangen, viel Energie zu investieren, um zu prüfen, wie sie am besten Bargeld horten können, zeigt zu welchen Verschwendungen Negativzinsen führen (FT).

Inspirationen – Food for thought

Die Talfahrt des Pfunds erhöht das Inflationsrisiko (NZZ.at).

Olympia: Ein Wettkampf, bei dem man Milliarden verlieren kann (NYTimes).

Bald auch in Österreich? Nie wieder billig tanken (Die Presse).