Der starke Dollar bedroht seine Schuldner

von Lukas Sustala / 09.12.2014

Der US-Dollar steigt und steigt, weil sich die US-Notenbank allmählich dem Ausgang aus der lockeren Geldpolitik nähert. Das belastet Unternehmen und Staaten, die sich in guten Zeiten Dollars geborgt haben.

Das sich abzeichnende Ende der Nullzinspolitik in den USA führt an den Währungsmärkten weiter zu Verwerfungen. Laut Daten der US-Großbank JPMorgan Chase sind die Währungen von Schwellenländern auf den niedrigsten Stand gegen den US-Dollar seit 14 Jahren gefallen, wenn man die Währungen der Schwellenmärkte an einem bekannten Index misst (BloombergFT.com, €). Die US-Notenbank Fed steht kurz davor, ihre Wende der Zinspolitik einzuläuten.

Das dürfte die jüngste Warnung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) vor finanziellen Verwerfungen noch einmal bekräftigen. Bei der Basler BIZ, die als Zentralbank der Zentralbanken gilt, arbeiten die Ökonomen des geldpolitischen Katastrophenschutzes. Sie warnen regelmäßig vor Übertreibungen an den Finanzmärkten, die zu platzenden Blasen führen könnten, vor Überschuldungen und drohenden Verwerfungen, und sie mahnen von Notenbankern und Aufsehern in Washington, Frankfurt oder Tokio Augenmaß bei ihren Interventionen ein.

Claudio Borio, Leiter der geld- und wirtschaftspolitischen Abteilung der BIZ, ist der  Chefvolkswirt der BIZ. Als solcher ist er wohl einer der ersten, die sich um drohende Finanzkatastrophen sorgen. Und die aktuelle Dollar-Stärke ist weit oben auf seiner Liste der möglichen Krisenauslöser, sagte Borio bei der Präsentation des aktuellen Quartalsberichts der BIZ:

Should the US dollar – the dominant international currency – continue its ascent, this could expose currency and funding mismatches, by raising debt burdens.

Sollte der Dollar weiter aufwerten, würde das finanzielle Ungleichgewichte verschärfen, befürchtet Borio.

Aber warum ist das so? Unternehmen und Staaten, insbesondere aus Schwellenländern, verschulden sich immer wieder im Dollar. Der Grund: Die Leitwährung bietet einen sehr liquiden Markt. Von US-Pensionskassen bis zu arabischen Staatsfonds investieren professionelle Anleger Billionen Dollars. Unternehmen aus einem relativ kleinen Schwellenland können so einen enormen Liquiditätspool anzapfen.

Doch wenn der Dollar im Wert steigt, dann steigt für viele Schuldner auch der reale Wert ihrer Schulden. Die Erstarkung des Dollars wirkt so, als würde die Bank anklopfen und mehr Sicherheiten für den Kredit verlangen oder die Zurückzahlung einer höheren Kreditsumme. Nur Unternehmen, die auch in Dollar für ihre Produkte bezahlt werden, können sich gegen die Dollar-Schwäche immunisieren. Für alle anderen waren die jüngsten Abwertungen seit 1. September wie eine implizite schmerzhafte Zinserhöhung – am heftigsten fällt sie aktuell für die russische Wirtschaft aus, denn der Rubel hat in nur drei Monaten fast ein Viertel seines Wertes gegen den Dollar eingebüßt.

Schwellenländer-Währungen werten gegen US-Dollar ab
Schwellenländer-Währungen werten gegen US-Dollar ab