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Walkthrough

Der ultimative Ausdruck von Zukunftsangst: Negative Zinsen

von Lukas Sustala / 08.02.2016

Die Debatte um die Bargeldabschaffung ist vor allem ein Symptom für die Verzweiflung der Geldpolitik. Wer ist schuld an der Pensionsmisere in Österreich? Viele, aber sicher nicht Madonna. Chinas Währungsreserven schmelzen ab. Und Kupfer ist das bessere Gold. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Mit Papiergeld sollte man nicht zündeln. Lassen Sie sich nicht für dumm verkaufen. Bei der aktuellen Debatte um die Einschränkungen der Bargeldnutzung und der Abschaffung des 500-Euro-Scheins geht es nicht nur um die Bekämpfung des Terrorismus (NZZ.at). Es geht, wie der deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn richtig bemerkt, um etwas anderes (FAZ): „Es geht in Wahrheit um etwas ganz anderes als die Kriminalität von Kleinganoven. Es geht um den Wunsch der EZB, die Einlagenzinsen noch weiter in den negativen Bereich zu schieben.“ Negative Zinsen. Das war vor wenigen Jahren noch eine Art von Schreckgespenst, unrealistisch und unwirklich. Doch mittlerweile sind Zinsen unter Null „normal“.

Wobei weitreichende Bargeldverbote wohl genau das Gegenteil von Vertrauen erzeugen, wie Kollege Thomas Fuster richtig warnt (NZZ.at): „Die sukzessive Beschneidung der freien Verfügungsgewalt über Bargeld ist wenig geeignet, das im Zuge der Finanzkrise arg strapazierte Vertrauen in die Solidität der Geldwirtschaft zu stärken. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall: Wer zu zweifeln beginnt, ob er auch in Zukunft noch frei über sämtliche Ersparnisse verfügen kann, dürfte eher heute als morgen sein Geld in Sicherheit bringen.“ Negative Zinsen jedenfalls sind alles andere als ein Vertrauensbeweis in eine aussichtsreiche Zukunft. Denn Zinsen sollen ja so etwas wie das Potenzial von Zukunftschancen anzeigen, von aussichtsreichen Investitionen und Wachstumschancen. Und Zinsen unter Null suggerieren eben nichts davon.

Wer ist schuld an der Pensionsmisere? Die Geschichte ist an den blondierten Haaren herbeigezogen. Auf dem Cover des Magazins News hieß es am Wochenende, die Queen of Pop – Madonna – sei an der Pensionsmisere schuld.

Doch die Ausrede, dass die steigenden Ausgaben für die Pensionen auch nur irgendetwas mit Madonna oder – stellvertretend durch die 57-Jährige – der Generation der Baby Boomer zu tun hat, greift zu kurz. An den explodierenden Ausgaben war dann doch die Vorliebe der heimischen Wirtschaftspolitik für die Vogel-Strauß-Taktik schuld. Werfen Sie etwa einen Blick auf den steigenden „Altersquotient“, das Verhältnis der über 65-Jährigen zu den 15- bis 64-Jährigen in Österreich. Also bloß nicht täuschen lassen vom News-Cover und der vermeintlichen Schuld Madonnas, sondern lesen Sie nach (NZZ.at).

Banken schwanken. Europas Bankaktien stehen aktuell wieder deutlich unter Druck. Das mag einerseits vor allem an den Problemen der „schwächsten Glieder“ liegen (NZZ.at). Denn die Abwicklung von schlechten Banken hat in den vergangenen Monaten für viele Tumulte an den Märkten und in der Wirtschaftspolitik gesorgt. Aktuell sind es neue Sorgen um Griechenland, die dort Bankaktien abstürzen lassen (Bloomberg). Auch die schlechte Ertragslage vieler Großbanken, etwa der Deutschen Bank, macht Investoren zu schaffen (Bloomberg). Alles in allem ist das der Stoff, aus dem die Albträume von Bankaktionären sind. Minus 23 Prozent bei europäischen Bankaktien seit Jahresbeginn stehen immerhin „nur“ knapp minus 21 Prozent bei der Raiffeisen Bank International und 17 Prozent bei der Erste Group gegenüber. Damit rutschen Bankaktien wieder etwas tiefer ins Tal der Tränen.

Chinas Währungsreserven schrumpfen. In China beschleunigt sich ein Trend, der Investoren viele schlaflose Nächte bereitet hat. Die Währungsreserven des Landes schrumpfen in einem geradezu atemberaubenden Tempo. Um 100 Milliarden Dollar schmolzen sie im Jänner ab, im Dezember waren es ebenso 108 Milliarden Dollar. Seit dem Juli 2014 ist der Bestand an Devisenreserven um 762 Milliarden Dollar gefallen. Das Wall Street Journal gibt sich alarmistisch: „China’s foreign-exchange reserves fell to the lowest level in more than three years in January, raising questions about how long Beijing can keep burning through the rainy-day funds to defend the yuan without triggering a huge flight of capital.“ (WSJ, €)

Die Arbeitslosigkeit geht um. Ich hoffe, Sie können heute bei unserem Clubabend zum Arbeitsmarkt dabei sein. Zusammen mit Ökonomen und dem AMS-Vorstand Johannes Kopf gehen wir der Frage nach, wie Österreich die Arbeitslosigkeit wieder in den Griff bekommen kann. Dass diese zuletzt um sich gegriffen hat und immer mehr Bevölkerungsschichten betrifft, hat bei der Politik noch nicht zu einem radikalen Umdenken geführt (NZZ.at). Eine Stärkung des Wirtschaftsstandorts, etwa über deutlich niedrigere Lohnnebenkosten, wäre das Gebot der Stunde.

Inspirationen – Food for Thought

Kärnten: Wenn ein Land pleitegeht (Die Presse).

Die Notenbankchefs von Deutschland und Frankreich fordern weitreichende Reformen in der Eurozone, auch ein gemeinsames europäisches Finanzministerium (Süddeutsche Zeitung).

Kupfer ist das bessere Gold – langfristig (NZZ.at).

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