EPA/JIM LO SCALZO

US-Geldpolitik

Der US-Arbeitsmarkt macht die Sache leichter

von Martin Lanz / 07.11.2015

Der amerikanische Arbeitsmarkt hat im Oktober positiv überrascht. Zweifel an der Robustheit der US-Wirtschaft dürften nun verfliegen. NZZ-Korrespondent Martin Lanz hat sich nicht nur die Kerndaten wie Arbeitslosigkeit und neu geschaffene Stellen genau angesehen.

Bekanntlich macht die US-Notenbank Federal Reserve die erste Leitzinserhöhung seit bald 10 Jahren von einer weiteren Verbesserung der Arbeitsmarktlage abhängig. Der am Freitag veröffentlichte Arbeitsmarktbericht für den Monat Oktober hat etwas Klarheit geschaffen: Fallen Anfang Dezember auch die Novemberdaten einigermaßen gut aus, könnte die Zinswende in den USA noch dieses Jahr Tatsache werden.

Unterbeschäftigte Amerikaner

Der Oktoberbericht hat die Erwartungen weit übertroffen. Kaum jemand war nach dem durchzogenen dritten Quartal von einem Stellenzuwachs von über 200.000 ausgegangen. Tatsächlich ist die Zahl von 271.000 neu geschaffenen Stellen der höchste Wert dieses Jahres; er bringt den monatlichen Durchschnitt der vergangenen 12 Monate auf 230.000. Die September- und Augustzahlen wurden geringfügig, um insgesamt 12.000 Stellen, nach oben revidiert.

Im Oktober ist die Arbeitslosenrate zudem erstmals seit April 2008 wieder auf fünf Prozent gefallen. Es sind aber nicht nur diese Kerndaten, die gut ausgefallen sind. Der Bericht des US-Arbeitsministeriums zeichnet ein rundum erfreuliches Bild. So ist etwa auch die Erwerbsquote mit 62,4 Prozent stabil geblieben; die Arbeitslosenquote ist also nicht wie in der Vergangenheit deshalb zurückgegangen, weil mehr Amerikaner dem Arbeitsmarkt den Rücken gekehrt hatten. Die erweiterte Arbeitslosenrate, welche die Unterbeschäftigung im Land besser wiedergibt, bewegte sich ebenfalls in die richtige Richtung. Die sogenannte U6-Quote ist im Oktober auf 9,8 Prozent gesunken, der beste Wert seit Frühling 2008. Dieser Rückgang spiegelt eine abnehmende Zahl von Personen, welche unfreiwillig Teilzeit arbeiten, um 269.000 auf noch 5,8 Millionen, sowie eine Verringerung der Zahl jener, die sich am Rande des Arbeitsmarkts bewegen, um 276.000 auf 1,9 Millionen. Die Unterbeschäftigung bleibt aber im historischen Vergleich relativ hoch.

Der Stellenzuwachs um 271.000 im Oktober lässt sich vor allem auf rege Neueinstellungen im Dienstleistungssektor zurückführen. Die professionellen und betrieblichen Dienstleistungen (vor allem Administration und Support, aber auch IT-, Planungs- und Ingenieurleistungen) trugen insgesamt 78.000 Stellen bei, verglichen mit einem durchschnittlichen Zuwachs von monatlich 52.000 in diesem Bereich in den vergangenen zwölf Monaten. Der Gesundheitssektor verzeichnete eine Beschäftigungszunahme von 45.000 Personen, der Detailhandel ein Plus von 44.000.

Erdölsektor unter Druck

Nach einer wenig dynamischen Entwicklung in den vergangenen Monaten sind im Oktober auch im Bau 31.000 Stellen geschaffen worden. Weiterhin untendurch müssen dagegen die Bergbau- und die Ölindustrie. Im Oktober gingen 5.000 Arbeitsplätze verloren, das bringt den Stellenverlust innerhalb des Sektors seit Jahresbeginn auf 109.000. Kaum Veränderungen gab es dagegen im öffentlichen Sektor, im verarbeitenden Gewerbe und bei den Finanzdienstleistungen. Dass die US-Wirtschaft nun wohl Vollbeschäftigung erreicht hat, zeigt sich möglicherweise erstmals auch am Lohnwachstum. Im Jahresvergleich ist der durchschnittliche Stundenlohn im Oktober um 2,5 Prozent gestiegen, nachdem dieser Wert zuvor lange Zeit stabil bei rund zwei Prozent gewesen war.

Wie jeden Monat gilt: Ein einzelner Arbeitsmarktbericht sollte nicht überbewertet werden. Nachdem Fed-Chefin Yellen aber dem Kongress schon am Mittwoch erneut versichert hatte, die US-Wirtschaft laufe gut, müsste in den kommenden Wochen schon einiges passieren, damit die US-Notenbank mit einer Zinserhöhung weiter zuwarten würde. Am Freitag waren gar Forderungen zu hören, die Notenbank solle nun nicht ihre Dezembersitzung abwarten, sondern müsse sofort aktiv werden.