Der Währungsfonds will Fonds stressen

von Claudia Gabriel / 09.04.2015

Stellen Investmentfonds eine Systemgefahr dar? Die Suche der Ökonomen des IWF nach Systemrisiken bleibt unergiebig, schreibt NZZ-Redakteurin Claudia Gabriel.

Seit der Finanzkrise von 2007/08 schrumpfen in vielen entwickelten Ländern die Banken. Sie agieren besonders in Europa tendenziell verstärkt innerhalb von Landesgrenzen statt international und haben Investmentbanking-Aktivitäten zurückgefahren. Der Internationale Währungsfonds bezeichnet sie in seinem jüngsten Finanzstabilitäts-Bericht darum als sicherer. Im Gegenzug dazu sind allerdings die professionellen Vermögensverwaltungsgesellschaften (Asset Manager) stark gewachsen.

Über Fonds und Mandate kanalisieren sie Anlagegelder vorwiegend in Aktien, Obligationen und Geldmarktpapiere. So stellen sie für die Wirtschaft Finanzierung über die Finanzmärkte statt über Bankkredite sicher. Einige Fonds betätigen sich im gegenwärtigen Tiefzinsumfeld auch als Kreditgeber oder investieren zunehmend in illiquide Anleihen, um die Rendite zu verbessern.

Nur groß ist nicht gefährlich

Das starke Wachstum der Fondsbranche war Grund genug für den IWF, um die Frage zu stellen, ob Fonds und börsengehandelte Fonds (ETFs) zu einem Systemrisiko werden. Der IWF-Bericht reiht sich in die aktuellen Bemühungen des Financial Stability Board FSB und der Wertpapierstandardisierungsbehörde IOSCO ein, welche erst jüngst einen neuen Vorstoß gemacht haben, wie die Systemrelevanz von Asset Managern oder einzelnen Fonds bestimmt werden könnte. Wie das FSB tut sich allerdings auch der IWF schwer, solche Risiken ausfindig zu machen. Zumal er die potenziell heikleren Hedgefonds und die US-Geldmarktfonds ausklammert, die bereits schärfer reguliert werden.

Vermögensverwalter wachsen
Vermögensverwalter wachsen

Der IWF sieht vor allem zwei Quellen als Systemrisiken: einerseits Liquiditätsprobleme jener Fonds, die den Investoren jederzeitige Ausstiegsmöglichkeit garantieren, aber selbst in illiquide Anlagen investieren. Diese Fonds können nicht nur in Liquiditätsnöte geraten: Es kann auch zum Stau am Ausgang kommen, wenn die Fonds wegen eines Massenrückzugs der Anleger wahllos die am leichtesten verkäuflichen Investments versilbern müssen und sich deswegen weitere Anleger abzusetzen versuchen, weil sie nicht auf einem Portfolio illiquider Anlagen sitzen bleiben wollen. Das ist allerdings ein altes Problem, welches zum Beispiel die europäische Fondsregulierung UCITS bereits angegangen hat. Die sehr großen Exchange Traded Funds ETF sind anders konstruiert und kennen darum keine Liquiditätsprobleme.

Verdacht auf Herdenverhalten

Anderseits geht es um Herdeneffekte an den Märkten, die starke Kursrückschläge verursachen und dadurch andere Marktteilnehmer in Mitleidenschaft ziehen können. Zum Beispiel, wenn der Kurs von Obligationen abstürzt, welche bei anderen Finanzgeschäften als Sicherheiten hinterlegt sind. Der IWF versuchte zu beweisen, dass eine Bündelung von Anlagegeldern in den Händen weniger Fondsmanager Herdeneffekte verschärft. Das gelingt ihm allerdings nicht. Denn die reine Erkenntnis, dass besonders Kleinanleger immer in diejenigen Bereiche investieren, die sich in der Vergangenheit gut rentiert und viel Investorengeld angezogen haben, ist zum Beispiel alles andere als neu und gilt längst nicht nur bei Fonds. Dass Fondsmanager, die unter Renditedruck stehen, unverantwortlich zu investieren beginnen könnten, das verhindern die bisherigen Diversifikationsvorschriften bereits ein gutes Stück weit.

Wenn sich die Investments der verschiedenen Fondsmanager in den vergangenen fünf Jahren tendenziell auf immer ähnlichere Anlagen konzentriert haben, so sagt dies auch noch nichts über den Grund aus. In Hausse-Phasen an den Börsen neigen zum Beispiel alle Anleger dazu, die gängigsten Papiere zu erwerben, statt nach Anlagenischen zu suchen.

Warnfinger um jeden Preis

Dass der Berg eine Maus geboren hat, gibt der IWF allerdings nicht zu. Die bisherige Fondsregulierung sei auf Anlegerschutz statt auf Systemstabilität ausgerichtet, und die nationalen Regulatoren müssten ihre Tätigkeit ausbauen und zum Beispiel Stresstests durchführen, lautet die Forderung im Stabilitätsbericht. Es bleibt außer Acht, dass viele der bisherigen Anlegerschutzmaßnahmen auch den Märkten dienen, indem sie zum Beispiel in Publikumsfonds eine breite Diversifikation der Anlagen sowie eine genügende Liquidität der Investments verlangen.

Sinnvoller ist die Forderung des IWF, das bestehende Liquiditätserfordernis genauer zu definieren und jeweils am konkreten Portfolio zu überprüfen. Auch Verbesserungen bei der Wertbestimmung illiquider Anlagen sind in Ordnung. Eine regelmäßige Prüfung des Risikomanagements der Fonds ist sicher nicht verkehrt, denn in manchen Ländern werden die Fonds vor allem im Zeitpunkt der Marktzulassung vom Regulator geprüft und danach (zu) frei gelassen, was auch aus Sicht des Anlegerschutzes suboptimal ist. Weniger zielführend dürften hingegen die vorgeschlagenen monetären Ausstiegshürden aus Fonds mit illiquiden Anlagen sein.