Das Grenzabfertigungssystem per Bändchen, das die Freiwilligen eingeführt haben, soll es auch weiterhin geben

Der Wirtschaftsflüchtling, eine unerfreuliche Figur?

Gastkommentar / von Franz Schellhorn / 19.10.2015

Man muss nicht in die Caritas verknallt sein, um zu wissen, dass jemand, der alles hinter sich lässt, eher nicht das Bedürfnis hat, vom Geld anderer zu leben. Viel eher der, der nie etwas zurücklässt, weil er alles hat.

An sich ist der Österreicher ja ein großzügiger Mensch. Gut, er kann auch anders. Wenn er am Fußballplatz steht, im Auto sitzt oder im Gasthaus über Ausländer redet. Da wird schon mal geschimpft, was das Zeug hält. Auf den Koffer im Fahrzeug nebenan, den blinden Schiedsrichter und alles, was da so daherkommt. Der Österreicher ist eben ein emotionaler Mensch. Er spendet ja auch gern, vor allem im Advent. Und wenn er nicht am Westbahnhof Wasserflaschen verteilt, lassen Bilder von verängstigten Kindern, die vor einer griechischen Insel aus dem Schlauchboot steigen, auch Hardliner nicht kalt. Man ist ja nicht aus Eisen. 

Ein Egoist, der seine Leute im Stich lässt

Nur eines verzeiht der Österreicher nicht: Dass jemand aus überwiegend ökonomischen Gründen die Heimat verlässt. Der „Wirtschaftsflüchtling“ ist für viele Bewohner dieses hübschen Landes so ziemlich die unerfreulichste Figur, die der Menschheit entsprungen ist. Ein Typ der übelsten Sorte, ein Egoist, der seine Leute im Stich lässt, statt Haus und Hof zu verteidigen und nach geschlagener Schlacht den Wiederaufbau voranzutreiben.

Das ist eine eher überraschende Sichtweise für ein Volk, das bei erster Gelegenheit den Hammer fallen lässt, um sich hemmungslos den Verlockungen des Wohlfahrtsstaates hinzugeben. Ohne etwas daran zu finden, weil sich so gut wie jeder Österreicher für einen Nettozahler hält, auch wenn unter dem Strich mehr aus dem allgemeinen Topf herausgezogen als in selbigen eingezahlt wird. Im Schnitt bezieht ein österreichischer Haushalt 37 Prozent seines verfügbaren Einkommens vom Staat, die Haushalte sind mehrheitlich Nettoempfänger. Und das Schlimmste, das diesem umverteilungsschwangeren Land passieren kann, sind Wirtschaftsflüchtlinge, die hier einen Job wollen?

Der größere Teil ist schlecht qualifiziert

Nein, wir können nicht alle aufnehmen, die in Not sind oder „nur“ ein besseres Leben suchen. Ja, Österreichs Regierung muss den Zuzug begrenzen. Und nein, das ist keine Zuwanderungswelle von Hochqualifizierten, wie gerne behauptet wird. Der syrische Arzt und der afghanische Facharbeiter sind nicht die Realität, sie sind die Ausnahme. Der überwiegende Teil der Ankommenden ist schlecht bis gar nicht qualifiziert und auf dem heimischen Arbeitsmarkt kaum unterzubringen.

Das wird aber nicht besser, wenn das offizielle Österreich die Neuankömmlinge zu Inaktiven macht. Durch unerledigte Asylverfahren, langes Warten auf den ersten Deutschkurs und bösartige Schikanen am Arbeitsmarkt. Statt die positive Energie der Geflüchteten zu nutzen, solange sie noch da ist. Das ist übrigens ein Kunststück, immerhin haben wir es mit Menschen zu tun, die alles hinter sich lassen und tausende Kilometer entfernt in einen Lastwagen steigen, ohne zu wissen, ob sie aus diesem jemals wieder lebend rauskommen. Während hier Geborene schon den Wechsel des Wohnorts innerhalb der Landesgrenzen zur Annahme eines neuen Jobs für eine Verletzung der Genfer Konvention halten.

Beispiel Dänemark

Es ginge auch anders, wie die Dänen zeigen. Fördern und Fordern heißt dort die Devise: Innerhalb weniger Wochen ist das Asylverfahren entschieden, die öffentliche Hand stellt Wohnraum bereit, gewährt Mietzuschüsse. Schon bald nach der Ankunft haben Asylwerber einen streng geregelten Tagesablauf. Sie pauken in Kursen Dänisch, schreiben Hausaufgaben und machen Praktika. Wer nicht zum Sprachkurs oder zur Arbeit erscheint, unerlaubt den Wohnort wechselt, verliert einen Teil der öffentlichen Unterstützung. Wer die Dänisch-Prüfung schafft, bekommt mehr Geld.

Das alles ist noch keine Garantie, dass die Integration auch tatsächlich gelingt, aber die Voraussetzung. Und ja, dieser Weg ist teuer, gewiss. Aber noch immer günstiger als Menschen jahrelang in fremder Umgebung sich selbst zu überlassen. Zudem ist der Österreicher ja ein großzügiger Mensch. An sich.