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Vermögensstudie

Deutlich mehr Milliardäre weltweit

von Michael Ferber / 16.12.2015

In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist die Anzahl der Milliardäre weltweit deutlich gewachsen, wie eine Studie zeigt. Gleichzeitig verdeutlicht sie, dass große Vermögen die Generationen oft nicht überdauern.

Im Zeitraum von 1995 bis 2014 hat die Anzahl an Milliardären weltweit deutlich zugenommen, ebenso wie deren Vermögen. Dies zeigt eine Studie der Großbank UBS und des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens PwC. Gleichzeitig verdeutlicht sie, dass große Vermögen die Generationen oft nicht überdauern.

Über 1.300 Milliardäre

Während es 2014 global bereits 1.347 Milliardäre gab, waren es 1995 noch 289. Das weltweite Bruttoinlandprodukt (BIP) wuchs in diesem Zeitraum von 30 Billionen Dollar auf 77 Billionen. Derweil legte das Vermögen der Milliardäre von 0,7 Billionen Dollar auf 5,4 Billionen zu. Bei dieser starken Steigerung dürfte die extrem expansive Geldpolitik der Zentralbanken und die daraus folgende Inflation der Vermögenspreise, beispielsweise bei Aktien und Immobilien, eine wichtige Rolle gespielt haben.

Zwei Drittel der 2014 gezählten Milliardäre sind „selfmade“, während dies 1995 nur für 43 Prozent von ihnen zutraf. Zwei von drei dieser weitgehend aus eigenen Anstrengungen zu Vermögen gelangten Milliardäre leben in den USA.

Milliardaere

Von den Milliardären aus dem Jahr 1995 waren im vergangenen Jahr lediglich noch 44 Prozent beziehungsweise 126 in der Gruppe zu finden. Mittlerweile seien 66 von ihnen verstorben, bei 24 sei das Vermögen auf eine Vielzahl von Familienmitgliedern verteilt worden, und 73 davon seien aufgrund von Geschäftsproblemen oder aus anderen Gründen aus der Statistik verschwunden, heißt es in der Studie.

Die verbleibenden Milliardäre steigerten ihre Vermögen dafür besonders stark, und zwar von durchschnittlich 2,9 Milliarden Dollar auf 11 Milliarden. Damit hätten sie besser abgeschnitten als die Aktienmärkte und das globale Bruttoinlandprodukt, heißt es in der Studie.

Frauen im Vorwärtsgang

Die Zahl der weiblichen Milliardäre legte im Zeitraum 1995 bis 2014 deutlich zu. Sie wuchs um über 600 Prozent auf 145 im Jahr 2014. Dennoch waren männliche Milliardäre 2014 mit 1.202 weit zahlreicher, das Wachstum ihrer Zahl fiel in den vergangenen zwanzig Jahren mit einem Faktor von 5,2 aber im Vergleich geringer aus.

In Europa und den USA hätten die meisten Milliardärinnen ihr Vermögen geerbt – dies sei bei 93 Prozent in Europa und 81 Prozent in den USA der Fall, heißt es in der Studie. In Asien habe es im vergangenen Jahr 25 Milliardärinnen gegeben, von denen rund die Hälfte Unternehmerinnen der ersten Generation seien. Milliardärinnen stünden oft an der Spitze von Familienunternehmen. In den USA schafften 57 Prozent aktiv Vermögen, in Europa 63 Prozent und in Asien 96 Prozent.


Credits: UBS

Vermögen in Gefahr

Für die hohe Fluktuationsrate bei den Milliardären gibt es mehrere Gründe. Die Studie sieht drei „Momente der Wahrheit“ für die Vermögen der Milliardäre. Dazu gehörten Wirtschaftskrisen, regulatorische und steuerliche Herausforderungen sowie die Übergabe des Vermögens an die nächste Generation. Letzterer Punkt rückt deshalb in den Blick, da zwei Drittel der Milliardäre älter als 60 Jahre sind und vor der Frage der Vermögensübertragung stehen.

Die Milliardäre selbst sähen die negative Haltung von Politikern gegenüber Vermögenden, steigende Steuern und immer strengere globale Regulierungen als größere Gefahr für ihre Vermögen als mögliche Wirtschaftskrisen, heißt es in der Studie.

Wohlhabende Schweizer

Was die geografische Aufteilung der Milliardäre angeht, befänden sich die meisten in den USA, gefolgt von Europa und Asien, hieß es am Dienstag in einer Telefonkonferenz. Zu den Milliardären in der Schweiz machte die Studie keine Angaben. Gemäß der Ende November publizierten jährlichen Auswertung des Magazins „Bilanz“ besitzen die 300 Wohlhabendsten der Schweiz zusammen 595 Milliarden Franken.


Credits: Ikea-Gründer Ingvar Kamprad (Bild: Jean-Bernard Sieber/Reuters)

Die Reichsten in der Schweiz sind gemäß dieser Statistik die Familie von Ikea-Gründer Ingvar Kamprad mit einem geschätzten Vermögen von 44 Milliarden bis 45 Milliarden Franken, der Unternehmer Jorge Lemann (28 bis 29 Milliarden Franken), die Basler Familien Hoffmann und Oeri (25 bis 26 Milliarden Franken), die Familie Brenninkmeijer (16 bis 17 Milliarden Franken) sowie die Familie Bertarelli (12 bis 13 Milliarden Franken).

Auf den weiteren Plätzen folgen der Inhaber der Luxusmarke Chanel, Gérard Wertheimer (geschätzte 11 bis 12 Milliarden Franken) und Synthes-Gründer Hansjörg Wyss (ebenfalls 11 bis 12 Milliarden Franken). Wyss machte Schlagzeilen, weil er als erster Schweizer der Initiative „The Giving Pledge“ in den USA beigetreten ist. Wohlhabende verpflichten sich dabei mit einem Beitritt, mehr als die Hälfte ihres Vermögens für philanthropische Zwecke zu spenden.