Deutsche Banken: Geschäftsmodell verzweifelt gesucht

von Claudia Aebersold Szalay / 21.04.2015

Die Krise fordert die deutschen Banken. Während ihre Finanzierung gesichert scheint, tappen gerade die Großbanken noch im Dunkeln, wie sie denn Geld verdienen können, berichtet NZZ-Korrespondentin Claudia Aebersold Szalay aus Frankfurt.

Dass die Finanzkrise das Bankensystem in Deutschland und anderswo heftig durchgerüttelt hat, ist nichts Neues. Doch eine soeben erschienene Analyse der Deutschen Bundesbank lässt den Leser denn doch noch einmal staunen darüber, welch tiefe Spuren die Krise im deutschen Bankensektor hinterlassen hat und wie hilflos die Institute teilweise auf die veränderten Rahmenbedingungen reagieren.

Neue Finanzierungsquellen

Besonders die großen Geldhäuser – international tätige, private Großbanken und Landesbanken – hadern mit den neuen Gegebenheiten. Gleichzeitig waren es aber auch die Großbanken gewesen, die sich im Zuge der Finanzmarktderegulierung in den neunziger Jahren am stärksten transformiert hatten. Die Finanzinnovationen der vergangenen zwanzig Jahre, die Finanzmarktintegration, besonders in der Währungsunion, sowie die Deregulierung des Marktes haben die deutschen Großbanken grundlegend verändert. Diese erweiterten ihre Geschäftsfelder erheblich und wuchsen rapide. Die grundlegende Transformation zeigte sich bei den Großbanken sowohl auf der Finanzierungsseite als auch bei den Ertragsquellen, während sich die Geschäftsmodelle der kleinen, regionalen Institute im Urteil der Bundesbank in den letzten 50 Jahren nicht grundlegend verändert haben. Eine vermehrt marktbasierte Finanzierung trieb den Siegeszug des Investment Banking voran und ließ die Großbanken vermehrt im Ausland wachsen.

Die Finanzkrise hat diesen Trend abrupt beendet. Die Finanzierung über den Interbankenmarkt und den Kapitalmarkt geriet vorübergehend ins Stottern, spätestens der Ausfall von Lehman Brothers erschwerte und verteuerte die Finanzierung auch in Deutschland. Im krassen Widerspruch zum Einbruch der Kapitalmarktfinanzierung reduzierte sich die Bilanzsumme der deutschen Häuser mit Ausnahme der Landesbanken aber nicht merklich. Die Bundesbank führt dies auf den Umstand zurück, dass andere Finanzierungsquellen, besonders jene der Zentralbanken, angezapft wurden, womit ein drastischer Bilanzabbau vermieden wurde.

Aber auch Kundeneinlagen wurden im Zuge der Krise für Großbanken wieder attraktiv, weshalb die großen Institute seither vermehrt um Einlagen werben. Entgegen der allgemeinen Vermutung hat der Interbankenmarkt als Finanzierungsquelle für die Großbanken nicht an Bedeutung verloren. Laut der Bundesbank liegt das Volumen der Interbankenkredite heute nur geringfügig unter dem Vorkrisen-Niveau. Dennoch haben sich die Bedingungen am Markt geändert: Heute gewähren sich die Banken untereinander kaum noch unbesicherte Kredite, was auch der in Reaktion auf die Krise verschärften Regulierung geschuldet ist, und es hat eine deutliche Verkürzung der Laufzeiten stattgefunden. Die Kapitalmarktfinanzierung spielt heute eine geringere Rolle als vor der Krise, und Verbriefungen haben deutlich an Bedeutung verloren.

Wie das Geld verdienen?

Die Großbanken, die sich in den vergangenen 20 Jahren vor allem aufs Investment Banking konzentriert haben, wurden in der Krise auf der Ertragsseite besonders hart getroffen, da vor allem hohe Verluste im Handelsgeschäft ihre Ertragslage verschlechterten. Die seit der Krise verminderte Profitabilität hat die Banken stark abhängig gemacht von externen Eigenkapitalquellen – im besten Fall konnten sie auf die Bereitschaft ihrer Aktionäre zu Kapitalerhöhungen setzen, im schlechtesten musste der Staat mit Finanzspritzen einspringen. Aus eigener Kraft vermochten sie es zwischen 2007 und 2013 laut den Daten der Bundesbank aber nicht, Eigenmittel durch Gewinnthesaurierung aufzubauen. Die Notenbank erwartet deshalb, dass die Großbanken ihr Geschäftsmodell tiefgreifend anpassen werden, um ihre Abhängigkeit von externen Kapitalquellen zu verringern. Sie rechnet beispielsweise damit, dass das klassische Kreditgeschäft wieder an Bedeutung gewinnen wird, wobei die Großbanken hier vor allem die großen deutschen Unternehmen im Fokus haben dürften.

Da der Wettbewerb in diesem Gebiet aber intensiv ist und die Margen deshalb eng sind, sind die meisten Großbanken im Urteil der Bundesbank nach wie vor auf eine Belebung des Kapitalmarktes angewiesen, weil ihre Geschäftsmodelle stark darauf ausgerichtet sind. Bis die Marktaktivitäten aber wieder an Fahrt gewinnen, dürften die Großen unter den deutschen Banken noch vermehrt im klassischen Zinsdifferenzgeschäft der kleineren Konkurrenten wildern.