Deutsche Fernbusse: Mit voller Fahrt im Wettbewerb

von Sylviane Chassot / 03.08.2016

Die Kunden freut’s, die meisten Anbieter aber leiden unter dem Preiskampf im deutschen Fernbusverkehr. Flixbus wird grosse Gewinnerin im Kampf um Marktanteile.

„Ich möchte mich kurz vorstellen, ich bin der Peter. Falls Sie irgendwelche Problemchen haben, kommen Sie einfach mal zu mir.“ Charmant begrüssen manche Chauffeure ihre Fahrgäste in deutschen Fernbussen. Vor allem in preisbewussten Kundensegmenten können neue Gäste für Fernreisen gewonnen werden, denn Busreisen kosten meist einen Bruchteil eines Bahntickets für die gleiche Strecke, dauern im Durchschnitt aber deutlich länger.

Flixbus im Kaufrausch

Seit der Liberalisierung des deutschen Fernbus-Marktes per 2013 wachsen die Fahrgastzahlen rasant. Laut einer Hochrechnung werden es im laufenden Jahr 25 Millionen sein. Damit hat sich das Passagieraufkommen seit der Deregulierung verzehnfacht.

Seit 2013 schossen neue Anbieter aus dem Boden; inzwischen sind die meisten von ihnen wieder vom Markt verschwunden oder aufgekauft worden. Deinbus.de, Adac und City2City haben inzwischen den Betrieb eingestellt. Nach dem jüngsten Zusammenschluss von Flixbus mit Postbus bleiben nun Eurolines und Berlin Linien Bus als Konkurrenten von Flixbus übrig. Postbus ist nach Megabus und Mein Fernbus die dritte Übernahme durch Flixbus innerhalb von zwei Jahren. Der anhaltende Kaufrausch verleiht dem Busreiseunternehmen mit einem Marktanteil von rund 80% die Stellung einer Quasimonopolistin.

Weniger erfreut über den Erfolg von Flixbus ist die Deutsche Bahn (DB). Als Antwort auf die wachsende Konkurrenz auf den Strassen hat DB vor einem Jahr Berlin Linien Bus übernommen und angekündigt, ihr Angebot an Linienbussen zu vervierfachen. Die Hoffnung, das Kartellamt könnte den Zusammenschluss von Flixbus mit Postbus noch verhindern, musste DB hingegen bereits wenige Stunden nach Bekanntgabe der Fusion begraben.

(Noch) kein Fall für die Wettbewerbshüter

Das Kartellamt liess zur Übernahme von Postbus durch Flixbus verlauten, die Unternehmen hätten das Vorhaben mit der Wettbewerbsbehörde vorderhand besprochen. Da die Beteiligten die Umsatzschwelle von 500 Millionen Euro noch nicht überschritten hätten, sei der Zusammenschluss zu klein für eine Prüfung durch die Wettbewerbshüter. Genaue Umsatzzahlen geben die Unternehmen nicht bekannt.

Weit entfernt von der genannten Schwelle dürften sie aber nicht mehr sein; bereits 2013 betrug der Gesamtumsatz der Busunternehmen laut Schätzungen 300 bis 600 Millionen Euro. Kein Wunder, wird der Widerstand der Bahn lauter. Streitpunkt sind vor allem die Gebühren, die Züge für die Schienennutzung bezahlen, wohingegen Fernbusse von der Maut ausgenommen sind.