Devise(n): Manipulation

von Lukas Sustala / 17.11.2014

Im Devisenskandal wurden die ersten Milliardenstrafen verhängt. Doch die wirklich spannenden Fragen bleiben unbeantwortet.

International tätige Großbanken werden zu Milliardenstrafen verdonnert. In Chatrooms machen sich Devisenhändler über abgezockte Kunden lustig und belustigen sich infantil über ihre Manipulation(sversuche) der wichtigsten Wechselkurse der Welt. Wenn noch irgendjemand im siebten Jahr der Finanzkrise ein paar Klischees über verantwortungslose Banker vermisst hat, in dieser Woche wurden sie geliefert.

4,3 Milliarden Dollar Strafe gab es nun für sechs Banken. Aufsichtsbehörden haben als wichtigste Beweise Chatprotokolle von Devisenhändlern veröffentlicht, mit klingenden Namen wie “the 3 musketeers”, “the A-team” oder “1 team, 1 dream”. (Chatprotokolle gibt es etwa hier bei der US-Behörde CFTC oder hier der britischen Finanzaufsicht FCA).

Die Banken wurden nicht verurteilt, weil sie über Jahre den Wechselkurs von Euro und Dollar künstlich hoch oder niedrig gehalten haben. Europäische Touristen auf einer USA-Tour haben genauso wenig gelitten wie Unternehmen, die eine auf mehrere Jahre ausgerichtete Investition im Ausland getätigt haben.

Aus Schaden klug werden?

Alleine die britische Finanzaufsicht hat ihre Sprüche auf mehr als 200 Seiten ausgeführt. Doch selbst in diesem Dokument werden wesentliche Fragen nicht beantwortet: Wie viel haben die Banken mit krummen Geschäften verdient? Wer wurde geschädigt?

Citigroup hat mit 1,02 Milliarden Dollar bisher die Höchststrafe im FX-Skandal ausgefasst. Beim Vergleich mit der US-Großbank gibt es immerhin einige aufschlussreiche Absätze auf den Seiten 19 und 20 des Vergleichs mit der FCA. Demnach hat die Bank mit einer Position den größten Finanzmarkt überhaupt manipuliert, das Währungspaar US-Dollar/Euro. Der Gewinn? 99.000 Dollar bei einer Position von 542 Millionen. Das ist ein Ertrag von 0,018 Prozent. Dieser Gewinn wurde in einigen Chatrooms regelrecht gefeiert, dokumentiert die Aufsicht:

Citi’s trading was variously described by other traders in chat rooms as “impressive”, “lovely” and “cnt teach that”.

So „lovely“ der Gewinn auch war, er wird von der Strafe für Citi in den Schatten gestellt.  Citigroup hätte 41 Jahre lang jeden Tag so einen Trade schaffen müssen, um eine Milliarde Dollar zu verdienen.

Währungen: Ein globaler Markt

Was die Händler im konkreten Fall mit „lovely“ oder „impressive“ beschreiben, ist nur ein Tropfen im Ozean. Doch der Devisenmarkt ist groß, sehr groß. Täglich werden schätzungsweise, laut Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel, 5300 Milliarden Dollar umgesetzt. Es werden mittlerweile mehr sein, weil die Daten nur einmal jährlich erhoben werden. Doch ein Trend lässt sich ablesen: Es wird immer mehr gehandelt.

Explosionsartiges Wachstum im Devisenhandel
Explosionsartiges Wachstum im Devisenhandel

Und ein weiterer Blick auf den Devisenmarkt legt auch nahe, dass gerade die 2013 formierte britische Aufsicht FCA noch viel zu tun hat. In London müssen die meisten der weltweit 19 Ermittlungen wegen der Devisenmanipulationen zusammenlaufen, weil nirgends auf der Welt so viel mit Währungen gehandelt wird wie in Großbritannien.

London dominiert den Währungsmarkt
London dominiert den Währungsmarkt

Wer in Sachen Devisenskandal auf dem laufenden bleiben will, sollte diese Infografik von Bloomberg regelmäßig konsultieren. Bis alle 19 Ermittlungen abgeschlossen sind, wird es jedenfalls noch dauern.