Claus Bjorn Larsen / Keystone

Starker Wettbewerb unter den Reedereien

Dichtestress auf den Weltmeeren

von Christian Steiner / 31.08.2016

Die Containerschifffahrt wächst und steckt dadurch in einer Krise. Wie hängt das zusammen? Vier Gründe, wieso die Branche am Rand des Ruins steht.

Die Zahlungsschwierigkeiten der südkoreanischen Hanjin ist das vorerst letzte Kapitel in einem ruinösen Verdrängungswettkampf auf den Weltmeeren.

Je grösser das Schiff, desto schwieriger ist es, seinen Kurs zu ändern. Der Kurs der Reedereien kennt seit Jahren nur eine Richtung: grössere Schiffe und sinkende Renditen. Wie hängt das zusammen? Vier Gründe warum dies die Industrie an den Rand des Ruins führt.

Die Schiffe werden immer grösser

Durch neue Schiffe können riesige Skaleneffekte erzielt werden. Der Chef von Hapag Lloyd, Rolf Habben-Jansen, erklärte an einer Branchenveranstaltung vom vergangenen Jahr den Mechanismus. Ein Schiff, das 20’000 Container transportieren kann, verbrennt nur halb so viel Diesel pro Box wie ein Schiff mit 5000 Containern.

Kein Wunder, dass die Kapazitäten der Megaschiffe in den vergangenen Jahren stark angewachsen sind. Sinnbildlich dafür stehen die Boote der grössten Reederei der Welt, Maersk, die sich in den vergangen 20 Jahren fast verdreifacht hat. (vgl. Grafik) Damit machen die Containerschiffe gar den Öltankern die Rolle als grösste Schiffe auf dem Meer streitig.

(Quelle Maersk)

Doch von den Grösseneffekten können die Reedereien nur profitieren, wenn ihre Schiffe ausgelastet sind. Und dies wird mit dem wachsenden Angebot immer schwieriger.

Der Welthandel wächst nur langsam

Der Preis für einen Transport von Schanghai nach Rotterdam befindet sich auf einem Tiefstand. (vgl. Grafik). Dies hat einerseits mit dem Preiswettbewerb zwischen den grossen Reedereien zu tun. Anderseits damit, dass sich die chinesische Wirtschaft von der Fabrik der Welt zu mehr Dienstleistungen wandelt. Da die Industrie im ehemaligen Kaiserreich zurückgeht, sinkt auch der Rohstoffhunger. So wird weniger nach China importiert und weniger aus dem Reich der Mitte ausgeführt.

Zudem wächst die Wirtschaft weltweit bloss langsam. Dennoch werden immer mehr Waren transportiert. Doch mit der Ausweitung des Angebots an Transportkapazitäten hält das Wirtschaftswachstum nicht mit.

Konsolidierung im Markt

In der Container-Industrie wird fusioniert und es werden Allianzen geschmiedet. Dadurch können Skaleneffekte realisiert werden (indem Beispielsweise Anlegeplätze geteilt werden) oder Schiffe besser ausgelastet werden. So beherrschen heute drei grosse Container-Allianzen den Markt. (vgl. Grafik)

Schweinezyklus bei den Bestellungen

Beim Schiffsbau herrscht ein regelrechter Boom. Je grösser die Schiffe, desto günstiger können sie transportieren. Doch die Investitionen in ein Flotte mit grossen Schiffe kann in die Milliarden gehen und das Bauen dauert einige Zeit.

Dennoch ist für die Reeder der Zeitpunkt für eine Flottenerneuerung gut. Die Werften bauen unter massiver Staatshilfe zu Preisen die so tief sind, dass nur nicht kaufen billiger wäre.

Trotz der niedrigen Preise müssen Garantien bei den Werften hinterlegt werden, bevor diese überhaupt zu bauen beginnen. Bei Abbestellung drohen hohe Bussen. So können die Reedereien kurzfristig nicht auf eine geringere Nachfrage reagieren – ausser sie würden die neuen Schiffe gleich wieder versenken.