Die absurd hohen Gewinne der Zentralbanken

von Lukas Sustala / 12.01.2015

Zentralbanken sind für die Geldpolitik zuständig und zeichnen sich an sich nicht durch Gewinnstreben aus. Doch in Zeiten aufgeblähter Bilanzen und allgemein steigender Wertpapierkurse werden die Geldpolitiker zu wahren Regenmachern. Die US-Notenbank hat mit ihrem Gewinn für 2014 von knapp 100 Milliarden Dollar zwar für die meisten Schlagzeilen gesorgt, immerhin war es der höchste Gewinn in ihrer Geschichte.

Doch es ist die Schweizerische Nationalbank (SNB), die, gemessen an der Größe der Volkswirtschaft, wirklich für absurd hohe Gewinne gesorgt hat. Das Plus von 38 Milliarden Franken fällt zwar absolut gesehen kleiner aus als bei der Fed. Auf den einzelnen Staatsbürger heruntergerechnet kommt die SNB aber auf fast 4.000 Euro Gewinn pro Schweizer und Schweizerin. Das ist eine enorme Summe – und etwa höher als die Bildungsausgaben (die lagen 2012 bei 34 Milliarden Franken). Zwar wandert ein erheblicher Teil des Gewinns in eine Bewertungsreserve, aber die SNB sitzt damit auf einem wahrlich dicken Ertragspolster.

Die allgemeine Erholung bei Staatsanleihen – die von der SNB gekauft werden, um den Euro-Mindestkurs zu halten – hat wesentlich für die Gewinne gesorgt. Gleichzeitig warnen allerdings Ökonomen wie der einflussreiche Wirtschaftsprofessor Ernst Baltensperger im NZZ.ch-Interview, dass es so nicht weitergehen kann. Die Gewinne könnten auch schnell wieder „zerrinnen“, warnt Baltensperger. Er fordert, was österreichische (Fremdwährungs-)Kreditnehmer wohl nicht gerne hören, dass die SNB nicht mehr stoisch den Franken an den Euro bindet. Sie sollte ihre Flexibilität erhöhen und auch Dollar-Papiere kaufen.