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Randnotiz

Die Absurdität ist eine Tochter der Zeit

von Lukas Sustala / 30.03.2016

Geldpolitik ist oft nicht mehr als die Macht der Worte. EZB-Präsident Mario Draghi sagte, er werde den Euro retten, „whatever it takes“, die Investoren glaubten ihm, und die Gemeinschaftswährung war gerettet.

Es geht also um Glaubwürdigkeit. Und die ist in Zeiten von immer neuen Experimenten immer schwerer zu bewahren. Und so muss man es es ja begrüßen, wenn Benoît Cœuré, einer der ranghöchsten EZB-Geldpolitiker, kürzlich meinte: „Sie (die Banken) wissen, dass wir die Zinsen nicht in absurd negative Bereiche senken.“

I think banks have been reassured about the possible negative impact of negative rates on some of them. They know we will not take rates into absurdly negative territory. But we can never rule out further moves. That would not be credible anyway.

Nun denkt sich der zinspolitisch interessierte Beobachter: Sind negative Zinsen nicht schon absurd? Ist es absurd, wenn die Zentralbank zum wichtigsten Portfoliomanager wird und bald vielleicht ein Viertel der verfügbaren Staatsschulden aufkauft? Oder ist es absurd, wenn die EZB als geldpolitische Instanz den Banken für vier Jahre Geld borgt, zu negativen Zinsen, damit endlich Kredite an die Privatwirtschaft gehen, nur um zeitgleich als oberste Bankenaufsicht vor den hohen Risiken bei Kreditausfällen zu warnen?

Das alles wird so lange als „absurd“ abgewertet, bis es gemacht wird. Dafür gibt es nämlich im Zentralbank-Sprech ein anderes Wort: Solche Politik wird als „unorthodox“ bezeichnet.

Und so klingt es vielleicht wie eine Warnung, wenn Cœuré sagt, man denke derzeit – noch – nicht über „Helikopter-Geld“ nach. Denn die Geschichte der Geldpolitik in der aktuellen Finanzkrise zeigt: Die Absurdität ist eine Tochter der Zeit.


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