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Banken in Österreich

Die Bank gewinnt nimmer

von Lukas Sustala / 20.10.2015

Die Bank Austria könnte vor massiven Einschnitten stehen. Doch es ist nicht nur die Tochter der UniCredit, die aktuell strauchelt, der österreichische Bankensektor steht aus mehreren Gründen vor Umwälzungen.

Was da bei der Deutschen Bank gerade passiert, sieht auf den ersten Blick wie ein Geld-GAU aus. Sechs Milliarden Euro in einem Quartal verloren, tausende Banker werden wohl entlassen und das Management muss vollkommen neu geordnet werden. Doch für österreichische Banken stellt sich die Situation keinen Deut besser dar.

UniCredit-Chef Federico Ghizzoni will die italienische Großbank verkleinern und auch in Wien sparen.
Credits: AP Photo/Luca Bruno

Bei der Bank Austria geht es um nicht weniger als ihre Existenz als Großbank. Denn in Mailand werden große Pläne geschmiedet, die UniCredit-CEO Federico Ghizzoni am 11. November als neue Strategie den Investoren präsentieren will. Wenn man dem Bericht des traditionell gut informierten Standard und der Nachrichtenagentur Reuters glauben darf, dann verhandeln UniCredit und Bawag-Eigentümer Cerberus über große Umwälzungen im österreichischen Bankgeschäft.

Der US-Hedgefonds könnte für seine Tochter Bawag das Kundengeschäft der Bank Austria in Österreich übernehmen. Dabei soll es sowohl um das normale Privatkundengeschäft gehen als auch um die Betreuung von KMUs. Das Osteuropa-Geschäft der Bank Austria aber könnte konzernintern gen Süden verschoben und in Mailand angesiedelt werden. Das ist vertraglich ab 2016 möglich. Dann würde für die Bank Austria aber nur noch ein Rumpf übrig bleiben, die Betreuung von vermögenden Privatkunden und die Schoellerbank.

Dass etwas passieren wird, ist klar, denn der Druck von Investoren ist groß. Für die Bankanalysten von Morgan Stanley besteht für UniCredit in Österreich dringender Handlungsbedarf, Einsparungen von 250 Millionen Euro jährlich bei 1.600 Entlassungen. Bei den Einsparungen sollte die UniCredit in Österreich genau schauen, finden die Analysten von Morgan Stanley: „Bank Austria has the biggest potential, but it’s the most difficult to deliver.“

Doch auch abseits des UniCredit-Konzerns ist der Bankenmarkt in Bewegung. Die Österreich-Nachfolgerin der Hypo Alpe Adria, die Anadi Bank, musste am Montag zudem kommunikativ ausrücken, um Gerüchte zu dementieren, dass die Kapitalausstattung Sorgen bereite und die Eigentümerin, die britisch-indische Kanoria-Gruppe, einen Teilverkauf plant.

Und parallel dazu sparen auch die übrigen Großbanken. Die Raiffeisen Bank International hat sich etwa zu Jahresbeginn einen Schrumpfkurs verordnet. Dass in Österreich die Bankenlandschaft auch 2015 weiter verblühen wird, liegt vor allem an drei Trends: 1. Österreich ist „overbanked“. 2. Osteuropa ist nicht mehr so profitabel. 3. Die Banken müssen ihre Kapitalausstattung erhöhen.

Zu klein, zu viele

Der These, dass der heimische Bankenplatz „overbanked“ sei, schließen sich Internationaler Währungsfonds, Berater und Bankenvertreter an. Die Folge ist logisch: Banken verdienen strukturell in Österreich weniger gut als in anderen Märkten, was einer der Gründe für die Osteuropa-Expansion der Geldhäuser war. Damit konnten die Banken ihre Ertragslage bis 2008 ordentlich auffetten, doch die drastischen Abschreibungen haben seit 2008 voll durchgeschlagen.

Auch wenn Aufseher und Bankenvertreter bei der Diagnose „overbanked“ weitgehend Einigkeit zeigen: Passiert ist noch nicht wirklich viel: Denn der österreichische Staat hat jede strauchelnde Bank der letzten Jahre gerettet, ob nun die ÖVAG, die Hypo Alpe Adria oder die Kommunalkredit.

Also blieb von der Bereinigung wenig übrig. Ökonomen wie Franz Hahn vom Wirtschaftsforschungsinstitut rechneten schon lange mit einer drastischen Kündigungswelle im Bankwesen, von jedem dritten Arbeitsplatz ist da zeitweise die Rede. Doch geschehen ist auch nach den mageren Jahren relativ wenig. Die Beschäftigung der österreichischen Banken liegt nach wie vor bei rund 75.000 Mitarbeitern.

Crash der Cash Cow

Die Situation in Osteuropa kann die Strukturprobleme in Österreich nicht mehr auffangen. Im Gegenteil: Die Herausforderungen im Osten sind groß. So ist etwa der Raiffeisen Bank International – die Osteuropabank unter dem Giebelkreuz – mit Russland die wichtigste Cash Cow weggebrochen, unter der Last von Wirtschaftssanktionen und ölpreisbedingter Rezession. In den übrigen osteuropäischen Ländern sorgen Frankenkredite wiederholt für Probleme (zuletzt in Kroatien und Polen, lange Zeit in Ungarn), das Wachstum bleibt relativ verhalten und die notleidenden Kredite sind hoch. In immerhin neun Ländern Osteuropas, von der Ukraine bis nach Ungarn, liegt die Quote der notleidenden Kredite bei über zehn Prozent. Zum Vergleich: In Österreich liegt der Anteil der faulen Kredite laut EZB-Daten knapp halb so hoch.

Kapital, dringend gesucht

Und so tun sich die österreichischen Banken im internationalen Vergleich auch ein wenig schwerer, die Anforderungen der Regulatoren aus London oder Frankfurt nach mehr Kapital zu erfüllen. Im internationalen Vergleich ist die Quote des harten Kernkapitals der österreichischen Banken etwas niedriger. Wer keine Kapitalerhöhungen durchführen möchte, die zulasten der Eigentümer, etwa der kleinen Raiffeisenbank oder Sparkassen, gehen, hat nur einen anderen Weg: mehr Gewinn machen. Und das bedeutet angesichts des nach wie vor schwachen Wachstums hierzulande vor allem eines: Sparen.