AP Photo/Matt Dunham

Finanzkonzerne und Regelwerke

Die Banken schultern den Strafen-Berg

von Christiane Hanna Henkel / 17.09.2016

Seit Ausbruch der Finanzkrise haben Banken schon Hunderte von Milliarden Dollar an Bussen bezahlt. Solche „litigation costs“ gehören inzwischen in gewisser Weise zum Geschäftsmodell. Genauso auch deren Vermeidung.

Noch nie in der Wirtschaftsgeschichte ist eine Branche mit so hohen Bussen belegt worden, wie die Banken. 260 Mrd. $ haben amerikanische und europäische Banken laut Morgan Stanley (siehe Grafik) seit der Finanzkrise von 2008 bis Mitte letzten Jahres an die Behörden dies- und jenseits des Atlantiks überwiesen. Mit weiteren 65 Mrd. $ ist zu rechnen.

(Bild: )

Zunächst waren die Banken vor allem von den amerikanischen Behörden zur Rechenschaft gezogen worden für ihre Rolle während des Immobilienbooms. Mehr als einen Drittel der bisher gezahlten Bussen entfällt auf den Bereich mit verbrieften Hypotheken.

Und vor allem in Grossbritannien mussten die Banken zudem enorme Summen für missbräuchliche Kredit-Versicherungen (PPI) aufbringen. Der entsprechende Posten macht rund 17% der Bussensumme aus. In den Jahren nach der Finanzkrise entdeckten die Behörden dann weitere Vergehen: So hatten viele Banken im grossem Stil die Märkte für Zinsen, Währungen und Derivate manipuliert.

Die Bussen-Liste führen Bank of America mit 65,6 Mrd. $ und JP Morgan mit 42,4 Mrd. $ an. Geschultert haben die Banken die Beträge, indem sie auf ihr Eigenkapital zurückgreifen mussten, Geschäftsbereiche verkauften, allfällige Gewinne sozusagen gleich wieder an die Behörden überwiesen haben und die Kosten vor allem durch Personalabbau gekürzt haben.

Auch wenn die Welle der grossen Bussen abgeflacht ist, gehören „litigation costs“ in gewisser Weise nun zum Geschäftsmodell. Und auch die Vermeidung ebensolcher: Die Banken investieren Unsummen in die „Compliance“, also in Systeme und Prozesse, die garantieren sollen, dass alles konform mit den in den letzten Jahren explodierten Regelwerken läuft.