Die Bundesbank warnt vor Übermut

von Claudia Aebersold Szalay / 26.11.2014

Bundesbank-Chef Jens Weidmann warnt aktuell laut vor den Risiken an Europas Finanzmärkten

Die deutsche Bundesbank ortet bei den deutschen Geldinstituten Gefahren durch die Niedrigzinsphase. Zwar sind die Banken heute besser kapitalisiert als noch vor einem Jahr. Doch die niedrigen Zinsen könnten dazu verleiten, höhere Risiken einzugehen, berichtet NZZ-Wirtschaftskorrespondentin Claudia Aebersold Szalay aus Frankfurt.

Das gute Abschneiden deutscher Banken bei der Bilanzprüfung der Europäischen Zentralbank (EZB) ist kein Grund für Selbstgefälligkeit im deutschen Bankensektor. Die Bundesbank hat in ihrem jüngsten Bericht zur Finanzstabilität in Deutschland eindrücklich aufgezeigt, vor welch großen zyklischen und strukturellen Herausforderungen die deutsche Bankenbranche steht.

Schwache Ertragskraft

Die Ertragskraft deutscher Kreditinstitute lässt im internationalen Vergleich zu wünschen übrig. Die elf grössten Banken des Landes wiesen im ersten Halbjahr 2014 einen Ertragsrückgang gegenüber der Vorjahresperiode von rund 8 Prozent aus. Die Hauptgründe für den weiteren Verlust der operativen Ertragskraft der ohnehin ertragsschwachen deutschen Geldhäuser waren der rückläufige Zinsüberschuss einerseits und die gesunkenen Handelsergebnisse andererseits. Die strukturelle Schrumpfung der Zinsspanne wird derzeit akzentuiert durch das Niedrigzinsumfeld.

Das klassische Zinsdifferenzgeschäft stellt aber für viele deutsche Banken nach wie vor die Hauptertragsquelle dar. Aus diesem Grund befürchtet die Bundesbank, die historisch tiefen Zinsen könnten die Banken dazu verleiten, auf der Suche nach Rendite vermehrt Risiken einzugehen. Erste Anzeichen der Übertreibungen ortet die Notenbank auf den Märkten für Unternehmensanleihen und bei syndizierten Krediten. Die Risikoaufschläge für Euro-Unternehmensanleihen schlechter Bonität sind laut Bundesbank heute so gering wie vor Ausbruch der Finanzkrise.

Deutsche Banken sind heute, nicht zuletzt dank der Bilanzprüfung durch die EZB, zwar deutlich besser kapitalisiert als vor Jahresfrist. So haben sie gegenüber dem Vorjahr gut 11 Mrd. Euro an neuem Kapital aufgenommen, Gewinne in Höhe von 2,5 Mrd. Euro zurückbehalten und Risikoaktiva im Wert von 87 Mrd. Euro abgebaut. Doch ihre Ertragsschwäche bedeutet letztlich, dass sie ihre Kapitalbasis aus eigener Kraft nicht mehr groß verbessern können.

Immobilienmarkt intakt

Anders als von vielen erwartet hat die Bundesbank beim Immobilienmarkt auch diesmal eher entwarnt. Zwar berichtet sie wie schon in den Vorjahren über heftige Preisanstiege in den Großstädten, doch konstatiert sie, dass die Vergabe von Hypotheken nicht prozyklisch sei. Weder gehe der Preisanstieg mit einer merklichen Ausweitung des Hypothekarvolumens einher, noch hätten die Banken ihre Standards wegen der hohen Nachfrage gelockert.