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Die Deutsche Bank attackiert die EZB scharf

Meinung / von Michael Rasch / 09.06.2016

Schluss mit lustig, Verständnis war gestern. In der Finanzbranche wächst der Unmut über die Europäische Zentralbank. Besonders scharf schießt die Deutsche Bank auf die EZB. Eine kurze Bestandsaufnahme.

Notenbanken waren in den letzten Jahrzehnten die Hüter wirtschaftlicher und finanzieller Sicherheit. Doch auch Währungsbehörden können auf Abwege geraten. Die Erkenntnis ist nicht neu, wurde sie doch in den vergangenen 100 Jahren mehrfach belegt. Als eine Notenbank auf Abwegen sehen immer mehr Marktteilnehmer die Europäische Zentralbank (EZB). Besonders scharf schießt derzeit die Deutsche Bank gegen die EZB.

Laut David Folkerts-Landau, Chefökonom von Deutschlands größtem Geldhaus, folgen die EZB und andere Zentralbanken einem Dogma: Man müsse die Zinsen nur tief genug senken, um die aggregierte Nachfrage zu steigern. Doch auch diese Politik unterliege dem ökonomischen Gesetz abnehmender Grenzerträge. Besonders schlimm sei, dass die EZB ihre Glaubwürdigkeit unter Marktteilnehmern und in der Öffentlichkeit verliere.

Die immer extremere Geldpolitik werde zu Fehlallokationen in der Realwirtschaft führen, die sich nur zu immer höheren Kosten wieder beheben lassen würden. Indem sich die EZB zum ultimativen Retter der Eurozone erhebe, erlaube sie Politikern, die Hände in den Schoss zu legen, statt durch Reformen Wachstum zu schaffen und öffentliche Haushalte auf Vordermann zu bringen.

Solange die EZB die erforderliche Katharsis verzögere, trage sie zum Erfolg von Populisten und antieuropäischen Parteien bei und gefährde so das gesamte europäische Projekt. Das ist starker Tobak. Die Deutsche Bank fordert vehement eine Kursänderung der EZB. Eine gute Gelegenheit dafür böte der erwartete Anstieg der Inflation auf mehr als ein Prozent im ersten Quartal 2017.

Man könnte dem Ökonomen böswillig vorwerfen, die Kritik werde gerade jetzt so laut, wo auch viele Banken unter der EZB-Politik leiden. Doch Folkerts-Landau begründet den Aufschrei mit tiefer Sorge über fundamentale Fehler.