Kai Pfaffenbach / Reuters

Drohende Kapitalnot

Die Deutsche Bank im Strudel der Gerüchte

von Michael Rasch / 08.10.2016

Der Deutschen Bank drohen aus zwei grossen Rechtsfällen immense Strafen, die ihre Rückstellungen übersteigen dürften. Nun machen Gerüchte die Runde, woher das Geld kommen könnte.

Die Deutsche Bank droht wegen hoher Strafzahlungen für laufende Rechtsfälle in Kapitalnot zu geraten. Das Institut hat für Rechtsstreitigkeiten 5,5 Mrd. € zurückgestellt. Doch allein in den USA könnte im Zusammenhang mit Hypothekengeschäften aus der Zeit vor der Finanzkrise laut Medienberichten eine Strafe von rund 14 Mrd. $ auf sie zu kommen. Allerdings gehen Beobachter davon aus, dass sich die Strafe eher im Bereich von 5 Mrd. $ bewegen dürfte.

Zudem gibt es noch einen weiteren grossen Rechtsfall in Russland. Dem Institut wird vorgeworfen, Kunden von 2011 bis 2015 dabei geholfen zu haben, Rubel-Schwarzgeld in Höhe von rund 10 Mrd. $ zu waschen und ins Ausland zu bringen. In der Sache ermitteln auch amerikanische und britische Behörden. Im Zentrum soll dabei die Frage stehen, ob Geschäfte mit Vertrauten von Russlands Präsidenten Wladimir Putin gemacht wurden und ob es dabei zu Verstössen gegen Sanktionen gekommen ist. Sollte dies der Fall sein, könnte die Strafe sehr hoch ausfallen. Derzeit erscheint der Schluss naheliegend, dass die Deutsche Bank zusätzliches Kapital benötigt, um die Altlasten zu bewältigen. Cryan hatte jedoch Ende September gegenüber der „Bild-Zeitung“ gesagt, er plane keine Kapitalerhöhung.

Potenzial für neues Kapital

Die Krise der Bank sorgt längst weltweit vor und hinter den Kulissen für grosse Aufmerksamkeit. Am Freitagmorgen schossen in den Medien immer stärker Gerüchte ins Kraut, wie die Bank auf eine drohende Kapitalnot reagieren könnte. Das „Handelsblatt“ berichtete darüber, dass führende Manager von deutschen Industrieunternehmen bereits eine Beteiligung an dem Institut diskutiert hätten, falls die grösste deutsche Geschäftsbank neues Kapital benötigen würde.

Sollte es sich dabei um mehr als Tischgespräche handeln, dürfte der Prozess aber noch in einem sehr frühen Stadium sein. Eine Absage kam am Freitag schon vom Energiekonzern RWE, der zeitgleich die Ökostrom-Tochter Innogy an die Börse gebracht hat.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete über inoffizielle Gespräche der Deutschen Bank mit US-Investmentbanken, um verschiedene Handlungsoptionen zu sondieren, dazu gehörten eine Kapitalerhöhung und der Verkauf von Vermögenswerten. Angeblich sollen die betreffenden Investmentbanken angeboten haben, sich an der Zeichnung einer bereits genehmigten Aktienemission zu beteiligen. Die Deutsche Bank hatte sich an der Hauptversammlung 2015 den Segen der Aktionäre für eine Kapitalerhöhung von maximal 50% der ausstehenden Aktien geholt. Emittiert sind knapp 1,4 Mrd. Aktien, die Hälfte wären also rund 700 Mio. Titel. Die Deutsche Bank käme zum derzeitigen Kurs von gut 12 € somit auf eine Kapitalerhöhung von 8,4 Mrd. € – so sie denn Abnehmer für die Aktien findet. Sollte die Bank noch deutlich mehr Kapital benötigen, müsste sie sich dieses erst von den Aktionären genehmigen lassen.

Die „Financial Times“ berichtete, die Deutsche Bank erwäge einen Börsengang ihrer Vermögensverwaltungssparte. Danach prüfe das Institut, einen Minderheitsanteil an der Tochter Deutsche Asset Management an die Börse zu bringen. Nach Informationen der NZZ aus Investment-Banking-Kreisen hat die Deutsche Bank derzeit weder eine neue Kapitalerhöhung noch den Verkauf von Vermögenswerten gestartet. Plausibler sei, dass Konzernchef John Cryan erst einmal die Höhe der Strafen abwarte, heisst es.

Erholung des Aktienkurses

Im Rahmen der Krise war der Aktienkurs der Bank kurzzeitig unter 10 € gefallen. Am Freitag notierten die Papiere aber wieder über 20% höher bei € 12.10. Aktionäre haben offenbar auf diesem Niveau Chancen für Kursgewinne gesehen. Am Finanzmarkt kursierte zudem am Freitag die Meldung, dass zwei führende Hedge-Funds ihre Spekulationen auf fallende Kurse bei der Deutschen Bank zurückgefahren haben.